Tierheim Moers

Category: Atreju’s Logbuch

  • …für uns zahlt keine Krankenkasse!

    Hallo Ihr Lieben,

    ich bin nun schon einige Zeit wieder im Dienst und ich kann Euch sagen: es war und ist wirklich viel los bei uns.

    Bevor ich Euch davon erzähle, möchte ich mich erst einmal bedanken. Ich hatte doch aus meinem Zwangsurlaub eine Bestellung für Katzenmilch aufgegeben – erinnert Ihr Euch? Was soll ich sagen … das hat tatsächlich geklappt … ich hätte in Katzenmilch baden können. Ihr habt soviel Katzenmilch gebracht, dass meine Mitarbeiter komplett eigenständig entschieden haben, dass alle etwas davon bekommen sollen. Zuerst habe ich ein wenig geschluckt, als ich das gesehen habe – ich liebe Katzenmilch nämlich wirklich sehr – aber dann habe ich gedacht: “Ach komm Paula – du bist eine gute Hotelchefin … geteilte Freud ist doppelte Freud.” … und tatsächlich das zufriedene Schlecken aus allen Richtungen hat mich richtig erfreut.

    Ihr habt mich wirklich tief beeindruckt und wenn ich nochmal einen besonderen Wunsch habe, werde ich mich vertrauensvoll an Euch wenden.

    Jetzt sitze ich hier und putze mich ganz hektisch, weil ich gar nicht weiß, wie ich eine Überleitung von der leckeren Katzenmilch zum aktuellen Alltag schaffen soll … unser Hotelalltag ist zur Zeit so aufreibend – man kann da keine elegante Überleitung schaffen …

    Ihr wisst ja um die Aufgaben meines Hotels. Wir sind hier Anlaufstelle, für Tiere, die gar kein Zuhause haben und helfen Ihnen, eines zu finden – wir sind aber auch Anlaufstelle, für Tiere, die ein Zuhause haben, dieses aber aus den unterschiedlichsten Gründen verlieren. Es gibt Gründe, die sind traurig und unabänderlich – es gibt aber auch Gründe, die uns fadenscheinig vorkommen … aber wir hinterfragen sie nicht. Selbst wenn wir das Gefühl haben, dass eine Geschichte einen – sagen wir – etwas konstruierten Charakter hat, ist es uns egal. Denn Fakt ist nun einmal: ist ein Tier nicht mehr erwünscht, braucht es ein Zuhause, in dem es willkommen ist.

    Dank dieser Grundeinstellung können wir uns bei 90% unserer Gäste einfach auf sie konzentrieren und unser Bestes geben, damit sie ein schönes und liebevolles Zuhause finden. Gedanken wie “deshalb gibt man doch keinen Hund / Katze / Kaninchen ins Tierheim” erstickt diese Grundeinstellung im Keim und wir können uns ganz auf unsere Aufgaben konzentrieren und das ist gut und richtig so!

    Dann gibt es da noch diese anderen 10% … auch hier versuchen wir Ärger, Wut und Empörung zu verdrängen, aber es kostet viel mehr Kraft, das dann auch zu schaffen. Manches Mal renne ich dann einfach ein paarmal den Gang im Katzenhaus auf und ab, um ein Ventil für die Wut über die Verantwortungslosigkeit mancher Tierhalter zu haben!

    Ich bin mir sicher, dass viele von Euch bei meinen Worten schon an Sky denken und selbstverständlich gehört er zu diesen 10%. Sky, der in einer kalten Nacht auf dem Tierheimgelände ausgesetzt wurde und gestorben wäre, wenn er nicht rechtzeitig gefunden worden wäre.Sky, der einen Schwanzabriss hatte, der zum Kontrollverlust über Blase und Darm geführt hat und letztlich amputiert werden musste.Und auch Sky, der sich dankbar und vertrauensvoll in unsere Hände begeben hat und so dankbar für die Hilfe ist; für den wir weiter kämpfen und den wir aufrichten, wenn die Strapazen der vergangenen Wochen drohen, ihn aufgeben zu lassen.

    Sky, der meinen letzten Tropfen Katzenmilch bekäme, wenn es helfen würde… Seit Sky bei uns ist, habe ich von meinen Mitarbeitern oft so Aussagen gehört wie “was für eine Verantwortungslosigkeit” oder “wie kann man ein Tier in einer solchen Situation nur sich selbst überlassen” … dann verstummen sie aber wieder und konzentrieren sich ganz darauf im hier und jetzt zu helfen. Ich bewundere sie alle ein bisschen dafür – denn ich kann all diese Gedanken über Verantwortungs- und Herzlosigkeit nicht so einfach zur Seite schieben. Ich frage mich, was das für Menschen sind, denen ein Tier sein Vertrauen schenkt und die es auf widerlichste Art und Weise im Stich lassen, wenn es ihre Hilfe am dringendsten benötigt. Ich wünsche mir nicht, dass diesen Menschen das gleiche widerfährt, wie ihren Tieren. Ich wünsche mir für kein Tier und keinen Menschen, eine solche Erfahrung machen zu müssen, aber ich wünsche mir, dass solche Menschen nie wieder die Verantwortung für ein Tier tragen dürfen. Ich wünsche mir Gesetze und die Umsetzung und Kontrolle, dass sicher gestellt ist, dass so etwas kein zweites Mal passieren kann!

    Oder auch eine Lilly, die mit dem Hinweis auf eine mögliche Nierenproblematik oder vielleicht auch Blasenentzündung zu uns gebracht wurde. Auch ihre Geschichte haben bestimmt viele von Euch verfolgt: Lilly hatte schmerzhafte Blasensteine und musste operiert werden! Sie hat versucht, ihren Schmerz weg zu lecken – was natürlich weder funktioniert noch die Situation verbessert hat.

     

     

     

    Die 7jährige Icy bei der während der Kastration festgestellt wurde, dass die Gebärmutter so entzündet ist, dass sie entfernt werden musste. Icy hat sich jeder Manipulation vehement entzogen und Mitarbeiter von mir ernsthaft verletzt. Wie viel Schmerzen muss diese kleine Katze erduldet haben und wie viel Angst vor Schmerzen hat sie …

    Das sind drei Beispiele, wo es meinen Mitarbeitern und mir doch sehr schwer fällt, Wut und Empörung auszublenden. Um der Tiere willen konzentrieren wir uns auf die jeweilige Situation und setzen unsere Energie dafür ein, den Gästen zu helfen. Aber wenn ich dann mal eine stille Minute für mich habe, überrollen meine Gedanken mich wie ein Tsunami.

    Einem Tier ein Zuhause schenken, heißt Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für ein artgerechtes Leben, für eine geistige und körperliche Auslastung und natürlich für Gesundheit und Wohlbefinden! Es ist Teil der Verantwortung zu erkennen, wenn es dem vierbeinigen Freund schlecht geht und dann auch herauszufinden, warum das so ist. Katzen leiden ganz still, aber jeder, der einer Katze ein Zuhause schenkt und seine Samtpfote kennt, wird mir recht geben, dass man Veränderungen bemerkt. Diese muss man ernst nehmen! Katzen werden nicht einfach mal so unsauber! Das hat Gründe, die es zu finden gilt.

    Der verantwortungsvolle Tierhalter zeigt sich nicht bei sonnigem Frühlingswetter bei einem schönen Spaziergang – Verantwortung kommt zum Tragen, wenn es schwierig wird, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat, wenn man wirklich da sein muss für seinen vierbeinigen Freund.

    Verantwortung heißt, einen Tierarzt aufzusuchen, wenn es dem Tier nicht gut geht, oder vielleicht einen Trainer zu Rate zu ziehen, wenn man Probleme hat, die man alleine nicht lösen kann.

    Verantwortung kann auch heißen, sich gegen die Anschaffung eines Tieres zu entscheiden, weil man schwierigen, eventuell auch finanziell schwierigen Situationen nicht gewachsen ist.

    Ich  weiß, dass meine Mitarbeiter Euch um Unterstützung für Sky und Lilly gebeten haben. Und ich weiß auch, das Eure Anteilnahme und Hilfsbereitschaft unglaublich war. Dafür möchte ich Euch DANKE sagen. Tatsächlich können wir solche Fälle nicht alleine stemmen – dafür bräuchten wir einen Goldesel … wenn vielleicht mal jemand einen Goldesel ins Hotel bringen möchte … der wäre herzlichst willkommen!

