Tierheim Moers

Category: Paulas Blickwinkel

  • Worte zum neuen Jahr

    Hallo Ihr Lieben,

     

     

    eine Geschichte zum neuen Jahr … so hatte ich meine Botschaft an Euch spontan genannt. Wahrscheinlich war ich verzückt von der nachklingenden Stimmung der Weihnachtszeit, den vielen Lichtern und auch den vielen tollen Geschenken, die wir von Euch bekommen haben, in denen ich auch immer wieder meine geliebte Katzenmilch entdeckt habe. Vielen Dank dafür … Ihr seid so großartig!

    Während ich mir aber in meinem hübschen Katzenköpfchen zurecht lege, was ich Euch heute schreiben möchte, wird mir immer bewusster, dass es gar keine Geschichte zum Jahreswechsel ist … vielleicht passt sie in den Jahreswechsel und die zurückliegende Weihnachtszeit, aber eigentlich ist es eine Tierheimgeschichte. Und Tierheimgeschichte sage ich an dieser Stelle nur, weil “Hotel-für-temporär-hilfebedürftige-Tiere-Geschichte” einfach zu lang wäre.

    Wer mich schon länger hier begleitet, weiß, dass ich eine Hotel Chefin und keine Heim Leitung bin … wobei mir gar nicht so richtig klar ist, was an “Tierheim” eigentlich schlecht ist. Ein (Tier-)Heim ist doch etwas sehr schönes – ein Ort, der Sicherheit und Geborgenheit verspricht und letztlich ist doch auch ein Hotel ein Heim, ein Zuhause auf Zeit. Ich werde da noch ein wenig drauf rumdenken und vielleicht dürft Ihr mich ab demnächst dann CEO of the Hotel “Tierheim” nennen … mal schauen.

     

     

    Wirklich viele Menschen kommen mit eher negativen Gefühlen zu uns. Ich höre dann oft, wie sie zu meinen Mitarbeitern sagen “die armen Tiere hier” oder “am liebsten würde ich sie alle mitnehmen”. Sie empfinden den Besuch als furchtbar oder schlimm und natürlich verstehe ich, dass diese Empfindungen dem Mitgefühl und der Tierliebe entspringen … aber es ist auch eine Form der Wahrnehmung, die mich betroffen macht und eigentlich eine sehr vermenschlichte Fehlinterpretation ist.

    Ein Klassiker ist das Hundehaus. Es ist ja schon ganz lange so, dass unsere Besucher nicht mehr einfach so durch das Hundehaus gehen und sich die Hunde ansehen dürfen. Nicht, weil wir das Hundehaus oder die Hunde verstecken wollen, sondern weil wir ihre Bedürfnisse respektieren und schützen. Nun kommt es trotzdem mal vor, dass fremde Menschen im Hundehaus sind … und was soll man von Hotelgästen, die nicht einmal eine Toilette benutzen und sich weit weniger kultiviert “unterhalten” als wir Katzen, dann auch erwarten? Jedes mal bricht ein riesiges Palaver los … als müsste die Invasion der Jedi-Ritter abgewehrt werden. Aber Reaktionen von Hunden und Katzen zu vergleichen, ist ja ein ganz anderes Thema – da haben wir jetzt keine Zeit für. 

    Die meisten Menschen reagieren auf das ziemlich gewöhnungsbedürftige Verhalten meiner hündischen Gäste mit Aussagen wie “Du Armer … Du willst raus … Du hast kein Zuhause und bist im Tierheim”. Was meine hündischen Gäste aber tatsächlich – wenn auch unbeholfen – sagen wollen, ist “Obacht … Eindringlinge … hinfort mit Euch … das hier ist meins”. Ein ziemliches Missverständnis, was zu eben diesen unguten Gefühlen einem Tierheim gegenüber führt.

     

    Natürlich freut sich nicht jeder meiner Gäste in meinem Hotel zu sein – das liegt jedoch nicht an uns als Tierheim, sondern an der grundsätzlichen Veränderung und dem Verlust des Vertrauten. Eine Katze, die zu uns kommt, und erst einmal erstarrt ist und Sicherheit in der Zurückgezogenheit sucht, macht das nicht, weil sie ins Tierheim gekommen ist, sondern weil alles anders ist, als es vorher war … fremde Umgebung, fremde Menschen, fremde Katzen … das sind extrem viele Eindrücke für ein Tier, das von Natur aus sehr viel wert auf Beständigkeit, vertraute Abläufe und ein vertrautes Umfeld legt.

     

    Ich kenne das von mir selber … wenn zweimal im Jahr alle meine Mitarbeiter so ein Hängeding an der Wand umstellen, direkt danach zu vollkommen anderen Zeiten arbeiten und mein Buffet in der Folge auch zu vollkommen anderen Zeiten füllen, geht für mich eine Welt unter. Sie sagen dann so Sachen wie “Paula, es ist doch nur eine Stunde”, aber Hallo? zum einen geht es ums Prinzip. Man kann die Essenszeiten nicht einfach machen, wie es einem gefällt und zum anderen: hatten die noch nie Hunger?

     

    Und hier geht es nur um eine Zeitveränderung – wobei ich betonen möchte, dass sich das “nur” ausschließlich auf eine Menge von Veränderungen nicht aber auf die Gewichtung bezieht – ernsthaft Leute, ich möchte nicht in meiner Nähe sein, wenn um mich plötzlich alles anders ist.

     

     

    Jetzt habe ich ganz viel darüber erzählt, wie mein Hotel oft empfunden wird … jetzt wird es Zeit zu erzählen, wie es in Wirklichkeit ist und ich hoffe, dass der ein oder andere dann eine andere Sicht auf unser Tierheim-Hotel bekommt.

     

    Meine Mitarbeiter und ich sind immer für unsere Gäste da. Egal, ob sie alt oder jung, krank oder gesund, nett oder unfreundlich sind. Wir heißen sie willkommen und wollen ihnen das sein, was sie verloren haben oder vielleicht nie hatten: ein Zuhause.

     

    Nein, wir haben keine Sofas und niemand darf mit im Bett schlafen, aber ist das wirklich das, was ein Zuhause ausmacht?

     

     

    Was nützt das schönste Sofa, wenn niemand darauf achtet, ob Katze oder Hund gesund sind.

    Ein gutes Beispiel ist die Unsauberkeit. Unsauberkeit ist ein immer wieder vorkommender Abgabegrund bei Katzen. Auch wenn ich damit etwas vom Thema abrücke, ist es mir wichtig zu sagen, dass Katzen überhaupt nie unsauber sind. Was als Unsauberkeit bezeichnet wird, ist ja in der Regel der Umstand, dass die Katzentoilette nicht benutzt wird. Um an dieser Stelle direkt mit einem andern Vorurteil aufzuräumen: Protest oder der Wunsch, den Menschen zu ärgern, ist NIEMALS der Grund, dass eine Katze nicht in die Katzentoilette geht. Diese sogenannte Unsauberkeit ist immer ein Symptom für ein physisches oder psychisches Problem.

    Es kommen Katzen mit diesem Symptom zu uns, für die ihr Zuhause Stress bedeutet hat, und wenn sich die Umstände im Zuhause nicht an die Bedürfnisse der Katze anpassen lassen, ist es ein richtiger Weg, ihr die Chance auf ein neues Zuhause zu geben, in dem sie sich wohlfühlt.

     

    Bei anderen Katzen liegt die Ursache jedoch in z. B. Blasensteinen, Nierenerkrankungen oder Entzündungen … Ursachen, die behoben werden könnten, wenn man nur danach suchte, statt die Unsauberkeit ohne Hinterfragung als Grund für die Abgabe zu nehmen.

     

     

    Wir verurteilen sie nicht … nicht die Katzen, die ihre Toilette nicht mehr nutzen … nicht die Hunde, die verhaltensoriginell sind … nicht die Kaninchen, die Hände attackieren …

     

     

    Wir fragen nach dem warum und arbeiten an Antworten und Lösungen. Wer medizinische Hilfe benötigt, bekommt sie – und wo es keine medizinischen Probleme gibt, machen wir uns Stück für Stück ein Bild, was für ein Zuhause, was für Menschen Hund, Katze oder Kaninchen brauchen, um zufrieden sein zu können. 

    Ich finde genau das … diese Sorge und Fürsorge, dieses für die Tiere da sein, das sich damit auseinander setzen und jedes Tier als Individuum mit eigenen Bedürfnissen wahrzunehmen … das macht ein Heim aus und das kann ich guten Gewissens von meinem Tierheim sagen und deshalb ist es ein guter Ort.

     

    Bei Euch gibt es doch auch dieses Versprechen: In guten wie in schlechten Zeiten … genau so ist es – man darf es nur nicht nur sagen, man muss es leben.

     

     

    Ich wünsche mir für dieses Jahr, dass die Menschen, die mein Tierheim als einen Ort des Schreckens empfinden, genauer hinsehen und erkennen, dass wir eine Zuflucht, ein Ort der Hilfe und der Chance auf ein besseres Leben sind.

     

     

    Natürlich wünsche ich mir auch, dass wir dieses Jahr endlich wieder unsere Feste ausrichten dürfen, denn auch der Austausch und das Miteinander nimmt mancher Vorstellung den Schrecken … und außerdem kommen immer liebe Menschen, die mir dann Milch bringen.

    Zu Beginn habe ich gesagt, dass ein Tierheim nichts Schlechtes ist und dass ich darüber nachdenken werde, mich künftig nicht mehr als Hotel-Chefin zu bezeichnen. Während ich nun alles aufgeschrieben habe, bin ich zum dem Entschluss gekommen, dass es Zeit ist, der Hotel-Chefin Lebewohl zu sagen. Natürlich habe ich Euch nichts Neues erzählt, aber wo ich mich in meinem Wort zum neuen Jahr nun so intensiv damit auseinander gesetzt habe, finde ich, dass ich mit der Bezeichnung Hotel-Chefin, selber gar nicht richtig zum Tierheim gestanden habe – zumindest in der Wortwahl.


    Ihr Lieben, ich freue mich sehr, Euch mitzuteilen, dass ich ab sofort die Tierheim-Chefin bin. Für alle meine Gäste und Mitarbeiter ändert sich dadurch ja nichts, aber vielleicht setzt es ein Zeichen, dass mein Tierheim ein Heim für Tiere ist, die Hilfe und Unterstützung auf dem Weg in ein neues Leben benötigen … ein Zuhause auf Zeit.


    Eure Paula

  • Back to the roots

    Hallo Ihr Lieben,

     

    es ist mal wieder an der Zeit, dass ich meine Beobachtungen und Gedanken mit Euch teile.

     

    Um heute zu verdeutlichen, worauf ich hinaus möchte, muss ich etwas weiter ausholen…

     

    Meine Ururururgroßtante väterlicherseits kam aus Ägypten – okay, vielleicht waren es noch ein paar “Ur” mehr, aber das ändert nichts am Inhalt – und hat dort irgendwann erkannt, dass in manchen Steingebilden dieser haarlosen, aufrechten Wesen extremst viele Mäuse waren.

     

    Für meine Vorfahren hat das die Nahrungsbeschaffung so sehr erleichtert, dass sie dafür die Nähe dieser haarlosen, aufrechten Wesen in Kauf genommen haben.

     

    Sicherlich habt Ihr schon bemerkt, dass es sich bei diesen haarlosen Wesen um Menschen handelte … meine Vorfahren kannten sie ja damals noch nicht und es zog sie nur in deren Nähe wegen der Mäuse.

     

     

    Tatsächlich passte das ganz gut: die Menschen aßen keine Mäuse und waren froh, dass meine Vorfahren das machten, da die Mäuse, die Vorräte der Menschen fraßen, die wiederum meine Vorfahren nicht mochten. Jede Seite – außer vermutlich die Mäuse – profitierte von diesem Zusammenschluss.

     

     

    So kam die Katze vor vielen tausend Jahren auf den Menschen … bei den Hunden war es ähnlich …

    Legt mich da jetzt bitte nicht auf die Richtigkeit der einzelnen Details fest, aber irgendwann – auch vor vielen tausend Jahren – stellte ein neugieriger und nicht allzu scheuer Wolf fest, dass Herr und Frau Neander ähnliche Nahrungsinteressen hatten wie er und seinesgleichen und dass manchmal etwas übrig blieb, was die Wölfe dann fressen konnten.

     

    Auch hier kam es zu einem Zusammenschluss: zahmere Wölfe durften in der Nähe von Herrn und Frau Neander leben, halfen bei der Jagd und erhielten im Gegenzug ihren Anteil an der Beute. Nach und nach wurde aus dem zahmeren Wolf der Hund, der sich in seinem Wesen dem Menschen immer mehr anpasste.

     

     

    Hui – ich gebe zu, dass ich nun sehr weit ausgeholt habe und so langsam muss ich mich mal im Zeitraffer in die heutige Zeit beamen.

    Was ich darstellen wollte, war, dass das Zusammenfinden von Mensch und Katze und Mensch und Hund in den Anfängen ein sehr ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen war. Geriet ein solches Verhältnis mal aus dem Gleichgewicht, waren die Konsequenzen auch sehr stringent: Der Wolf / Hund, der z. B. einen Menschen biss, wurde umgehend und nachhaltig aus dem Bündnis aussortiert. Das kam in gewisser weise einer charakterlichen Zuchtauslese gleich.

     

     

    Viele Jahrtausende blieb das Miteinander von Mensch und Hund / Katze ein ziemlich fairer Vertrag. Natürlich gab es auch immer mal Zeiten, in denen die Fairness zu kurz kam, aber über die lange Dauer des Miteinanders profitierten beide Seiten von dem Zusammenschluss. Besonders die Hunde waren sehr bemüht, ihren Teil des “Vertrages” immer zur vollsten Zufriedenheit zu erfüllen. Die einen konnten das Hab und Gut ihrer Menschen besonders gut bewachen, die anderen halfen dabei, auf Weidetiere aufzupassen. So entstanden im Laufe der Zeit auch Rassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften.

     

    Lange Zeit waren diese Fähigkeiten und Charaktereigenschaften quasi die Daseinsberechtigung des Hundes. Hunde hatten Aufgaben zu erfüllen und taten dies gut und gerne. Hatte Mensch keine Aufgabe zu erfüllen, die für einen Hund vorbehalten war, hatte er auch keinen Hund.

     

    Vielleicht merkt Ihr am Spannungsbogen, dass wir uns in großen Schritten der heutigen Zeit nähern … und was sich bestimmt auch schon andeutet, ist, dass dieses Gleichgewicht heute nicht mehr gegeben ist.

     

     

    Diese Entwicklung hat meinesgleichen genauso getroffen wie die Hunde, aber wir Katzen konnten unsere neue Position sehr viel besser definieren. Es liegt in unserer Natur, dass wir weniger arbeitswütig sind – also haben wir gar nicht erst versucht Euch Menschen dazu zu bringen, überall Getreidespeicher zu bauen, damit wir weiter Mäuse fangen können. Wir haben Euch clevererweise beigebracht, das Futter für uns zu erarbeiten. Ihr stellt es her, bringt es nach Hause und öffnet für uns die Dosen. Wir können die so entstandene arbeitsfreie Zeit hervorragend mit Müßiggang und Zerstreuung füllen.

    Natürlich konnten auch wir nicht alles steuern … auf der einen Seite habt ihr manchen von uns das Fell weggezüchtet, die Nasen platt gemacht und ohne Rücksicht auf unser Wohlbefinden Eure mitunter abstrusen “Schönheitsideale” durchgesetzt … auf der anderen Seite lasst Ihr zu, dass wir uns unkontrolliert vermehren, krank werden und auch schon als Kitten sterben – aber tief im Inneren ist jede Einzelne von uns noch immer ein Stück weit meine Ururururgroßtante, die Euch nur gestattet in unserer Nähe zu sein.

     

     

    Bei den Hunden lief es nicht so gut. Sie haben einfach immer gerne ihr to do Listen abgearbeitet und als auf diesen Listen immer weniger Aufgaben standen bzw Aufgaben hinzu kamen, die sie nicht erfüllen konnten, kam ein Ungleichgewicht in die Mensch-Hund-Beziehung. Ihr Menschen schätztet nicht länger die tollen Fähigkeiten eines Hütehundes, nicht den Scharfsinn eines Wachhundes … ihr hattet begonnen, die Gesellschaft eines Hundes einfach nur schön zu finden. Und wegen des sehr menschlich empfundenen schönen Aussehens verlor sich auch immer mehr die sinnvolle Auslese der Hunde nach Fähigkeit, Charakter und Gesundheit. Es war nicht mehr der Ansporn, mit einem Hund Arbeiten zu erledigen … der Hund sollte ins Bild passen und sich einfügen. 

    Bei aller Anpassungsfähigkeit, die ich den Hunden zugestehen muss – das konnte nicht gut gehen. Hütehunde, die seit hunderten Jahren mit ihrem Menschen z. B. Schafe gehütet haben, verlieren diese Eigenschaft nicht, nur weil sie auf einmal nur noch schön sein sollen und der Mensch eben auch keine Schafe mehr hat. Jagdhunde verlieren diesen Trieb nicht, weil man ihnen ein Schleifchen ins Haar macht. 

    Nicht nur, dass den Hunden nach und nach die zum Teil genetisch verankerten Aufgaben entzogen wurden … sie sollten plötzlich ganz andere Funktionen wahrnehmen … sie sollten von Haus aus bester Freund, Seelentröster, Spielkamerad und manchmal sogar Kind- oder Partnerersatz sein. Ihr Verhalten wurde nicht mehr verstanden sondern vermenschlicht. Plötzlich waren Hunde eifersüchtig, traurig oder glücklich.

     

    Ich glaube, nicht, dass Herr und Frau Neander das so betrachtet haben. Damals galt nur, ob Wolf / Hund sich so verhalten hat, dass ein Miteinander möglich war.