    Wir wissen, wofür wir das alles machen: für die Tiere! Und wir bitten inständig darum, sich die Verantwortung, die man auf sich nimmt, wenn man einem Tier ein Zuhause schenkt, bewusst zu machen.

    Ich wünschte, ich hätte Euch heute mit lustigeren Geschichten aus unserem Alltag unterhalten können, aber manchmal muss einfach gesagt werden, was gesagt werden muss. Auch wenn solche Geschichten zu unserem Alltag gehören, sind sie zum Glück nicht die Regel und bestimmt gibt es beim nächsten Mal schönere Anekdoten …

    Bis dahin sage ich: “Kümmert Euch um Eure vierbeinigen Freunde so gut, wie ich es mit meinen Gästen mache!”

    Eure Paula

  • Grüße vom Krankenlager

    So … nun sitze ich hier und schicke Euch Grüße aus der Zwangspause.

    Ihr wollt wissen, was passiert ist? Ich kann Euch sagen: das will ich auch! Zumindest kann ich Euch die Geschichte mal so erzählen, wie ich sie nun erlebt habe:

    Es stand schon einige Zeit fest, dass ich mal zum Zahnarzt müsste. Natürlich war das keine Information, über die ich mich gefreut hätte … aber anders herum – wieder besser kauen können, war auch nicht die schlechteste Perspektive. Vergangene Woche haben meine Mitarbeiter gesagt: “Paula, Du gehst jetzt zum Zahnarzt. Mach Dir keine Sorgen – wir kümmern uns hier um alles!” Keine Sorgen machen … die sind lustig … sicher weiß ich, dass sie immer alles ordentlich und gewissenhaft machen und ich mich jederzeit auf sie verlassen kann, aber so ganz mag ich die Kontrolle ja nicht aus den Pfoten geben.

    Als Hotelmanagerin bin ich halt für alles verantwortlich – da kann man nicht so einfach ausfallen. Kürzlich habe ich mich sogar selbst um den Wareneingang gekümmert … ach, ich glaube Ihr nennt das anders … bei Euch heißt das Spenden. Aber wie auch immer – sogar diese Lieferungen überwache ich regelmäßig. Zum Glück kann ich da auch sagen, dass unsere Lieferanten sehr gewissenhaft und zuverlässig sind. Sogar auf ganz besondere Bestellungen wird umgehend reagiert. Vergangenes Jahr hatten wir ja plötzlich ziemlich viele Kitten und gar nicht so viel Kittenfutter. Da haben wir ganz spontan Kittenfutter bestellt und es wurde so schnell und reichlich geliefert, dass wirklich alle gut versorgt werden konnten. An dieser Stelle einfach mal ein Danke Schön an unsere tollen Lieferanten!

    Mit dieser ganzen Verantwortung, die auf meinen Katzenschultern lastet, kann man die Dinge nicht einfach laufen lassen. Sogar die Bauaufsicht für den neuen Hoteltrakt für die Hunde obliegt mir. Auch da kontrolliere ich die Materialien und mache jede Nacht (tagsüber komme ich da gar nicht zu) eine Baustellenbegehung. Stellt Euch mal vor, niemand hat da ein Auge drauf und am Ende müssten die Hunde sich durch eine Katzenklappe quetschen … ich will ja nicht sagen, dass meine Aufsichtsfunktion wichtiger wäre als der eigentliche Bau, aber zu unterschätzen ist diese Kontrolle keinesfalls!

    Ich komme vom Thema ab … wie gesagt, vergangene Woche war also nun mein Zahnarzttermin. Was mir vorher niemand gesagt hatte, war, dass ich schon am Tag vor dem Termin aus dem Verkehr gezogen würde … ich wurde in den Spezial-Wellness-Bereich gebracht. In diesen Bereich kommen Gäste (allerdings nur Gäste des Katzenhauses), die besondere Bedürfnisse haben. Die Zimmer sind nicht so groß, dafür sind die Böden wohltuend beheizt, man bekommt sein Futter a´la Carte nicht vom Buffett und genießt wirklich viel Ruhe und Aufmerksamkeit. Ich glaube in Eurer Sprache nennt man diesen Bereich Quarantäne. Soweit – so gut … meine a ´la Carte Mahlzeit fiel dann aus! Irgendjemand sagte etwas von nüchtern aber ich fürchte, man hat mich einfach vergessen.

    Am nächsten Morgen wurde ich dann zum Zahnarzt gebracht und ab da weiß ich leider nicht mehr so viel. Ein kleiner Pieks und ich fiel in einen tiefen Schlaf … als ich wieder aufwachte, war das erste, was ich bemerkt habe, ein komisches Gefühl am Bauch. Ich war noch sehr müde und es kostete mich viel Konzentration, dieses Gefühl weiter zu erkunden … ich konnte es auch gar nicht glauben, aber offensichtlich war da eine Art Verband und darunter eine Naht … am Bauch … wo hatten die mich nur hin gebracht, dass da jemand die Zähne im Bauch sucht ? Könnt Ihr Euch meine Panik und mein Entsetzen vorstellen? War ich entführt worden und in den Fängen der Organmafia?

    Die bleierne Müdigkeit ergriff wieder Besitz von mir und ich fiel in einen traumlosen Schlaf – zum Glück … sonst hätten mich sicher Alpträume verfolgt.

    Irgendwann hörte ich vertraute Stimmen und bekam mit, wie ich nach einer weiteren Autofahrt wieder ein Zimmer im Spezial-Wellness-Bereich bekam. Zum Glück hatten sie mich gesucht, gefunden und mit nach Hause genommen … auf alles andere würden sich sicher noch Antworten finden. Aber jetzt, wo ich mich in Sicherheit wußte, wollte ich mich erst einmal weiter ausruhen.

    Nachdem ich mich gründlich ausgeschlafen hatte, sah alles gar nicht mehr so schlimm aus. Mir war auch aufgefallen, dass die Zähne sich besser anfühlten und tatsächlich schien auch nichts in mir zu fehlen – jedenfalls nichts, was mir aufgefallen wäre. Ich bekam eine wunderbare – wenn auch zu kleine – a ´la Carte Mahlzeit, jede Menge Streicheleinheiten und niemand schien besonders aufgeregt über das, was passiert war. Also beschloss ich, allen Gesprächen aufmerksam zu lauschen, damit auch ich endlich erfahren sollte, was denn da nun eigentlich passiert war. Auf die Antworten zu meinen Fragen musste ich auch gar nicht lange warten: meine Zähne wurden gar nicht im Bauch gesucht – der Doc wusste doch ganz genau, wo sie sich befanden – aber es stellte ich heraus, dass ich einen Nabelbruch hatte und damit der nicht zu Komplikationen führen würde, hat man das direkt operiert. Im Nachhinein fand ich das sehr umsichtig – schließlich wäre es kaum eine Option gewesen, dass ich ein zweites Mal ausfalle.

    Jetzt hat man mir “Zwangs-Wellness” verordnet … ich muss noch ein bisschen hier bleiben und nachdem ich anfangs doch sehr ungehalten darüber war, habe ich irgendwann zu mir gesagt: “Ach, Paula, genieße die Zeit einfach – irgendwie hast Du Dir das auch mal verdient” … als ich dann noch ein Baldriankissen bekam, war ich die Entspannung selbst.

    Bei soviel Ruhe hat man auch unwillkürlich Zeit zum Nachdenken. Ein paar Gedanken möchte ich mit Euch teilen:

    Mein Hotel für temporär hilfebedürftige Tiere ist ja eine Zwischenstation. Unsere Gäste sollen vom Hotel in ein passendes Zuhause ziehen. Deshalb kommen auch immer viele Besucher, die ein Zuhause anbieten möchten. Besonders im Katzenhaus fragen doch sehr viele nach Kitten. Natürlich kann auch ich nachvollziehen, dass so ein Katzen-Baby Euch Zweibeiner besonders berührt, dass es der Wunsch ist, ein Katzen-Baby beim Großwerden zu begleiten und so die maximal mögliche Zeit des Zusammenseins auszukosten. Aber alle unsere Gäste suchen ein Zuhause und alle werden durch ihre Persönlichkeit in dem passenden Zuhause eine solche Bereicherung sein … das ist gar keine Frage des Alters!