     

    Nun liegt die Wahrheit irgendwo zwischen der Steinzeit und heute. Es soll natürlich niemand mit seinem Dackel auf Mammutjagd gehen oder sich Schafe für den Hütehund zulegen, damit die Bedürfnisse der Hunde erfüllt werden.

     

     

    Aber es muss ein Umdenken stattfinden, damit das Verhältnis wieder gesunden kann. Die schwierige Entwicklung, dass die Hunde die Bedürfnisse der Menschen erfüllen sollen, ohne dass die Menschen sich mit den Bedürfnissen der Hunde auseinander setzen, muss ein Ende finden. Die Folgen dieser gestörten Mensch-Hund-Beziehung sehe ich hier jeden Tag, wenn ich meine Runde durchs Tierheim mache und bestimmt geht das anderen Chef-Katzen ähnlich.

    Wir müssen nicht zurück in die Steinzeit, aber zurück in eine Zeit, in der es ein Verständnis dafür gab, dass Hunde einen Aktionsrahmen, Aufgaben und Auslastung brauchen statt erdrückender und grenzenloser Emotionalität. Wir müssen zurück in eine Zeit, in der die Begriffe Schönheit und Gesundheit sich ergänzt haben statt billigend in Kauf zu nehmen, die Gesundheit der vermeintlichen Schönheit zu opfern.

     

     

    Wir müssen back to the roots.

     

     

    Eure Paula

  • Hunde, die im Schatten stehen

    Hallo Ihr Lieben,

     

    eigentlich wollte ich Euch heute mal einen Einblick geben, welche Irrungen und Wirrungen diese verrückte Corona Situation in unserem Tierheimalltag so mit sich gebracht hat, aber tatsächlich brennt mir ein ganz anderes Thema unter den Krallen.

     

    Mein persönliches Corona Update hole ich nach … versprochen, aber jetzt nehme ich mal in Angriff, was ich schon lange versprochen habe: ein ganzer Beitrag über Hunde.

     

    Das wird gar nicht so nett, wie man jetzt meinen könnte, denn die rosarote Traumwelt werde ich Euch nicht zeigen können.

     

    Mir schwirren so viele Gedanken durch meinen zahnlosen aber deswegen nicht weniger hübschen Katzenkopf, dass ich gar nicht genau weiß, wo und wie ich beginnen soll.

     

     

    Wer von Euch hat nicht auch schon die Begriffe Schatten- oder Höllenhunde gehört? So werden Hunde genannt, die auffälliges oder auch verletzendes Verhalten gezeigt haben oder zeigen und für die ein Tierheim auf einmal gut genug oder – netter gesagt – der letzte Ausweg ist. 

    Auf einen – nennen wir es – unauffälligen Hund mit guten Vermittlungschancen, der über uns ein neues Zuhause finden soll, kommen mindestens fünf Anfragen für Hunde, die dringend weg müssen, weil sie beißen, sich nicht mehr spazieren führen lassen, andere Hunde angreifen, ihre Besitzer Angst vor ihnen haben und der Situation nicht gewachsen sind.

    Kontaktiert uns jedoch jemand, der einen Hund sucht, beginnen die Gespräche meistens so: „Wir suchen einen familienfreundlichen Hund. Er sollte stubenrein sein, alleine bleiben können, Katzen mögen und auch schon was gelernt haben.“ … oder anders gesagt: es wird ein „Rundum-sorglos-Paket“ gewünscht.

    Nicht nur, dass unser Angebot nicht zu solchen Nachfragen passt … vielmehr drängt sich doch die Frage auf, ob dieser Wunsch nach einer rosaroten Traumwelt mit Hund nicht zum Teil sogar die Wurzel allen Übels ist … ein Kreislauf, der an Energie gewinnt, weil er genährt wird durch falsche Vorstellungen, fehlende Selbstreflektion und ein Füllhorn an Möglichkeiten, sich einen Hund anzuschaffen, der mit eben diesen gewünschten Attributen auf Kleinanzeigenportalen oder Social Media Kanälen vermarktet wird.


    Wo da der Kreislauf ist, fragt Ihr Euch? Nun, wenn der süße Welpe, der umständehalber mit 8 Wochen schon wieder abgeben werden muss und über Kleinanzeigen angeboten wird als Wunschhund in seine Familie kommt oder Hunde die, ohne die Möglichkeit sie überhaupt kennenzulernen, über Grenzen hinweg durch Social Media zum Traumhund stilisiert und bestellt werden, dauert es meistens nicht lang, ehe sich der rosaroten Mensch-Hund-Beziehung grau oder sogar schwarz beimischt.


    An genau der Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen. Dann gibt es die Menschen, die einsehen, dass Wunsch und Realität sich nur vereinen lassen, wenn man den Problemen ins Auge sieht, sich fachkundige Hilfe holt und an den Problemen arbeitet. Und es gibt diejenigen, die stoisch an ihrem Wunschdenken festhalten, bis die Probleme unlösbar werden. Schlimmstenfalls werden solche Hunde dann über fragwürdige Vermarktungswege zum Wanderpokal und der Weg bis „jetzt geht nur noch Tierheim“ nimmt ein paar Umwege.


    Nicht selten wird die Schuld dann auf den Hund geschoben und ist dieser erstmal „gut vermittelt“ steht schon der Nachfolger auf der Matte, der nun die übersteigerte Erwartungshaltung erfüllen soll.


    So, und nun frage ich Euch: wo landen sie alle am Ende? Und wer will sie dann noch? So entstehen Schattenhunde…


    Ach, kommt Leute, ich höre Euch förmlich aufschreien: „Paula, das ist doch ein tiefschwarzes Szenario, das Du da kreierst.“


    Ja, ich weiß auch, dass es viele Hundehalter gibt, die sich sehr mit der Anschaffung auseinander setzen … die wissen, welche Probleme sie sich zumuten können und welche nicht … die die Bedürfnisse von Hunden kennen und sie lesen können … das weiß ich doch … und zum Glück ist das so, denn sonst wären wir schon lange kein Hotel für temporär hilfebedürftige Tiere mehr sondern wir hätten ein Hundehaus voller Hunde, die keine Chance mehr auf ein Zuhause haben.


    Diese Hunde, die nennen wir es unüberlegt und ungeschickt angeschafft werden, haben zunächst alle Wege offen. Sie brauchen ein Zuhause, dass ihre Eigenheiten und Bedürfnisse erkennt und ihnen den richtigen Weg zeigt.

    Erinnert Ihr Euch an Paco? Der süße, knuddelige Chihuahua-Mix saß zwei Jahre bei uns im Tierheim. Ein hochintelligenter Hund mit einem zu gesunden Selbstbewusstsein in einem Zuhause, in dem er sich schon im jungen Alter gegen das Niedlichsein und den Spielzeugkuschelcharakter seines Daseins massiv auflehnte und so zu uns kam. Auch Paco war mal ein Welpe, dem die richtigen Regeln für ein harmonisches Miteinander, hätten beigebracht werden müssen. Die Weichen richtig zu stellen, bedeutet Zufriedenheit für Mensch und Hund.

     

    Paco hatte aufgrund seines Aussehens viele Anfragen. Uns wurde zugehört, wenn wir die Problematik erklärt haben, es wurde genickt und die eigene Hundeerfahrung heraus gestellt und der Vermittlungsansatz endete dann mit der Frage der Interessenten „Aber ins Bett darf der süße Schatz doch trotzdem, oder?“

    Nach zwei Jahren – Paco hatte zu dem Zeitpunkt sein halbes Leben bei uns verbracht – kam endlich jemand, der Paco´s Situation und auch seine Not verstanden hat. Denn das darf man auch nie vergessen: die Rolle auszufüllen, in die sie hinein gedrängt werden, bedeutet Stress für Hunde.

     

    Paco lebt nun schon über 1,5 Jahre in einem tollen Zuhause mit einem kleinen Rudel. Er darf nun das für ihn passende entspannte Hundeleben führen.

    Auch Mailo war fast ein Jahr bei uns. Er kam mit einem ernsten Beißvorfall zu uns. Der Vorfall ereignete sich in einem neuen, unerfahrenen Zuhause … der Grundstock dafür muss jedoch eher gelegt worden sein. Mailo war ein zutiefst unsicherer Hund, der offensichtlich nicht die Sicherheit durch seinen Menschen erfahren hat, sondern die Erfahrung gemacht hat: nach vorne ist der Weg raus aus dieser Situation. Zu oft haben wir von potentiellen Interessenten gehört: „Oh, der arme Schatz … was hat er nur erlebt, dass er so ist…“ Mitleid ist der falschen Ansatz – Hunde, wie Mailo brauchen Sicherheit und eine souveräne Führung und so endeten viele Vermittlungsgespräche schon nach wenigen Sätzen. Auch Mailo hat inzwischen sein passendes Zuhause gefunden.