    Und natürlich gibt es auch eine Kehrseite der Medaille … die Kitten, die bei uns landen kommen nicht aus einem behüteten Zuhause – nein, es sind häufig die Nachkommen freilebender Katzen. Und was das in der Konsequenz heißt müssen wir immer wieder aufs Neue schmerzlich erfahren: häufig ist schon die Mutter krank und so ist es logisch, dass auch die Kleinen, deren Abwehrkräfte noch so schwach sind, erkranken. Jedes Jahr kämpfen wir, um kranken Kitten in ein gesundes Leben zu verhelfen. Der Aufwand und die Emotionen die dahinter stehen, sieht man nicht mehr, wenn dann ein Kätzchen unser Hotel verlässt. Und man sieht auch nicht die armen Würmchen, die es nicht schaffen und in unseren Armen sterben. Ich kann Euch versichern: meine Leute kämpfen für die Kleinen, als wären sie selbst die Katzenmamis, aber manchmal ist es ein Kampf gegen Windmühlen.

    Die Lösung wäre so einfach – sie heißt: Kastrieren und Impfen. Man erreicht natürlich mal nicht so eben, alle freilebenden Katzen, aber jede Katze, die ein Zuhause hat, zu einem Hof gehört oder von jemandem gefüttert wird, sollte kastriert und geimpft werden!

    Manchmal höre ich, wie jemand sagt: “Was denn … ich habe doch einen Kater – soll er doch seinen Spaß haben … habe ich ja nichts mit zu tun”. Ich kann gar nicht so laut fauchen oder meinen Fell so hoch aufstellen, wie mich so etwas aufregt.

    Wer auch immer einer Katze ein Zuhause schenkt, sollte diese Tiere doch so sehr lieben, dass er sich auch um die Artgenossen des eigenen Vierbeiners sorgt … und wer schon einmal ein krankes Kitten hat sterben sehen, der weiß, dass das mit Spaß überhaupt nichts zu tun hat.

    Wenn mein Hotel Job mal nicht mehr so aufwendig sein sollte, dann gehe ich in die Politik. Und ich werde mich für zwei große Themen einsetzen:

    1. Kastrations-, Kennzeichnungs- und Impfpflicht für alle Katzen.
    2. Katzenmilch für alle

    Zu dem zweiten Punkt habe ich noch eine Anmerkung … ich hatte ja eingangs unsere Lieferanten gelobt .. ich habe keine Ahnung, ob ich auch dem Spezial-Wellness-Bereich Bestellungen aufgeben kann, aber ich versuche es einfach mal:

    Ich bestelle hiermit Katzenmilch in ausreichender Menge! … oder auch ein bisschen mehr

    Oh … jetzt bin ich mal gespannt, ob das klappt …

    Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute

    Eure Paula

  • Schichtwechsel

    Hallo … ich grüße Euch, mein Name ist Paula und anscheinend ist es nun an mir, Euch mit Informationen zu versorgen.

    Zuletzt hatte ja Atreju diese Aufgabe übernommen, aber wie Ihr wisst, hat Atreju den Weg über die Regenbogenbrücke genommen. Da ich ihn bei seinem Job diverse Mal schon unterstützt habe, habe ich dieses Projekt nun zur Chefsache erklärt … auch wenn meine Fülle an Aufgaben und Verantwortung mir dafür eigentlich keinen zeitlichen Spielraum lassen.

    Für die, die mich noch nicht kennen: ich lebe im – wie es gemeinhin genannt wird – Tierheim Moers und bin das, was Ihr Zweibeiner eine Hofkatze nennt. Zumindest ist das die Umschreibung, die sich für Eure Ohren vermutlich verständlich anhört – tatsächlich verhält es sich aus tierischer Sicht etwas anders: ich bin die Managerin eines Hotels für temporär hilfebedürftige Tiere jeder Art. Diese Formulierung sollte schon deutlich machen, dass ich einen mehr als gefüllten Arbeitstag habe … ach, was heißt Arbeitstag … das ist nun wirklich kein “nine to five Job” – vielmehr eine 24/7 Tätigkeit!

    Damit Ihr Euch das alles etwas besser vorstellen könnt, will ich Euch einen kleinen Einblick gewähren. Als Managerin bin ich sowohl für meine Gäste als auch für das Personal zuständig. Meine Gäste sind natürlich allesamt Tiere … während das Personal ausschließlich aus Zweibeinern besteht.

    Personalführung ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die Durchsetzungsvermögen, Fingerspitzengefühl und viel Geduld erfordert. Ich möchte Euch an dieser Stelle anvertrauen, dass ich manches Mal der Verzweiflung sehr nahe bin. Ein paar Beispiele …

    Ich speise nicht mit den Gästen, ich habe einen eigenen kleinen Speisesaal. Natürlich ist das Personal zuständig für mein leibliches Wohl … das versteht sich ja von selbst … ich habe kaum Zeit, mich selbst darum zu kümmern. Leider läuft das nicht zufriedenstellend. Es scheint irgendwo eine Arbeitsanweisung zu geben, die besagt: Dame Paula bekommt zwei Mahlzeiten pro Tag. Ich weiß nicht, wo diese Anweisung her kommt, aber sie ist einfach nicht aus den Köpfen des dosenöffnenden Personals heraus zu bekommen. Tagtäglich – wirklich absolut jeden Tag – erkläre ich, dass ich speisen möchte, wann immer mir danach ist und dass ich schon mal gar nichts fresse, was länger als 15 Minuten auf meinem Teller liegt. Das Fingerspitzengefühl habe ich bei dieser Thematik komplett abgelegt – hier ist nur noch Durchsetzungsvermögen und offensichtlich leider auch Geduld gefragt. Zumindest klappt es inzwischen, dass ich regelmäßig meine Katzenmilch bekomme – dass ich die für mein Seelenheil brauche, haben inzwischen alle verstanden.

    Ein anderes großes Thema ist die Sache mit den Türen … jedes anständige Hotel verfügt über einen Doorman und ich kann Euch versichern: das hier ist ein mehr als anständiges Hotel! … ABER … mein Doorman scheint die meiste Zeit des Tages nicht auf die Türen zu achten, durch die ich hindurch gehen möchte. Hier scheint sich der Gedanke verfestigt zu haben, dass ich einfach durch die sogenannten Katzenklappen gehen könnte

    Ich weiß, dass ich von meinem Personal nicht den überdurchschnittlichen Einsatz erwarten kann, den ich hier einbringe – deshalb brauchen sie nachts nicht arbeiten. Da dann ja logischerweise auch niemand die Türen öffnen kann, wurden diese entwürdigenden Katzenklappen eingebaut. Aber tagsüber? Ich bitte Euch … da muss doch jemand die Türe öffnen, wenn ich hindurch möchte. Für mich absolut unverständlich und inakzeptabel.

    Ich will mich nicht nur beschweren … sie tun auch wirklich nette Dinge für mich. Mein Büro ist ja im Katzenhaus und erst kürzlich habe ich ein neues Chefbett bekommen und eine eigene Wärmesonne …das ist so schön und wohltuend, dass ich manchmal fast vergesse zu arbeiten.

    Und auch um die Gäste kümmern sie sich alle wirklich gut. Da lasse ich nichts auf mein Personal kommen!

    Von meinen Gästen muss ich Euch aber auch noch schnell erzählen. Wie gesagt – ich betreibe ein Hotel für hilfebedürftige Tiere … nicht nur Katzen … alle Tiere. In Notsituationen gibt es keine Rivalitäten zwischen Katzen und Hunden oder Katzen und Mäusen … da halten wir einfach zusammen und jeder ist willkommen. Im vergangenen Jahr haben wir sogar extra Räume umgebaut, damit Hähne und Minischweine hier wohnen konnten.

    Und auch unser Serviceangebot ist großartig. Ich will nicht hochstapeln, aber man könnte schon fast Wellness-Hotel sagen … es gibt hochwertige und abwechslungsreiche Mahlzeiten. Unsere Wintergäste, die Igel, bekommen sogar täglich einen komfortablen Transport zum Wiegen … da müssen sie nicht selber laufen … und für alles, wozu das Personal aufgrund der vielen Aufgaben nicht mehr soviel Zeit hat, gibt es noch Zweibeiner, die nur dafür da sind, die Freizeit unserer Gäste zu bereichern: sie gehen mit Hunden spazieren oder kuscheln mit Katzen.

    Unsere Gäste fühlen sich so wohl, dass sie uns bei unserer Arbeit unterstützen. Kennt Ihr Hexe? Ein großartiger Gast … 1a in den Themen Mitarbeiterschulung! Ungeduldige und ungeschickte Zweibeiner schicke ich alle in Hexe´s Seminare. Wenn einer Grenzen unmißverständlich aufzeigen kann, dann sie! Hexe hat klare Regeln: nicht über den Rücken streicheln, nicht bedrängen und äußerste Zurückhaltung … hält sich jemand nicht daran … Zack … sofort wird diese Regel untermauert und durch Konsequenzen gefestigt. Ich glaube von ihr könnte ich auch noch was lernen …

    Na ja, und auch Atreju, der Euch einige Monate mit Geschichten aus diesem Hotel (er nannte es so wie Ihr Tierheim – aber was soll man von einem Hund auch erwarten) versorgt hat, war ein Gast.

    Ihr seht, wir  sind hier ein eingespieltes Team und jeder – egal wie lange er hier verweilt – ist ein Teil des Teams. Jetzt, wo ich diesen Job hier mache, seid auch Ihr ein Teil des Teams.

    Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit und bis zu den nächsten Hotel-News wünsche ich Euch alles Gute!

    Mit sehr freundlichen Grüßen

    Dame Paula

  • “Freundschaftsdienst” vom 5.12.2017

    Hallo … guten Tag,

    ich fühle mich ein wenig unsicher …
    Vielleicht fangen wir einfach mal ganz formell an – ich sage Euch, wer ich bin und was ich hier mache:

    Mein Name ist Brian. Ich wohne im Moerser Tierheim und ich mag ein sehr ruhiges und strukturiertes Leben, weshalb mir das hier jetzt gar nicht behagt … aber ich tue es für einen Freund!

    Viele von Euch werden schon wissen, dass Atreju das Tierheim über die Regenbogenbrücke verlassen hat – was die meisten sicher nicht wissen, ist, dass er schon länger wusste, dass das sein Weg sein würde. Wir Tiere spüren es, wenn unsere Kräfte nicht mehr zum Leben reichen. Wir haben beide auf der Wiese gewohnt und er hat schon vor ein paar Wochen zu mir gesagt: “Brian, das wird hier kein gutes Ende nehmen. Alle haben so um mich gekämpft und ich habe alles gegeben, um wieder gesund zu werden, aber ich bin am Ende meiner Kräfte und ich möchte, dass Du, Brian, meinen Freunden da draußen noch ein paar Dinge von mir sagst, wenn ich meinen letzten Weg angetreten habe.”

    Deshalb schreibe ich das hier nun, weil ich meinem Weggefährten diesen Wunsch erfüllen möchte. Wir waren keine so richtigen Buddies, die zusammen auf der Wiese getobt haben, aber wir haben uns sehr respektiert und waren einander auch wichtig. Die gemeinsame Zeit auf der Wiese hat dieses zarte Band stärker gemacht und es macht auch mich sehr traurig, dass mein Wiesenkumpel nun nicht mehr zu mir herüber schauen kann. Ich habe seinen Krankheitsverlauf mit allen Höhen und Tiefen miterlebt und habe all die Sorge und Fürsorge, die ihm entgegen gebracht wurde, gespürt.

    Natürlich habe ich auch gespürt, dass sein letzter Gang nicht mehr fern war und einmal habe ich ihn gefragt: “Sag mal, Atreju, merken Deine Menschen gar nicht, dass sie den Kampf gar nicht mehr gewinnen können?” Und er antwortete: “Nein, Brian, Menschen können das nicht spüren oder riechen wie wir Tiere – sie hoffen und wollen nicht loslassen, aber ich vertraue darauf, dass sie zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung treffen werden und mich nicht leiden lassen.”

    Danach gab es nicht mehr viel zu sagen und ich habe ihm – verbunden durch unsere Wiese – beigestanden.

    Atreju sollte recht behalten: als klar war, dass es für ihn keine Medizín mehr gab, die helfen konnte, wurde ihm weiteres Leid erspart. Er musste seinen letzten Weg nicht alleine gehen – seine Pfote wurde gehalten und sein Kopf gestreichelt. Und auch, wenn wir Tiere die große Traurigkeit spüren, wissen wir, dass diese Traurigkeit der Ausdruck von unglaublich tiefer Zuneigung ist und dieses Gefühl nehmen wir mit über die Regenbogenbrücke … das kann uns niemand mehr nehmen.

    Atreju sagte auch noch zu mir, dass es bestimmt viele geben wird, die sagen werden “oh nein – der arme Hund, er ist nicht mehr aus dem Tierheim raus gekommen …” Er hat mich gebeten, all denen, die diesen Gedanken haben, seine Worte mitzuteilen: “Ich kam vor über einem Jahr in dieses Tierheim und dachte eine ganze Zeit, dass das der schlimmste Ort für mich ist. man hatte mich aus meinem alten Zuhause entwurzelt und in einen Käfig geworfen. Ich war lange Zeit wütend und wollte keinen richtigen Kontakt … aber viele Menschen haben sich um mich bemüht und ihre Bemühungen und ihre Zuneigung waren so ehrlich, dass ich mich dem nicht entziehen konnte. Ich dachte so für mich, na dann mach ich halt das Beste draus und schau mal, was sie so mit mir machen … Und was soll ich sagen, das Tierheim wurde mehr und mehr ein Zuhause für mich … und zwar nicht, weil auf einmal alles toll war, sondern weil ich erkannt habe, dass ein Zuhause nicht dort ist, wo man neben einem Sofa liegen darf, sondern dort, wo man einen Platz im Herzen hat. Und ich hatte hier viele Plätze in vielen Herzen.”

    Ich verstehe absolut, was er damit meinte. Natürlich ersetzt ein Tierheim nicht das Gefühl, ein vollwertiges Mitglied in einem Rudel / einer Familie zu sein – einfach, weil der Tagesablauf und die Rahmenbedingungen anders sind, aber es kann ein Zuhause werden, weil man Menschen findet, die es dazu machen. Mir geht es genau so. Ich weiß nicht, ob ich nochmal ein Zuhause außerhalb des Tierheims finden werde – das ist ja in meinem Fall etwas schwierig, aber auch ich habe hier Menschen, die aus dem Tierheim mein Zuhause gemacht haben.

    So, ich glaube ich habe Euch nun alles erzählt, was Atreju Euch noch wissen lassen wollte. Ich werde hier übrigens nicht nochmal schreiben. Soviel Aufmerksamkeit mag ich gar nicht und ich habe es dieses eine Mal aus reiner Wertschätzung gegenüber meinem Kumpel gemacht. Aber glaubt mal, dieser Spitz war wirklich schlau und loyal … ich bin mir ziemlich sicher, dass er irgendwie auch noch dafür gesorgt hat, dass Ihr auch künftig noch Geschichten aus dem Tierheim hören werdet.

    Mir bleibt jetzt nur noch zu sagen: “Run free, mein Freund! Ich werde unsere Streitereien am Zaun ebenso vermissen, wie unsere gemeinsamen Spaziergänge, die wir ab und zu machen konnten, bevor Du krank wurdest.”

    Damit verabschiede ich mich auch von Euch. Haltet die Erinnerung an Atreju in Ehren …

    So long

    Euer Brian

  • Ein Freund geht seinen Weg

    Schweren Herzens, aber in dem Wissen das einzig Richtige zu tun, mussten wir Atreju diese Woche gehen lassen.