    Wir könnten diese Liste endlos fortsetzen, aber vielleicht wird auch schon anhand dieser Beispiele deutlich, dass die Anforderungen an Hundehalter größer werden, weil zu viele Hunde zu uns kommen, wo schon Weichen falsch gestellt wurden. Das ist korrigierbar, aber der Weg ist immer weiter und erfordert mehr Hundeerfahrung als wenn direkt der richtige Weg eingeschlagen wird.

     

    Nun zurück zu der von mir angesprochenen Problematik: zu viele Menschen können sich zu leicht „Hunde beschaffen“ ohne Unterstützung bei dieser gewichtigen Entscheidung zu haben oder auch zu wollen und eben häufig auch, ohne viel für diese Traumwelt tun zu wollen.

     

    So wird die Zahl der „Problemhunde“, die in Tierheimen ein neues Zuhause suchen immer größer. Auch die Anforderungen an künftige Hundehalter werden größer, aber vielfach steht nur die Masse der unerfahrenen Menschen mit dem Wunsch nach einem treuen Begleiter in der Warteschlange.

     

    Diese Rechnung kann nicht aufgehen und das zeigt sich bereits jetzt … nicht nur bei uns.

     

    Es muss ein Umdenken stattfinden! Wie das Aussehen soll? Ich weiß es nicht. In einer optimalen Welt würde niemand Hunde aus Vermehrstationen kaufen, würden Hunde nicht über Social Media wie im Versandkatalog bestellt, würden Menschen sich Gedanken machen, was es bedeutet einen Hund zu haben … aber offensichtlich haben wir diese optimale Welt nicht.

     

    Vielleicht wäre es schon heilsam, wenn jeder, der einen Hund verkauft, verpflichtet wäre, diesen zurück zu nehmen, wenn sich zeigt, dass Bedürfnisse und Fähigkeiten von Mensch und Hund nicht zusammen passen.

     

    Wie sich so etwas umsetzen ließe … keine Ahnung, aber wenn man auf dieser Vorstellung ein wenig rumdenkt, könnte sie viele Probleme im Keim ersticken … Probleme, die es gar nicht geben dürfte.

     

     

     

    Eure Paula

  • Die Chefin zur Coronakrise

    Hallo Ihr Lieben,

     

    auch mir ist zu Ohren gekommen, dass im Moment Sorgen, Ängste und Einschränkungen vorherrschend sind. Das ist nicht nur bei Euch so, sondern auch in meinem Hotel. Viele meiner Gäste fragen sich, wie es mit ihnen weiter geht, und auch meine Mitarbeiter sind verunsichert.

     

    In einer Zeit, in der eine solche Verunsicherung herrscht, ist es selbstverständlich, dass die Chefin – das bin ja bekanntlich ich – sich zu Wort meldet. Wie Ihr wisst, bin ich keine Ärztin oder Wissenschaftlerin sondern die Managerin eines Hotels für temporär hilfebedürftige Haustiere aller Art. Es gibt ganz bestimmt viele Fragen, auf die ich auch keine Antwort habe bzw nur das sagen kann, was der aktuelle Wissensstand ist, aber das möchte ich Euch gerne aus meiner Sicht schildern.

     

    Dieses Corona Virus, das gerade das Leben von Euch Menschen beeinträchtigt, ist für uns Tiere ungefährlich. Ihr könnt uns nicht damit anstecken. Vielleicht wissen das einige von Euch: wir Katzen haben auch einen Corona Virus, der uns sehr krank macht. Bei uns heißt die Erkrankung FIP und die wiederum ist für den Menschen nicht ansteckend. Also nur weil etwas ähnlich ist, ist es noch lange nicht das Gleiche.

     

    Jetzt möchte ich aber endlich loswerden, was ich zu sagen habe …

     

     

    An alle meine Gäste:

    Macht Euch keine Sorgen! Meine Mitarbeiter machen alles, damit es Euch gut geht. Eigentlich ändert sich für Euch nichts, außer dass im Moment keine Besucher kommen dürfen, die Euch in ein Forever Home mitnehmen möchten – aber Ihr wisst: mein Hotel ist Euer Zuhause auf Zeit. Wir versorgen Euch und kümmern uns um Eure Bedürfnisse.

    Geht es einem von Euch schlecht, werdet Ihr medizinisch versorgt und in jeder freien Minute gibt es Streicheleinheiten, ein paar frische Kräuter oder ein Löffelchen Obstbrei und auch für Auslauf und Abwechslung wird gesorgt. Es rufen auch immer noch viele liebe Menschen an, die Euch ein Zuhause geben möchten. Sobald wir unsere Tore wieder öffnen dürfen, braucht Ihr ganz bestimmt nicht mehr lange warten, bis Ihr Eure Köfferchen packen dürft.

    An alle meine Mitarbeiter:

     

     

    Ich sehe, dass Ihr alles dafür macht, dass meine … unsere Gäste gut versorgt werden können und vor allem, dass das so bleibt. Ich weiß, dass es Euch nicht leicht gefallen ist, das Frühlingsfest abzusagen, das Tierheim zu schließen und die Arbeitspläne so zu ändern, dass bei einem Ausfall die Versorgung der Tiere weiterhin gewährleistet ist, sich dafür aber einige von Euch im Arbeitsalltag nicht mehr sehen können. Ihr habt aber all diese Entscheidungen genau in meinem Sinn getroffen. Wir müssen einfach alles dafür geben, dass es unseren Gästen auch in dieser schweren Zeit gut geht. 

    Jetzt habt Ihr sogar noch ein „Spendenmobil“ ins Leben gerufen, damit liebe Menschen, die uns helfen wollen, das auch machen können, dabei aber niemand ein Risiko eingeht. Die Idee ist so gut – die hätte von mir sein können. Und das einzige Mäuschen, das gerade bei uns wohnt, hat mir geflüstert, dass sogar schon Milch für mich im Spendenmobil war – großartig.

    An alle Freunde meines Hotels:

     

     

    Ich bin gerührt, dass Ihr Euch in einer Zeit, in der jeder schon mit seinen eigenen Sorgen und Nöten zu tun hat, auch Sorgen um uns und unsere Schützlinge macht. Immer wieder erreichen uns Anrufe mit Hilfsangeboten. 

    Seid nicht böse, dass wir nicht alle Angebote annehmen können. Außenkontakte sind zum Schutz auf ein Minimum reduziert, so dass jetzt leider nicht die richtige Zeit für neue, ehrenamtliche Hilfe im Tierheim ist. Aber Eure Anteilnahme und Fürsorge ist uns genau so viel wert. Und auch dass unser Spendenmobil so gut angenommen wird und wir darüber hinaus auch weitere Spenden (für uns bestelltes Futter oder finanzielle Unterstützung) erhalten, zeigt mir, dass wir – wie immer – in schwierigen Situationen auf Euch zählen können. Danke dafür.

    An uns alle:

     

    Diese Situation, die durch diese klitzekleine Kugel mit Noppen, hervorgerufen wurde, verunsichert uns alle. Und die Wucht der Geschehnisse und Einschränkungen ist für uns alle etwas absolut Neues. Tatsächlich ist es nun jeder Einzelne, der seinen Teil dazu beitragen muss, damit wir zur Normalität und zum gewohnten Alltag zurückkehren können. Selten wurden uns die möglichen Konsequenzen unseres Handelns so bewusst gemacht, wie jetzt gerade wo Fragen wie „Könnte ich infiziert sein? Könnte ich jemanden anstecken? Steckt mich womöglich jemand an?“ wie ein Damoklesschwert über uns schweben. Wie können wir diese Situation überstehen? Wir müssen Verantwortung tragen, deutlich mehr Verständnis für aktuelle Unannehmlichkeiten aufbringen und auch füreinander da sein und im Rahmen der Möglichkeiten einander helfen.

     

    Ich weiß, dass das ungewöhnlich ernste Worte für mich waren … wobei … ich bin ja doch öfters mal ernst, nur dass das Thema dieses mal uns Tiere nur sekundär betrifft. Letztlich betreffen uns diese Umstände jedoch alle und machen nicht vor einer Hundehütte oder einer Katzenhöhle halt – deshalb wollte ich meine Sichtweise einfach gerne mit Euch teilen.

     

    Bleibt alle gesund

     

     

    Eure Paula

  • Ich kann den Frühling schon hören…

    Hallo Ihr Lieben,

     

    ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe das Gefühl, dass der Frühling schon vor der Türe steht. Auch wenn wir eigentlich noch mitten im Winter sind, scheint man den Lenz schon fühlen zu können. Die ersten sonnigen und milden Tage und das Vogelgezwitscher am Morgen scheinen den Winter verdrängen zu wollen.

     

    Ich sehe dem Frühling 2020 mit Hoffen und Bangen entgegen. Ich bin ja nun keine Jungkatze mehr und habe schon viele Male erlebt, wie die Natur zu neuem Leben erwacht und es ist jedes Mal aufs Neue ein kleines Wunder … für mich ist es immer wieder der Beginn eines weiteren Jahreszeitenzykluses.

     

    Paula, Du bist ja eine wahre Poetin“ höre ich Euch schon sagen und in dem gleichen Atemzug höre ich Eure Frage „Wenn Du das alles so schön findest – warum siehst Du dem Frühling dann auch mit Bangen entgegen?“

     

     

    Es liegt im wahrsten Sinne des Wortes in der Natur der Dinge, dass der Frühling neues Leben mit sich bringt. Im vergangenen Jahr hatten wir gefühlt eine „Kitten-Schwemme“ – bis in den sehr späten Herbst hinein kamen Kitten zu uns.

    Wir haben die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten zu spüren bekommen. Kätzinnen, die trächtig zu uns kamen, jedoch nicht den Eindruck machten, verwildert zu sein. Auch trächtige Kätzinnen, die von Futterstellen für verwilderte Katzen kamen. Kitten, die offensichtlich mit dem Menschen vertraut und dennoch sich selbst überlassen waren. Und natürlich auch Kitten verwilderter Katzen.

     

     

    Begleitet wurde dieses Potpourri von der gleichen Bandbreite an Problemen: Parasiten jeder Art & und Infektionskrankheiten jeder Art. Die Leidtragenden sind jedoch immer die selben: die Tiere. Alle, die das Schicksal zu uns oder natürlich auch zu anderen Tierschutzvereinen geführt hat, hatten sozusagen das große Los gezogen: sie wurden medizinisch versorgt, gepäppelt und in liebevolle und verantwortungsbewusste Zuhause vermittelt. 

    Verwilderte Katzen haben häufig mit Krankheiten zu kämpfen – sich selbst überlassene Kitten sind Krankheiten und Gefahren noch sehr viel schutzloser ausgeliefert. Vermehrung durch unkastrierten Freigang zu fördern – oder auch nur hinzunehmen – heißt, den Tod billigend in Kauf zu nehmen. Ich weiß, dass viele kranke Kitten sterben, ehe sie eine Chance auf Hilfe bekommen. Ich weiß, dass viele süße Hinterhofkitten ihre ersten Erkundungstouren platt auf der Straße beenden. Ich weiß, dass wir nur der Spitze des Eisbergs helfen können.

    Ich bedanke mich an dieser Stelle bei Tierheimen, Tierschutzvereinen, Tierärzten, Päpplern, Kuschlern und Dosenöffnern für diese so wertvolle Arbeit und Hilfe, die so bitter notwendig ist, weil es noch immer zu viele Katzenbesitzer gibt, die ihrer Verantwortung – zum großen Teil vorsätzlich – nicht gerecht werden und Städte und Kreise, die die Notwendigkeit einer gesetzlichen Grundlage nicht sehen (wollen ?).

     

     

    Ich wünsche mir, dass jeder, der das hier liest und eine(n) unkastrierte(n) Kater/ Katze im Freigang hat, schon jetzt den Telefonhörer in der Hand hat und beim Tierarzt einen Termin zur Kastration vereinbart. Für die Erfüllung dieses Wunsches würde ich sogar meinen immer bestehenden Wunsch nach Katzenmilch eintauschen … und wer mich kennt weiß, was das für mich bedeutet.

     

    Auch wenn die Kastration von Freigängern hier gerade das vorherrschende Thema ist, möchte ich natürlich nicht versäumen zu erwähnen, dass in meinen Augen auch Wohnungskatzen kastriert werden sollten. Ich setze mal als selbstverständlich voraus, dass das Vermehren von Katzen, um „süße, verspielte Katzenbabies“ für ein paar Euro in Kleinanzeigenportalen zu verscherbeln (zur Not auch einzeln) für uns alle hier absolut undenkbar und inakzeptabel ist und wir darüber somit nicht reden müssen…

     

    Aber auch die Wohnungskatze kann entwischen – besonders, wenn sie intakt ist und die Natur ruft. An diesem Punkt beginnt der Kreislauf von neuem bzw. wird der Kreislauf der ungewollten Vermehrung nicht durchbrochen. Ist eine verantwortungsbewusste Einstellung zum Thema Vermehrung gegeben, ist die Kastration – auch von Wohnungskatzen – die logische Konsequenz.

     

    Und natürlich geht ein Verantwortungsbewusstsein in Sachen Kastration Hand in Hand mit dem Thema Kennzeichnung der Katzen.

     

    Leute, ganz ehrlich, auch wenn ich nicht fliegen kann und keinesfalls den bunten Flattermännern zu nahe treten möchte … manchmal habe ich das Gefühl, ein Papagei zu sein … wieder und wieder erzähle und erkläre ich die gleichen Dinge und viel zu oft bleibt nur die Hoffnung, dass es auch mal irgendwo ankommt.

     

    Egal – wenn ich der erste flauschige Papagei sein muss, der Katzenmilch liebt, bin ich das halt … jedes einzelne Ohr, in das ich damit vordringe, ist es wert.

     

    Hier kommt: Kennzeichnung – die zehnte…

     

    Kennzeichnung UND Registrierung seiner Katze – egal ob Freigänger oder nicht – ist das Ticket nach Hause. Es ist jedoch nur ein Ticket – keine Garantie. Sofern ein vermisstes Tier z. B. zu uns kommt, können wir so direkt den Besitzer ermitteln und kontaktieren. Der Aufenthalt bei uns wird so auf eine Minimum reduziert und damit auch die Zeit der Sorge verkürzt. Wo bitte ist also der Nachteil, der so viele Katzenhalter davon abhält, ihr Tier zu kennzeichnen? Ich sehe keinen …

     

    Ja, behält jemand einfach ein Fundtier (kommt leider zu oft vor), nutzt auch ein Chip nicht … und ja, wird ein Tier überfahren oder anderweitig verstorben aufgefunden und nur „entsorgt“, nutzt der Chip auch nicht … aber in allen anderen Fällen schon! Wo ist also das Problem?

     

    Zum Abschluss habe ich noch drei „Pro-Kennzeichnungs-Geschichten“ aus dem späten letzten Jahr für Euch:

     

     

    Fundkatze Tiara haben wir am 24.12.2019 am Fundort abgeholt. Sie war dem Tod näher als dem Leben. Tierklinik war die einzige Option und Vergiftung die Diagnose. Die Weihnachtstage in der Klinik zu verbringen, war das größte Geschenk, das wir Tiara machen konnten – denn das hat ihr Leben gerettet. Nachdem sie aus der Klinik entlassen wurde, war noch viel Fürsorge und Pflege notwendig, um sie wieder ganz auf die Beine zu stellen.

    Wir geben immer unser Bestes für unsere Schützlinge und versuchen, es ihnen so angenehm wie möglich zu machen – aber wir sind halt nicht das vertraute Zuhause. Wenn Ihr Euch schlecht fühlt … wo möchtet Ihr da sein? Wer soll sich um Euch kümmern? Wer genießt Euer Vertrauen?

     

    Tiara war nicht gechipt. Mitte Januar hat ihr Besitzer sie bei uns gefunden und abgeholt. Natürlich ist auch das ein Happy End, aber eins mit einem kleinen Beigeschmack.

    Mitte Dezember kam Fundkater Santana zu uns. Er hatte einen Verkehrsunfall, den er (zum Glück) „nur“ mit einem Kieferbruch überstanden hat. Der Bruch wurde in der Klinik gerichtet und fixiert – kurz vor Weihnachten konnte Santana die Klinik verlassen und auf unsere Krankenstation umziehen. Er litt sehr unter der immer noch schmerzhaften Verletzung und auch das notwendige Tragen des Kragens hat nicht zu seinem Wohlbefinden beigetragen.

    Wir haben ihn mit dem Löffel gefüttert, damit er überhaupt Nahrung zu sich nahm. Auch Santana war nicht gechipt, aber auch sein Besitzer hat ihn Anfang Januar bei uns gefunden und abgeholt. Und auch für Santana wäre es schöner gewesen, wenn er ein Rückfahrtticket gehabt hätte und im vertrauten Umfeld mit vertrauten Menschen hätte gesunden können.

    Nach diesen Happy Ends mit Beigeschmack habe ich aber auch noch ein perfektes Happy End für Euch:

     

     

    Am 23.12.2019 wurde Yoshi zu uns gebracht. Er wurde in Neukirchen-Vluyn gesichert und die Finderin hatte den ihr unbekannten Kater schon längere Zeit beobachtet. Wie des öfteren haben wir für dieses Fundtier viel Kritik auf Facebook erhalten, da wir „mal wieder einen Freigänger gepflückt hatten“. Dieser Vorwurf kommt meistens dann auf, wenn versierte Ferndiagnostiker anhand eines Kopfbildes den Gesamtzustand und auch direkt die Lebensumstände einer Katze erkennen können. 

    Zum Glück hat die Finderin sich von solchen Anfeindungen nicht abschrecken lassen und hat den ihr unbekannten Kater zu uns gebracht. Yoshi (so hatten wir ihn genannt, tatsächlich heißt er Körmit) war zunächst sehr ungehalten uns gegenüber, so dass wir ihn zur Ruhe kommen ließen und an Heiligabend überprüften, ob er gechipt ist.