    Noch bis vor 3 Wochen haben wir seine Genesung nicht in Frage gestellt – dann verschlechterte sich sein Zustand deutlich. Er wurde behandelt und erholte sich auch kurzzeitig.
    Anfang dieser Woche musste er dann intensiv medizinisch versorgt werden … lag ganztägig am Tropf. Da sich keine Besserung einstellte, lag der Verdacht nah, dass es eine noch unerkannte Ursachegeben musste.
    Weitere Untersuchungen wurden gemacht, um dann auch den Grund für seinen sehr schlechten Zustand zu finden: Ein Tumor in der Lunge nahm ihm die Luft zum Leben.

    Wir bedanken uns, dass Ihr Atreju hier ein Stück seines Weges begleitet habt und ihn als den Hund wahrgenommen habt, der er war: ein großartiger und treuer Freund!❤️

    Wenn die Sonne des Lebens untergeht,
    leuchten die Sterne der Erinnerung.

  • Ein Spitz rekrutiert Verstärkung…

    Hallo Freunde,

    es hat dieses Mal etwas länger gedauert, bis Ihr wieder von mir hört … das lag an zwei Sachen: zum einen habe ich es etwas ruhiger angehen lassen, damit ich wirklich gesund werden kann und zu anderen musste ich feststellen, dass es hier von der Wiese aus doch etwas schwieriger ist alles im Blick zu halten.

     

    Wie dem auch sei … es geht mir inzwischen wieder richtig gut und denjenigen unter Euch, die sich nach meinem letzten Bericht Sorgen gemacht haben, ich könnte hier futtertechnisch nicht gut versorgt werden, kann ich sagen: alles super! Die Unstimmigkeiten bezüglich meines Futters sind Schnee von gestern – ich bin vollauf zufrieden.

    Das soll aber auch schon genug von mir sein – schließlich habe ich zuletzt ja fast nur von mir erzählt. Ich finde mich zwar ganz passabel, aber so selbstverliebt bin ich dann nun auch nicht …

    Bei uns auf der Wiese ist es ruhig geworden. Kurz nachdem Danilo ausgezogen ist, hat auch Speedy ein Zuhause gefunden. Jetzt sind nur noch Brian und ich auf der Wiese. Das macht uns aber gar nichts, wir zwei haben das hier absolut unter Kontrolle. Was allerdings für mich sehr hilfreich war, war der Umstand, dass auch die Hofkatze Paula manchmal hier ihre Runden dreht. Mir war sehr schnell klar, dass sie mir helfen könnte, mehr Informationen zu bekommen … schließlich bewegt sie sich ganz frei im Tierheim und sie geht sogar ins Katzenhaus.

    Ich habe also aufgepasst und, als sie mal wieder über die Wiese schlich, habe ich gerufen: “Hey, Miezekatze, komm doch mal her!” – Ihr braucht nichts sagen, mir wurde auch recht schnell klar gemacht, dass das keine angemessene Anrede für eine Katze war. – Paula guckte ziemlich grimmig, kam aber näher und fragte: “Was willst du schwarzes Fellmonster? Hast Du was Leckeres für mich?” Ich war irritiert über diese Frage und als höflicher Hund (der ich tief in mir drin wirklich bin) habe ich natürlich geantwortet. Ich weiß ja nicht einmal, was Katzen lecker finden, geschweige denn, dass ich etwas in meinem Zwinger hätte. Kaum war das ausgesprochen, war Paula auch schon weg – ich kam gar nicht dazu, sie zu bitten, mir mehr über Katzen und das Katzenhaus zu erzählen.

    So konnte das nichts werden! Es schien, als bräuchte ich eine andere Vorgehensweise …

    Bei Paulas nächstem Besuch auf der Wiese rief ich dann: “Hey, Paula, hast Du so was schon mal gesehen?” Das war clever … mir war nämlich eingefallen, dass Katzen sehr neugierig sind … sie kam auch sofort und mit hoch aufgestelltem Schwanz (wollte sie mir drohen oder was sollte das) und zitternden Schnurrhaaren fragte sie immer wieder: “Was denn? Was ist da denn?” Jetzt wusste ich ja, ich muss sofort zum Punkt kommen und darf meine Zeit nicht mit überflüssigen Antworten vertrödeln. Ich sagte ihr, dass ich gerne mehr über Katzen wissen würde und auch gerne hören würde, was im Katzenhaus so los ist und ob sie mir dabei nicht helfen könnte. Sie schien geschmeichelt, entspannte, nahm endlich den Schwanz runter, putzte sich ausgiebig und dann erzählte sie endlich … die ganze Nacht hat sie mir alles mögliche erzählt und erklärt. Am nächsten Morgen hatten meine Tierpfleger schon Sorge, dass es mir nicht gut geht, weil ich so müde war … sie konnten ja auch nicht wissen, dass ich nicht geschlafen hatte.

    Ich konnte mir weder alles merken, noch kann ich Euch alles wiedergeben, was Paula erzählt hat. Ich will mal versuchen, das für Euch ein wenig zusammen zu fassen – oder habt Ihr die ganze Nacht Zeit?

    Ich habe ja immer gedacht, alle Katzen sind flauschig, suchen sich einen Menschen aus und *zack* haben sie ein neues Zuhause. Paula sagte, dass ich da vollkommen falsch liege – natürlich sind Katzen flauschig, aber so schnell suchen sie sich keinen Menschen aus. Eigentlich wollen sie erst sicher sein, dass ein Mensch “es wert” ist, dass sie ihm ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung schenken. Und Ihr könnt Euch sicher denken, was das braucht … richtig … das braucht sehr viel Zeit. Und wisst Ihr wie viel Zeit das braucht? Ich habe gedacht, na ja dann kommt ein Interessent halt 2 – 3 Mal und gut ist … da hat Paula laut gelacht … manche Katzen nehmen sich Wochen oder Monate, ehe sie sich zugänglich zeigen.

    Jetzt ist mir natürlich klar, warum manche von ihnen echt lange bei uns sind. Das hat mich schon ein bisschen traurig gemacht und ich habe die Vermutung geäußert, dass dann wohl einige Katzen immer bei uns bleiben. Aber Paula meinte, Geduld wäre eine Tugend (Katzen sind Ansitzjäger – wusstet Ihr das?) und zahlt sich am Ende fast immer aus. Irgendwann kommt für jede Samtpfote der passende Mensch … und dann, wenn es passt, wenn ein Mensch soviel Geduld und Rücksichtnahme hat, dass er eine besonders skeptische Katze für sich gewinnen kann, dann ist das auch etwas ganz besonderes. Paula sagte noch etwas sehr ergreifendes … sie sagte, dass die Qualität einer Beziehung sich nicht nach der Dauer, sondern nach der Intensität, der Tiefe und dem Füreinander bemisst. – Das hatte was! Ich war sehr beeindruckt!

    Sie hat mir von Pinkie und Akie erzählt. Zwei Katzenfreundinnen, die nun auch schon über fünf Monate bei uns sind. Paula sagte, dass beide sehr zurückgezogen sind und lange Zeit gar keinen Kontakt zugelassen haben (inzwischen ist Akie wohl schon etwas aufgetaut und sogar Pinkie hat sich zuletzt von einer Tierpflegerin streicheln lassen). Was aber noch viel schwieriger ist an der Situation, ist, dass Pinkie schon 17 Jahre alt ist. Da muss sich wirklich ein Mensch finden, der sich zurückstellt und dessen Wunsch es ist, diesen zwei Katzen etwas Gutes zu tun.

    Oder auch Sunny – sie ist auch schon drei Monate im Tierheim und sitzt nur im Schrank! Da braucht man ja nicht nur einen Menschen mit einem großen Herz für Katzen … der Mensch muss ja auch einen Schrank haben …

     

    Ich könnte die Liste noch lange weiter führen, aber ich glaube die eigentliche Aussage ist klar: Wer ein Tier zu sich holt, sollte dies machen, weil er ein respektvolles Mit- und Füreinander anstrebt. Denn wenn man auch die vielleicht nicht so schönen oder unerwünschten Seiten an seinem Vierbeiner akzeptiert, dann findet man das, was so viele suchen: echte Freundschaft!

    Paula hat mir versprochen, mich auf dem Laufenden zu halten … und das gleiche mache ich natürlich mit Euch.