    Und er war es! Yoshi / Körmit war seit 13 Monaten (!) vermisst und seine Besitzer waren überglücklich, ihn an Heiligabend wieder in die Arme schließen zu können. Was in den 13 Monaten passiert ist, sagt uns der Chip nicht, aber er hat ihn wieder nach Hause gebracht.

    Wenn ich mir die Daten dieser drei Geschichten so ansehe, scheint das doch so etwas wie eine Weihnachtsbotschaft zu sein …

     

    Also bitte, erkennt die Botschaft auch und lasst Eure Katzen kastrieren, kennzeichnen und registrieren … und wenn Ihr das nur mir zu liebe macht, damit ich nicht wirklich meinen Wunschtausch einlösen muss.

     

     

    Eure Paula

  • Paulas Weihnachtsgruß

    Hallo Ihr Lieben,

     

    wer vielleicht schon ein- oder zweimal gelesen hat, was ich so schreibe, der weiß, dass ich öfters mal Themen anschneide, die eine erhobene Zeigekralle gut gebrauchen können … und ich gebe zu: ich erhebe meine Zeigekralle oft und gerne für Dinge, die mir missfallen.

     

    Nun ist es nicht so, dass es mir an solchen Themen oder Erlebnissen mangelt – bei weitem nicht – aber ich habe mir für heute mal vorgenommen, nur Schönes zu schreiben. Immerhin neigt sich das Jahr dem Ende entgegen und ich möchte mich und Euch einfach mal auf die guten Erlebnisse besinnen. Zum Glück gibt es auch davon genug. Solltet Ihr doch mal zwischen den Zeilen mein Zeigekralle zucken sehen … seid mir einfach nicht böse, okay?

     

    Jetzt aber Schluß mit dem Geplänkel – los geht´s mit Geschichten zum Freuen…

    Vielleicht hat der ein oder andere von Euch es schon mitbekommen und vielleicht hatte sogar schon jemand das Vergnügen, persönlich Bekanntschaft zu machen: ich habe Verstärkung in meinem Samtpfoten-Team. Lissy, die als Fundkatze zu uns kam und das große Pech hatte, zweimal aus der Vermittlung zurück zu kommen gehört nun zum „Team Paula“. Nach der zweiten missglückten Vermittlung konnte ich mir Lissy´s Gejammer nicht mehr anhören und habe zu meinem dosenöffnenden Personal gesagt: “Leute, seht Ihr das denn nicht? Das ist Fügung … es soll einfach so sein, dass das Hotel Paula das Zuhause für Lissy ist.” 

    Jetzt seid Ihr haarlosen Zweibeiner wirklich gut im Dosen öffnen, aber ansonsten manchmal auch eher langsam – was mir ganz klar war, hat dann doch noch etwas gedauert, aber schließlich war allen klar: Lissy wird hier fest angestellt.

    Ich muss zugeben – ich habe mir davon mehr Arbeitserleichterung für mich versprochen, aber vielleicht war es auch mein Fehler, dass ich Lissy eingestellt habe, bevor ich ihr Aufgabengebiet festgelegt habe. Nun hat sie sich selber Aufgaben gesucht … und ich will ja auch nicht sagen, dass diese nicht wichtig sind … aber immer nur Liegeplätze testen ist dann doch etwas übertrieben. Vor allem, weil sich das sehr mit meinen Aufgaben überschneidet.

    Es kam dann auch etwas Unruhe in das Arbeitsverhältnis. Immerhin bin ich die Chefin und muss ja auch mit der Leistung zufrieden sein. Wir konnten die Differenzen aber überbrücken und Lissy unterstützt mich nun beim abendlichen Rundgang, wo ich nach dem Rechten sehe und allen Gästen “Gute Nacht” sage. Außerdem hat sie ein wachsames Auge auf die Außenfutterstellen – da konnte ich mich eigentlich nie drum kümmern.

    Lissy macht im übrigen einen hervorragenden Job in der Vorweihnachtszeit. Ich glaube, sie hat 24 Stunden ein wachsames Auge auf unseren Gabentisch. Tatsächlich schläft sie sogar dort, um ganz sicher zu sein, dass alle erfüllten Wünsche und Geschenke sorgsam gehütet und den richtigen Tierhäusern zugeordnet werden. Damit hat sie mich schon tief beeindruckt – ich würde wirklich sehr ungerne meine gemütliche Wäschekammer gegen Strohballen tauschen … Memo an mich: Lissy unbedingt eine Extra-Milch geben für diesen tollen Arbeitseinsatz.

    Wo wir gerade von erfüllten Wünschen und Geschenken reden … wir alle sind zur Zeit überwältigt von all den lieben Spenden, die uns erreichen. Manche werden direkt zu uns ins Tierheim gebracht, andere werden in Futtermärkten gesammelt, wo auch unsere Wunschbäume stehen. Abgesehen von der direkten und auch so notwendigen Hilfe, die das für uns bedeutet, erleben wir das aber auch im besonderen Maße als Wertschätzung für unsere Arbeit. Für mich als Hotelchefin heißt das, dass Ihr seht, dass ich alles gebe, damit es meinen Gästen gut geht. Da habe ich fast ein kleines Rührungstränchen im Auge und dieses Gefühl kommt sehr nah an das gute Gefühl heran, das ich habe, wenn ich meine Katzenmilch schlecke. Ich danke Euch wirklich von ganzem Herzen dafür – auch im Namen aller meiner Mitarbeiter.

     

     

    In der Vorweihnachtszeit erreichen uns wirklich die meisten Geschenke, von denen wir das gesamte Jahr noch profitieren, aber – und das muss wirklich mal gesagt werden – Ihr seid IMMER für uns da, wenn wir Hilfe brauchen. Ich weiß, dass Ihr uns gerne helft und manches mal fast froh seid, wenn wir Euch einfach mal sagen, wo wir gerade Hilfe benötigen. 

    Jetzt will ich Euch aber mal ein internes Problem anvertrauen: meine menschlichen Angestellten tun sich da echt immer schwer mit. Wann immer ich Sorgen in ihren Augen sehe, sage ich: „Lasst uns um Hilfe bitten – wir sind nicht alleine.“ Aber jedes Mal sagen sie dann: „Wir schaffen das schon so … wir können doch nicht betteln…“ Das ist doch kein betteln, wenn man Hilfe braucht und danach fragt! Sie tun sich so schwer damit, dass ich dieses Jahr oftmals gar nicht diskutiert habe und wir Tiere haben das einfach selbst in die Hand genommen. Ich habe gesagt: „Mailo, Du hast Angst, dass Du wieder Bauchweh bekommst, weil Dein Futter leer ist? Erzähl das einfach den Leuten. Es gibt so viele liebe Menschen, denen es am Herzen liegt, dass es uns allen gut geht … wenn jeder eine Dose bringt, brauchst Du nie wieder Angst haben.“ oder auch „Karlchen, Du schämst Dich, dass Du so eine große Operation hattest und alles so teuer war? Schreib das genau so und du wirst erleben, dass wir nicht alleine sind.“

    Und so war es auch. Wir Tiere haben einfach und ehrlich erzählt, wo die Probleme sind und jedes Mal ward Ihr für uns da. Als wir keine Kittenaufzuchtsmilch mehr hatten, gab es kurz nach unserem Aufruf in den umliegenden Futtermärkten keine Milch mehr zu kaufen. Wir hatten wirklich eine Kittenschwemme dieses Jahr und Ihr habt uns so unterstützt.

     

    DANKE ! Danke, dass Ihr für uns da seid.

     

    Und was ich auch einmal wirklich los werden möchte … danke, dass Ihr für uns da seid einfach, weil wir Euch in unseren Alltag mitnehmen. Ich sehe so viele Bilder, lese so viele Texte, die über großen emotionalen Druck Spenden sammeln, dass mir manchmal sogar meine Milch nicht schmeckt und ich bin sehr froh, dass Ihr unsere Sorgen und auch Nöte versteht, ohne dass wir Euch schlimme Bilder zeigen. Wir nehmen Euch gerne mit in unseren Alltag … auch wenn dieser nicht nur schöne Geschichten bereit hält, aber Ihr helft uns, ohne dass wir auf die Tränendrüse drücken. Für dieses Feingefühl und das genaue Hinsehen und Hinhören sagen wir danke. Manchmal, wenn ich nur in einem Nebensatz äußere, dass meine Milch knapp wird, bekomme ich sofort neue Milch gebracht * zwinkerzwinker *.

     

    Nein, im Ernst … Ihr helft uns, einen guten Job machen zu können.

     

    Soll ich Euch was sagen? Es hat richtig gut getan, dass alles mal so aufzuschreiben. Wir erleben wirklich tagtäglich schlimme Dinge und es ist wichtig, die schönen Erlebnisse hoch zu halten. Findet Ihr es nicht auch besser, ein gutes Gefühl aufleben, statt sich von negativen Erlebnissen runter ziehen zu lassen? Während ich das alles hier geschrieben habe, hat meine Zeigekralle nicht einmal gezuckt.