    Bis demnächst

    Euer Atreju

  • Ein Spitz in eigener Sache…

    Hallo Freunde,

    ach – was wollte ich nicht alles für Euch in Erfahrung bringen, um interessante Neuigkeiten aus dem Tierheim zu berichten … aber dieses Mal werde ich fast nur über mich selbst schreiben. In den letzten Wochen war ich sehr mit mir beschäftigt, weil es mir nicht so gut ging …

    Ich weiß gar nicht genau, wie es eigentlich angefangen hat … aber so richtig gut gefühlt habe ich mich nicht. Fast noch, bevor ich das selber wirklich gemerkt habe, haben meine Menschen aus dem Tierheim schon darüber gesprochen. Bald fielen so Bemerkungen wie “da müssen wir auf jeden Fall einen Termin machen” und ich dachte noch “Klasse, da bekomme ich bestimmt extra Leckerchen und Streicheleinheiten” … das wäre auch definitiv die Medizin meiner Wahl gewesen, aber irgendwie kam alles ganz anders…

    Eines schönen Vormittags, als ich noch dachte, dass wir entspannt spazieren gehen würden, sollte ich statt dessen ins Tierheim Auto springen. Ich war schon irritiert, habe das aber vorbildlich gemacht. Ein kleiner Teil von mir hoffte auch noch, dass dort vielleicht die erwarteten extra Leckerchen wären, aber dummerweise kam es genau anders herum … das Auto fuhr los und ich beobachtete ganz genau, wie alles an uns vorbei rauschte und statt Leckerchen rein kam das Frühstück wieder raus … ich kann nämlich nicht ganz so gut im Auto mitfahren.

    An der Stelle war der Tag für mich eigentlich schon gelaufen und ich dachte, dass es wohl kaum schlimmer kommen könnte, aber Ihr glaubt ja nicht, was noch alles passiert ist. Das Auto stoppte irgendwann und bevor wir ein mir vollkommen fremdes Gebäude betraten, wurde mir noch so ein komisches Plastikteil über meine Schnauze gezogen. Bisher kannte ich das nur, weil ich dadurch auch schon einmal Leckerchen bekommen habe, aber ich musste es noch nie wirklich auflassen. Das hat mich ziemlich gestört. Sie meinten das wäre zur Sicherheit … verstanden habe ich das aber nicht, ich war ja schließlich nicht in Gefahr.

    Nun denn … mit Plastikteil über der Nase ging es in einen Raum, in dem auch noch unbekannte Menschen warteten und als wäre das nicht schon genug, wurde ich auch noch auf einen Tisch gehoben! Das war wirklich der Gipfel des Unfassbaren – jeder, der mich kennt, weiß, wie wichtig mir fester Boden unter meinen Pfoten ist. Ab da habe ich auch nichts mehr mit bekommen … rückwirkend weiß ich jetzt auch, dass ich da beim Tierarzt war und wirklich wichtige Informationen bekommen hätte, wenn ich zugehört hätte, aber ich war so aufgeregt, dass das Nächste, was ich wahr genommen habe, die köstlich duftende Leberwurst war, die der Mann mir vor die Nase hielt. Einen kurzen Moment dachte ich noch “endlich einer, der es drauf hat und mir die extra Leckerchen gibt” aber dann war ich doch einfach froh, dass wir wieder da raus konnten. Wir fuhren zurück zum Tierheim und da musste ich mich dann auch erst einmal von der ganzen Aufregung erholen.

    Ein paar Tage passierte dann gar nichts besonderes, bis ich irgendwann so ein paar Wortfetzen aufgeschnappt habe “die Ergebnisse sind da”, “Futter umstellen”, “bekommt Tabletten” … das hat mich zunächst nicht weiter beunruhigt bis … ja bis … zur nächsten Fütterung. In freudiger Erwartung sehe ich meine Mahlzeit kommen, wedele fröhlich mit dem Schwanz, die Schüssel wird hingestellt und nach Bruchteilen von Sekunden meldet meine Nase “igitt, was ist das – auf keinen Fall fressen!”. Entsetzt habe ich zu meiner Tierpflegerin geschaut, aber die sagte nur: “Atreju, du bist krank! Du bekommst fettreduzierte Schonkost. Iß mal – das ist gut für Dich.”

    Gut für mich? Habt Ihr da mal dran gerochen? Das war doch kein Futter für einen gestandenen Hund! Ihr Menschen redet doch viel über Ernährung … Fett ist ein Geschmacksträger! Was mir da vorgesetzt wurde, war ungenießbar! Ich habe dann doch mal vorsichtig probiert … das war wie geschreddertes Papier! Was immer ich auch haben sollte, davon konnte doch kein Hund gesund werden! Selten habe ich mir so sehr gewünscht, reden zu können, wie in diesem Moment.

    Okay, eins nach dem anderen … ich gebe zu, dass sich wirklich alle sehr gut um mich kümmern und natürlich habe ich auch gespürt, dass sie sich viele Gedanken um mich machen – ich habe ja auch gespürt, dass es mir nicht richtig gut ging – und ich weiß das alles auch sehr zu schätzen und habe zur Zeit alle ein bisschen mehr lieb als sonst … aber beim Fressen hört der Spaß dann auch auf!

    Es passierten dann noch ganz viele Sachen – es würde wirklich zu weit führen, alles genau zu erzählen. Ich musste wieder Auto fahren (hat aber besser geklappt), kam in ein anderes, fremdes Gebäude – da gab es nicht einmal Leberwurst – und musste dort sogar ein paar Stunden ohne meine Menschen bleiben, aber ich kann mich auch gar nicht an viel erinnern. Es wurde auch eine Videokamera in meinem Zwinger installiert – das ist aber ganz gut, weil jeden Tag jemand bei mir sitzt und die Daten ausliest.

    In aller erster Linie war ich damit beschäftigt, allen verständlich zu machen, dass etwas mit meinem Futter passieren musste. Es hat einige Zeit gedauert, aber schlussendlich haben sie mich verstanden und ein Futter gefunden, mit dem wir alle zufrieden waren. Soll ich euch was verraten? Es wurde sogar für mich gekocht … Hähnchenfleisch … das mag ich so richtig gerne …

    Die letzten Wochen waren wirklich verwirrend – nicht nur für mich. Und Ihr werdet sicher jetzt sagen: “Konntest Du denn nicht mal zuhören, Atreju? Damit wir auch wissen, was Dir fehlt …” und damit habt Ihr vollkommen recht, ich ärgere mich jetzt auch, dass ich immer auf die falschen Dinge geachtet habe und am Ende nicht schlauer war als vorher … aber ich wäre ja nicht Euer Atreju, wenn ich das Problem nicht gelöst hätte … ich habe recherchiert, die Ohren offen gehalten, Menschengespräche belauscht und ich bin mir zu 99,9 % sicher, dass ich jetzt weiß, was mir fehlt: ich habe die Männergrippe!! Nach allem, was ich gehört habe, ist das die einzig plausible Erklärung. Und noch immer bin ich überzeugt – mit extra Leckerchen und Streicheleinheiten bekommen wir das in den Griff.

    Eine Neuigkeit habe ich aber noch für Euch: Danilo hat ein Zuhause gefunden! Viele von Euch werden wissen, dass wir nicht das waren, was man Freunde nennen würde, aber am Ende halten wir Tierheimhunde zusammen und ich freue mich für ihn!

    So Ihr Lieben … ich nehme weiter brav meine Tabletten, damit es mir stetig besser geht, und verspreche Euch, dass ich beim nächsten Mal nicht nur über mich schreibe.

    Wünscht mir bis dahin “Gute Besserung” und denkt an mich

    Euer Atreju

  • Umzug auf die Hundewiese

    Hallo Freunde,

    endlich kann ich mich wieder bei Euch melden, aber hier bei uns im Tierheim war zuletzt wirklich viel los – genau genommen ist noch immer viel los.