     

    Ich fürchte, dass es auch im kommenden Jahr nicht ganz ohne Zeigekralle gehen wird, aber ich verspreche Euch, dass ich Euch auch immer etwas Schönes berichten werde.

     

     

    Eure Paula

  • Traurige Nachrichten und praktische Vermittlung

    Hallo Ihr Lieben,

     

    ich hoffe, Ihr habt Euch keine Sorgen gemacht, weil Ihr so lange nichts von mir gehört habt… Es geht mir gut, aber es war einfach so viel zu tun, dass ich keine Zeit gefunden habe, ein paar Worte zu Papier zu bringen.

     

    Heute nehme ich mir die Zeit einfach, weil mir mal wieder so viele Dinge durch den Kopf gehen und es mir gut tut, all meine Gedanken zu sortieren und auch mitzuteilen. Ich habe mir ein gemütliches Plätzchen gesucht und würde mich freuen, wenn Ihr mich bei meinem Brainstorming begleitet.

     

     

    Wir haben noch immer alle Pfoten voll zu tun mit den vielen Fundtieren, die zu uns kommen. Nach wie vor ist es so, dass der Großteil der Tiere nicht vermisst wird – zumindest bei Katzen und Kleintieren. Und noch immer zeigen uns die meisten Findlinge durch ihr Verhalten, dass sie menschliche Gesellschaft gut kennen. Auch an der Situation, dass eine Vielzahl der Fundtiere medizinisch versorgt werden muss, hat sich nichts geändert. Bestenfalls reden wir an dieser Stelle “nur” von Kastration, Impfung und Kennzeichnung – nicht selten sind die Probleme jedoch größer.

    Medizinische Probleme ist auch das richtige Stichwort, um uns an Obelix zu erinnern. Obelix kam in der ersten Woche diesen Jahres zu uns und in den knapp drei Monaten, die er bei uns war, hat er nicht nur unsere Herzen erobert, sondern uns auch viele Sorgen bereitet. Wahrscheinlich kennen die meisten von Euch seine Krankengeschichte und den mühsamen Weg zur Stabilisierung bereits. Als Obelix im März in sein Forever Home zog, wussten wir und auch seine neue Besitzerin, dass dieses “Forever” begrenzt sein würde … dass er bereits in der vergangenen Woche seine letzte Reise antreten würde, hatten wir nicht erwartet.

    Auch wenn wir alles Mögliche für unsere Schützlinge machen und sie bei weitem nicht einfach “nur Tierheimtiere” sondern vielmehr unserer Tiere sind, können wir ein richtiges Zuhause nicht ersetzen. So war es nicht verwunderlich, dass Obelix in seinem neuen Zuhause noch einmal richtig aufblühte. Er wurde umsorgt, verwöhnt und geliebt. Uns ist es ein Trost, dass er trotz seiner schweren Herzerkrankung noch erleben durfte, ein liebevolles Zuhause sein eigen zu nennen. Wäre er nicht im Januar zu uns und dann im März zu seiner Besitzerin gekommen, wäre er mit Sicherheit schon eher auf der Straße in der Einsamkeit des Zurückgelassenen gestorben. Das Wissen, dass das verhindert wurde, spendet uns wirklich Trost.

     

     

    Aber nicht alle Tiere finden ihr Forever Home, bevor sie ihre letzte Reise antreten müssen. Auch in der vergangenen Woche mussten wir unseren Hektor erlösen. Nachdem sich zunächst sein Verhalten sehr verändert hatte und dann eine schnell schlimmer werdende Lahmheit hinzu kam, brachten die Untersuchungen einen schlimmen, schmerzhaften Tumor im Schulterbereich ans Licht. Dieser Tumor hat uns und vor allem Hektor die Chance genommen, auch noch einmal das erleben zu dürften, was Obelix erleben durfte.

    Hektor kam im Februar diesen Jahres zu uns mit dem Hinweis, dass er sowohl Herz- als auch Hüftprobleme und darüber hinaus sehr flinke Zähne hat. Nachdem wir festgestellt hatten, dass er auch taub war, konnten wir uns auch sein Abwehrverhalten erklären. Und nicht nur das – durch diese Erkenntnis konnten wir auch unseren Umgang mit ihm verändern, anpassen und schon bald hatte Hektor einen ganzen Kreis von Tierpflegern und Gassigängern, denen er vertraute und die ihn gut händeln konnten. Dennoch war es schwierig, das passende Zuhause für ihn zu finden, da es natürlich ein langwieriger Prozess ist, ein so ritualisiertes Abwehrverhalten zu verändern.

     

     

    Herz und Hüfte waren in der Vergangenheit nicht Hektors große Baustellen … vielmehr führte die Unkenntnis über seine Taubheit zu Missverständnissen, die sein Verhalten negativ beeinflusst haben.

    In unserem Alltag erleben wir viel zu oft, dass Missverständnisse zu Problemen führen. Wir erhalten Anrufe, von Hundehaltern, die zu spät erkannt haben, dass der etwas große Golden Retriever, den sie von der netten Verkäuferin aus dem Kofferraum gekauft haben, eigentlich ein Herdenschutzhund ist. Nun ist sie da die Überforderung, denn definitiv erfordert ein HSH sehr viel mehr Erfahrung … und der Hund soll weg.

     

    Auch der süße Terrier, der so günstig und unkompliziert über ein Kleinanzeigenportal gekauft wurde, muss weg, da er gar nicht so katzenfreundlich ist, wie in der Anzeige geschrieben wurde.

     

    Und auch das liebende Herz, das einen Hund gerettet hat, stößt an Grenzen, wenn der familienfreundliche Anfängerhund seinen Schutztrieb auspackt.

     

    Diese Beispiele sind nicht ausgedacht – das ist ein Auszug aus unserem wahren Alltag. Wir könnten die Liste endlos weiter führen, aber eigentlich wird jetzt schon klar, wo die Problematik liegt. In zu vielen Fällen wird die Anschaffung eines Tieres nicht zu ende gedacht und noch weniger werden die Bedürfnisse von Mensch und Tier abgeglichen … vielmehr wird aus dem Bauch heraus oder nach Optik entschieden.

     

    Natürlich muss bei jedem Tier vor der Anschaffung genau überlegt werden, welche Bedürfnisse das Tier hat, ob man diesen gerecht werden kann und welche Vorstellungen man selbst bezüglich seines Tieres hat und eben auch, ob das Tier diesen Vorstellungen gerecht werden kann … aber heute soll es einfach mal um die Hunde gehen und ich möchte das so ein bisschen durchleuchten.

     

    Häufig ist die Hundesuche davon geprägt, welche Rassen gerade in Mode sind oder welche optische Vorlieben der künftige Hundehalter hat. Und so kommt es, dass der Neu-Halter des Australian Shepperds genervt ist von seinem hyperaktiven Hund oder sich der sportliche Halter über die (häufig gesundheitlich bedingte) fehlende Ausdauer seiner Französischen Bulldogge ärgert.

     

    Wenn jedoch die Entscheidung getroffen ist, einen Hund ins Haus zu holen, sollten die ersten Fragen sein:

     

    Was erwarte ich? Welche Charaktereigenschaften soll der Hund haben? Welche Auslastung soll er brauchen? Was kann ich dem Hund bieten? Wieviel Erfahrung bringe ich mit? Möchte ich zwingend eine Hundeschule besuchen? Wie sportlich oder gemütlich bin ich selber?

     

    In der heutigen Zeit, werden Hunde über Social Media und Kleinanzeigenportale vermarktet und häufig wird sehr viel weniger an die Vernunft appelliert, als dass eine emotionale Bauchentscheidung herbei geführt wird … am Ende einer solchen Entscheidung stehen häufig Enttäuschung, Verzweiflung und auch wir, da viele “Vermittlungen” eine Einbahnstraße sind.

     

     

    Wie viele Tierheime müssen wir uns auch oft den Vorwurf gefallen lassen, dass wir ja gar nicht wollen, dass unsere Hunde ein Zuhause finden. Vielleicht ist das ein Stück weit richtig, denn wir wollen nicht, dass sie EIN Zuhause finden, sondern wir wollen, dass sie das richtige Zuhause finden.

     

    Wenn wir Interessenten die Frage stellen: “Was für einen Hund suchen Sie denn?” möchten wir keine Anworten wie “einen Labrador” oder “gerne mit kurzem braunen Fell” … wir möchten mit unserer Frage Wünsche und Vorstellungen für ein Leben mit Hund erfahren und Bedürfnisse übereinander bringen.

     

     

    Erst, wenn wir einen Hund in der Vermittlung haben, von dem wir denken, dass es passen könnte, stellen wir Mensch und Hund einander vor. Dann aber wünschen wir uns, dass sie sich erst mal kennen lernen – und das vor allem öfters. Es soll doch eine Entscheidung für ein ganzes Hundeleben sein – die trifft man doch nicht auf dem Papier, bei Facebook oder im Internet … die trifft man im realen Leben.