    Unser Hundehaus wurde abgerissen! Ich habe zwar immer gehört, dass darüber gesprochen wurde, aber so richtig glauben konnte ich es nicht. Ende Juli wurde aber immer mehr aus dem Hundehaus raus geräumt. Das ganze Futter haben sie raus getragen. Wir waren alle ziemlich besorgt. Na und zu guter Letzt mussten Danilo, Speedy, Finn und ich umziehen. Vielleicht

    denkt Ihr jetzt “ist doch egal, in welchem Zwinger ihr sitzt … ihr armen Tierheimhunde” – aber ganz so ist das nicht. Das Tierheim ist schon unser Zuhause und wir sind an unseren Alltag gewöhnt … ich kann Euch sagen – das war eine Riesenaufregung!

    Unterm Strich bin ich ganz zufrieden. Ich wohne jetzt in dem Wiesenzwinger, in dem mal zwischenzeitlich die drei Schweinchen waren – zum Glück wurde der Zwinger ordentlich gereinigt, bevor ich eingezogen bin. Ich finde das ganz cool, weil ich nun so viel sehen kann … zugegeben – jetzt, wo ich dann auch Brian und Danilo sehen kann – pöbeln wir auch manchmal rum, aber eigentlich ist es ziemlich entspannt und ich genieße das schon. Ich kann jetzt sogar das Auto meiner Gassigängerin sehen und weiß schon, bevor sie ausgestiegen ist, dass sie da ist. Für mich als wachsamen Vertreter meiner Art ist das eine tolle Sache.

    Das ganze Futter wurde übrigens auch nur woanders untergebracht und wir bekommen ganz normal unsere tägliche Mahlzeit.

    Als ob das nicht schon genug wäre, war dann auch noch das Sommerfest; und wo einige von uns ja nun auf der Wiese wohnen, waren wir quasi mittendrin statt nur dabei. Bei so vielen Eindrücken und Gerüchen waren wir nach dem Sommerfest schon ziemlich geschafft.

    Auf dem Sommerfest hatte ich ein beeindruckendes Erlebnis … ist Euch eigentlich aufgefallen, dass ich Euch heute anders angesprochen habe? Das war kein Versehen … ich habe Euch extra “Freunde” und nicht mehr “Leute” genannt. Wisst Ihr noch, dass ich gar nicht glauben wollte, dass Ihr Euch für uns interessiert, als Tommy mir diese Kolumne übertragen hat? Ich war wirklich sehr skeptisch, aber als wir vor Beginn des Sommerfestes von einem kleinen Spaziergang zurück kamen, da rief uns eine Frau zu “Hey, das ist ja Atreju – der Autor”. Ich konnte das gar nicht fassen – das heißt ja, Ihr lest mein Geschreibsel wirklich – ich war fast ein bisschen gerührt und ich denke, ich habe Euch mit meiner Skepsis Unrecht getan. Es tut mir echt leid und ich bin froh, dass Ihr mich vom Gegenteil überzeugt habt.

    Dass mich das wirklich und ehrlich freut, heißt aber natürlich nicht, dass wir ab jetzt alle auf Kuschelkurs gehen … das ist schon klar, oder? Ich bin ja der, der ich bin und schätze durchaus eine gewisse Distanz.

    Letztes Mal habe ich Euch ja in unseren Hundealltag mitgenommen. Heute wollte ich Euch mal ein wenig vom Katzenalltag erzählen. Ich habe mich extra mit Balou ausgetauscht, um für Euch in Erfahrung zu bringen, wie der Katzenalltag eigentlich so aussieht – Balou finde ich übrigens für eine Katze echt top, weil er auch nicht immer so auf Kuschelkurs ist.

    Ach was soll´s – jetzt sind wir Freunde und ich will ehrlich zu Euch sein: der Katzenalltag interessiert mich nicht die Bohne! Ich wollte endlich mal in Erfahrung bringen, wie diese Miezen es schaffen, dass die Menschen machen, was sie wollen. Was ihr Geheimnis ist. Wir Hunde sind immer diejenigen, die den Menschen gefallen wollen und dafür echt viel machen. Bei den schnurrenden Samtpfoten ist es genau anders herum: die Menschen tun fast alles, um in ihrer Gunst zu stehen … das möchte ich auch mit Menschen machen können!

    Balou hat sich erstmal in Ruhe die Pfoten geleckt und mich ein wenig mitleidig angeguckt; ich habe gewartet, ihn freundlich angeschaut und ein wenig mit meiner Rute gewedelt … und irgendwie beschlich mich der Gedanke, dass sogar ich mache, was er möchte, um das zu bekommen, was ich möchte … das lief doch schon wieder falsch.

    Lange Rede, kurzer Sinn – ich habe immer noch keine Ahnung, wie die Samtpfoten das anstellen, aber ich habe einige andere traurige Geschichten erfahren. Balou hat mir erzählt, warum Katzen im Tierheim abgegeben werden. Bei manchen werden ihre Dosenöffner krank oder sterben sogar … das ist dann ja doppelt traurig – bei anderen gab es aber auch schon Gründe, wo ich mir ein kleines Knurren nicht verkneifen konnte … da holen Menschen eine Katze zu sich und merken dann, dass es Arbeit macht, auch mal etwas kaputt geht und die Katze vielleicht gar nicht so ist, wie sie dachten. Eigentlich komme ich bei sowas aus dem Knurren gar nicht mehr raus! Jeder – wirklich jeder sollte sich im Klaren darüber sein, dass es eine große Verantwortung ist, ein Tier bei sich aufzunehmen. Es ist ein Lebewesen mit Empfindungen und einem eigenen Charakter – kein Stofftier! Und jeder sollte sich VORHER bewusst machen, wie lange so ein Tier zum Leben dazu gehört und welche Verpflichtungen es mit sich bringt. VORHER ist das Zauberwort. VORHER muss man wissen, welche Erwartungen man an seinen vierbeinigen Mitbewohner hat, um dann herauszufinden, welches Tier oder welches Alter dazu passt oder ob überhaupt ein Tier dazu passt …

    Nehmen wir doch mal Balou als Beispiel. Wenn ein Dosenöffner eine super schmusige Katze sucht, sich in Balou verguckt und den Erklärungen der Tierpfleger keinen Glauben schenkt, weil Balou vielleicht zufällig beim Besuch im Schmusemodus ist, und ihn dann tatsächlich zu sich nach Hause holt … spätestens bei der ersten Anti-Schmuselaune platzt doch die Seifenblase. Möchte aber jemand einen selbstbewussten Kater und sagt “wow, er sagt mir ganz genau, was er wann möchte – ein toller Charakterkater”, dann wird das ein Dreamteam.

    Bitte! Nehmt Euch die Zeit, uns kennen zu lernen und glaubt unseren Tierpflegern – sie kennen uns alle wirklich gut – … aber probiert uns nicht einfach aus und gebt uns dann wieder auf, weil wir nicht Euren Vorstellungen entsprechen.

    Irgendwie komme ich immer von meinem eigentlichen Thema ab, aber es gibt auch viele wirklich wichtige Sachen zu erzählen, die uns Tierheimbewohnern allen am Herzen liegen … ich hoffe, das ist okay für euch und ich schätze der Katzenalltag ist eh nicht so spannend…

    In diesem Sinne bis demnächst

    Euer Atreju

  • Sommerfest August 2017

    Herzlichen Dank…

    • allen ca. 800 Fest-Besuchern!
    • allen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern, die schon Tage vor und auch noch Tage nach dem Fest zum Gelingen beigetragen haben.
    • dem Team der Tierschutzjugend Moers, die sich vor allem um die kleinen Tierschützer gekümmert haben.
    • allen Ausstellern, die für viel Abwechslung gesorgt haben, und uns teilweise schon viele Jahre begleiten.
    • allen Spendern, die zu einer grandiosen Tombola-Ausstattung beigetragen haben.
    • ein besonderer Extra-Dank an unsere Teamleiterin Nico und unseren “Haus-/Gelände-/Abriss- und Neubau-Meister” Florian, die trotz Doppel-Belastung durch verschiedene Veranstaltungen und den kurzfristig angesetzten Hundehaus-Abriss, für eine nahezu reibungslose Vor- und Nachbereitung des Tierheimfestes gesorgt haben.
    • …und natürlich der örtlichen Presse, für zwei schöne Berichte:
  • …vom Tierheimalltag und seinen Regeln

    Hallo Leute,

    in meinen vergangenen drei Berichten habt Ihr mich begleitet, wie ich dieses ganze Informationssystem hier aufgebaut habe … nun wird es auch Zeit für richtige Alltagsinformationen. Ich möchte Euch dieses Mal einladen, mich durch den Tierheimalltag zu begleiten.

    Wisst Ihr eigentlich, wie unser tägliches Leben so aussieht? Morgens sind wir alle in unseren Innenzwingern und das Hundehaus ist abgeschlossen. Die Außenzwinger werden  jeden Abend zu gemacht – wegen der Nachbarn rund um unser Tierheim. Recht früh kommt dann der Tierpfleger – es ist nicht immer der gleiche Tierpfleger für uns zuständig, aber wir kennen sie ja trotzdem alle -, begrüßt uns und öffnet die Schieber, damit wir in die Außenzwinger können. Kurz danach müssen wir dann sogar raus, weil alle Zwinger gründlich gereinigt werden. Nach der ausgiebigen Morgentoilette für Haus und Tier warten wir schon alle ungeduldig – denn um zehn Uhr kommen die ersten Gassigänger. Viele von uns haben Glück und haben Gassigänger, die fast täglich zu uns kommen, so dass wir eine richtige Beständigkeit erfahren. Bis zwölf Uhr ist unsere Auslaufzeit, dann gibt es Mittagessen. Nach dem Mittagessen wird das Hundehaus und auch die Schieber geschlossen, damit wir eine feste Ruhezeit haben und ein Verdauungsschläfchen halten können. An drei Nachmittagen in der Woche und samstags kommen fremde Leute … das ist für uns doch immer sehr aufregend und stressig. Zum Glück haben wir auch nachmittags noch einmal Gassizeit und können den Besuchern so manchmal auch entfliehen.

    Also versteht mich nicht falsch … klar wünschen wir uns alle ein richtiges Zuhause, aber nicht jeder Besucher steht für ein Zuhause und für uns Hunde ist das echter Stress, wenn fremde Menschen in unser Revier kommen. Manche stehen dann frontal vor uns und gucken uns die ganze Zeit an … ein Kerl wie ich, fühlt sich da doch schon mal schnell provoziert … na ja – wie auch immer …

    Bei den Katzen läuft es schon ähnlich ab, aber sie haben es geschafft, dass sie 24 Stunden Zugang zu Futter haben und sie dürfen auch immer nach draußen in die Außengehege. Ich werde mich da beizeiten mal schlau machen – vielleicht verraten sie mir ja ihren Trick und wir schaffen es, die gleichen Bedingungen im Hundehaus einzuführen. Das wäre schon cool…

    Über die Kleintiere weiß ich tatsächlich gar nicht so viel. Nase und Augen haben mir aber gemeldet, dass sie zum Teil auch tolle Außengehege haben – außerdem wird mir permanent untersagt an diesen Gehegen mein Bein zu heben … es gibt auch wirklich unsinnige Regeln bei uns im Tierheim.

    So sieht unser Alltag zusammengefasst aus. Tatsächlich sind diese festen Strukturen für einige von uns eine echte Stütze. Routine ist für jeden von uns eine wichtige Größe, aber so manch eine Fellnase hat in ihrem vorherigen Zuhause so wenig Halt gehabt, dass diese Strukturen einer Orientierung gleich kommen.

    Zum Beispiel die alte Dackeldame Heidi, die als Fundhund zu uns kam. Sie hat die ersten Tage nur gezittert. Dann hat sie sich an die Abläufe gewöhnt und außerdem gemerkt, dass man ihr freundlich begegnet und es war schon fast Zauberei, wie schnell aus dem verängstigten Hund ein total lebensfroher und verschmuster Dackel wurde.

    Wir hatten zeitgleich noch einen Dackel: Pikachu. Wisst Ihr, wie er zu uns kam? Seine Menschen sind aus ihrer Wohnung ausgezogen und haben ihn einfach zurück gelassen. Könnt Ihr Euch das vorstellen? Es ist für mich unbegreiflich, wie man so etwas machen kann. Es mag Situationen geben, wo man sich von einem tierischen Freund trennen muss, aber dann muss es doch der letzte Akt der Liebe oder von mir aus zumindest Menschlichkeit sein, dass man dafür sorgt, dass der Freund versorgt ist! Wer so herzlos ist, sein Tier einfach zurück zu lassen, der dürfte nie wieder ein Tier halten dürfen! Aber leider passt da ja niemand so richtig drauf auf und man kann sich viel zu leicht Tiere “besorgen”. Solchen Menschen würde ich zu gerne einen sichtbaren Denkzettel verpassen …

    Trotzdem haben so Hunde wie Heidi und Pikachu es noch ganz gut – auch wenn Pikachu ein echter Gernegroß war … er hat uns alle angepöbelt, als wäre er der Obermacker …  – sie finden recht schnell ein Zuhause. Wenn neue Hunde kommen, weiß man häufig schon, ob sie lange bleiben oder nicht. Ich kann gar nicht genau sagen, woran man das merkt. Vielleicht sind es Hunde, die mit den Schatten ihrer Vergangenheit besser umgehen können. Die irgendwo in ihrem Leben so viel Gutes erfahren haben, dass sie es besser verkraften können, sich umzustellen. Die einfach nicht so ein schweres Paket zu tragen haben.

    Manch anderer von uns hat es da sehr viel schwerer. Brian, Danilo, Paco und ich – sind wir das, was man “schwer vermittelbar” nennt? Nein! Das hört sich furchtbar an. Ich denke, wir brauchen Menschen / ein Zuhause, die genauer hinsehen, die Dinge beurteilen und beeinflussen können und wollen, die sich nicht scheuen, wenn der Weg etwas weiter ist. Das schlimme ist: wir sind nicht einmal Schuld, dass wir so sind, wie wir sind. Uns wurde Leid zugefügt, das Leben nicht gezeigt oder keine Grenzen gesetzt … das alles auf dem zweiten Bildungsweg zu lernen ist nicht einfach. Zum Glück gibt es sie irgendwo: die Menschen, die die Bereitschaft haben, einem Danilo Zeit zu geben, Vertrauen aufzubauen. Die Menschen, die einem Paco Zeit und Raum geben, Regeln neu zu lernen und zu verinnerlichen. Die Menschen, die es schaffen, mir durch ihre Sicherheit das Gefühl zu geben, nicht alle Probleme auf meine Weise lösen zu müssen. Die Menschen, die Brian lesen und ihm Halt geben können.,

    Glaubt mir: über jeden einzelnen von uns haben unsere Gassigänger und Pfleger so unglaublich viel Gutes zu erzählen. Und genau das ist der richtige Ansatz – man muss das Positive sehen, ohne die Probleme aus den Augen zu verlieren oder sogar zu verharmlosen … denn damit wäre niemandem geholfen. Mit uns wird viel gearbeitet. Tierpfleger, Hundetrainer und Gassigänger ziehen da an einem Strang und eingebettet in die täglichen festen Strukturen hat auch jeder von uns schon tolle Fortschritte gemacht. Wir Hunde können wirklich gut mit Strukturen umgehen … tatsächlich brauchen wir sie – Strukturen und klare und konsequente Regeln – das macht unseren Menschen für uns glaubwürdig und verständlich. Klar sind wir auch durchaus gewillt, das ein oder andere Leckerchen zu bekommen, aber das darf immer nur ein Instrument sein – nie die Lösung.

    Habe ich das jetzt wirklich gesagt? Habe ich wirklich gesagt, dass wir uns unsere Leckerchen verdienen müssen? Memo an mich: diese Kolumne unbedingt anders nutzen und ein bisschen mehr “Easy Living” in den Alltag bringen.

    Ich erwähne das nur zur Sicherheit noch einmal extra, damit das hier niemand falsch versteht: Konsequenz ist nicht als Härte zu verstehen! Uns braucht niemand mit einer Zeitung schlagen. Wir alle wollen lernen, das Richtige zu tun und nicht das Falsche aus Angst zu lassen. Das ist ein sehr großer Unterschied!

    So Leute, das war irgendwie auch ein guter Schlusssatz … ich bin ganz schön geschafft – nach soviel Vernunft muss ich gleich mal irgend jemanden ankläffen …

    Euer Atreju