    Wir haben keine kategorischen NOs für Vermittlungen – es muss einfach passen. Es gibt keinen Ü60 Vermittlungsstopp bei uns, aber natürlich vermitteln wir auch nicht den Welpen an ältere Leute. Es braucht keine endlose Hundeerfahrung, aber der Hund, der Verhaltensauffälligkeiten im Gepäck hat, ist dann einfach nicht der Richtige.

    Wir vermitteln nicht theoretisch sondern praktisch und wir würden uns wünschen, dass das mehr auf Verständnis denn auf verletzten Stolz stößt. Wir sind einfach schon in zu vielen Fällen das Ende der Geschichte, die mit einer falschen Entscheidung begonnen hat.

     

    Ach, Ihr Lieben, wie so oft merke ich, dass das Thema so vielschichtig ist und ich mich in Beispielen und Gedanken verlieren könnte, aber ich hoffe, ich konnte Euch vermitteln, worum es mir geht.

     

    Sonntag ist unser Sommerfest und es ist noch jede Menge zu tun. Ich muss jetzt mal nach dem rechten sehen, damit die Vorbereitung auch voran kommen. Das ist wirklich ein Haufen Arbeit …

     

    Ich wünsche mir, viele von Euch am Sonntag auf unserem Fest zu treffen und es wäre mir eine große Freude, wenn der ein oder andere mir ein Fläschchen Katzenmilch mitbringt. Das wäre wirklich toll.

     

     

    Eure Paula

  • Paulas persönlicher Albtraum

    Hallo Ihr Lieben,

     

     

    hier bin ich endlich mal wieder: Eure ziemlich erschöpfte Paula. Warum so erschöpft möchtet Ihr wissen? … was soll ich sagen … dieses Jahr scheint sich vorgenommen zu haben, mindestens so turbulent zu bleiben, wie es angefangen hat. Und bereits jetzt im Mai kann ich mich festlegen, welche Aussagen ich nicht mehr hören kann. Eigentlich habe ich mich schon länger festgelegt, aber jetzt schreibe ich es genau hier auf. Ihr seid neugierig? Hier kommt meine Top 3:

    Unangefochten auf Platz 1 steht die Aussage “nein, nicht kastriert und auch nicht gechipt”. Im direkten Zusammenhang folgen Platz 2 und 3 “wir haben ja schon einen Termin gemacht” und “Ja, das haben wir vor.”, wo meine Schnurrhaare zu vibrieren anfangen und ich fassungslos von einem Bein aufs andere tänzele, wenn meine Mitarbeiter dann mit “Das ist sehr gut” antworten … ich meine Hallo? haben wir jetzt jeden Tag den ersten April und es gibt nur noch Clowns zum Frühstück? WER BITTE WILL DAS DENN GLAUBEN? … und ja ich weiß, dass das Schreiben in Großbuchstaben gleichzusetzen mit schreien ist … und genau danach ist mir bei dem Thema auch!

    Selbst wenn dem Halter eines unkastrierten Freigängers egal ist, dass dieser Umstand Populations- und Krankheitselend massiv vergrößert – und diese Vorstellung lässt mich innerlich fauchen, denn wer sich ein Tier anschafft, sollte Tiere doch lieben oder wenigstens mögen – sollte man doch zumindest anerkennen, dass auch der eigene, unkastrierte Freigänger ein sehr viel größeres Risiko trägt, zu verunglücken oder auch krank zu werden. Unsere aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass beide gewichtigen Argumente offensichtlich auf taube Ohren stoßen.

     

    Als ich dann mal ein wenig zur Ruhe kam, habe ich mir gesagt “Paula, Du darfst nicht so vorschnell urteilen … vielleicht geht es gar nicht anders … vielleicht gibt es keine Tierärzte mehr” und auch wenn ich meinen eigenen Einwand nicht richtig glauben konnte, habe ich das überprüft … denn keinesfalls wollte ich, dass mein Wutausbruch – und ich fürchte so muss man das schon nennen – möglicherweise ungerechtfertigt oder unfair ist.

     

    Jetzt weiß ich, dass es mehr als genug Tierärzte gibt und die aktuelle Situation ausschließlich dem fehlenden Verantwortungsbewusstsein der Halter geschuldet ist. Traurig!

     

    Und nur um ein paar gängigen aber eher mickrigen Erklärungsversuchen, mit denen wir uns rumschlagen müssen, den Wind aus den Segeln zu nehmen, gebe ich Euch jetzt ein paar Beispiele:

     

    “Er / sie ist ja noch zu jung für die Kastration.” – Das kann sein und es ist auch löblich, sich um den richtigen Zeitpunkt Gedanken zu machen, aber dann gehört er / sie noch nicht in den Freigang *Punkt* – Freigang beginnt nach Kastration!

     

    “Er / sie ist ja gar kein regelmäßiger Freigänger.” – Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: KEIN Freigang ohne Kastra – auch nicht ab und zu!

     

    “Ist doch ein Kater … darf doch Spaß haben.” – Langsam wird es leider müßig die Konsequenzen wieder und wieder erklären zu müssen, nur weil Menschen ein projiziertes Vergnügen nicht einschränken wollen.

     

    Und weil ich nicht nur von hier bis gleich denke, lasse ich Euch jetzt auch an meinen weiterführenden Gedanken teilhaben, dir uns hier zwar nicht unmittelbar betreffen, mir aber sehr große Sorgen bereiten.

     

    Unsere Fundkatzen kann man in verschiedene Gruppen teilen:

    Einige kommen zu uns, sind auch tatsächlich häufig kastriert – wenn auch nicht gekennzeichnet – werden vermisst und wieder abgeholt. Nicht ganz rund, aber okay – wobei hier natürlich auch die unkastrierten Katzen inakzeptabel sind.

     

     

    Dann haben wir eine recht große Gruppe von Katzen, die recht jung sind (um 1 Jahr herum), weder kastriert noch gechipt, offensichtlich mit dem Menschen sehr vertraut … die aber weder vermisst noch abgeholt werden. Da drängt sich mir die Frage auf, ob rollige Katzen vielleicht doch irgendwie unangenehm sind oder Kitten einfach süßer … und da Katzen ja eh besser draußen aufgehoben sind, kann man ihnen ja vielleicht einfach mal die Freiheit “schenken”. 

    Und dann gibt es noch eine ähnlich große Gruppe – manchmal kastriert, manchmal nicht … nie gechipt, auch nie vermisst … dafür aber krank. Da wir die Frage, ob es überhaupt noch Tierärzte gibt, schon beantwortet haben, tun sich für mich auch hier Abgründe auf.

    Ich selber bin kastriert und kann keine Katzenmutter werden, aber NIEMALS könnte ich ein kleines Kätzchen sich selbst überlassen, weil es mit dem doofen Schnodder alles schmutzig macht und auch so laut atmet. Nur um Missverständnissen vorzubeugen: das ist nur ein Beispiel; in keinem Fall würde ich irgendeine Katze / irgendein Tier sich selbst überlassen!

    Als wenn dieses Bild, was sich da abzeichnet, nicht schon schlimm genug wäre, drängt sich ja doch auch noch die Frage auf, wo diese Katzen denn eigentlich alle herkommen.

     

    Nur zum Verständnis, worauf ich hinaus möchte: KEINE Katze, die von uns in ein neues Zuhause vermittelt wird, verlässt das Tierheim ungechipt. Zusammen mit den Vertragsunterlagen nehmen wir auch direkt die Registrierung auf den neuen Halter bei Findefix vor. Außer bei Kitten werden auch alle Katzen kastriert vermittelt. Bei Kitten ist jedoch die Kastration in der Vermittlungsgebühr enthalten und soll zum geeigneten Zeitpunkt durch unseren Tierarzt durchgeführt werden.

     

    Ich gehe davon aus, dass das eine übliche Vorgehensweise ist, bei Katzen, die durch Tierschutzvereine ein Zuhause finden.

     

    All diese Katzen hatten keine Kennzeichnung. Wo also kommen sie her? Es scheint ja einen riesigen Pool an Nachschub zu geben. Sind das dann womöglich die Nachkommen, der spaßhabenden Freigänger-Kater und der nicht der Natur ins Handwerk pfuschen wollenden Freigänger-Kätzinnen? Vermutlich seriös vertrieben über Kleinanzeigen-Portale und Social Media? Ich nenne das einen verantwortungslosen Katzen-Discounter und da schmeckt mir nicht mal meine Milch mehr!

     

    Das Gedankenspiel um das Ausmaß dieser problematischen Situation überlasse ich mal Eurer Phantasie.

     

    So, ich denke ich konnte meinen Unmut über diese inakzeptable Situation deutlich machen. Das alleine führt aber zu nichts! Die Frage ist, was muss passieren, damit die Situation sich ändert. Der Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Tierhalter erreicht erfahrungsgemäß immer nur die, die sich eh verantwortungsbewusst verhalten. Die Zahl der durch einen Appell “Bekehrten” ist viel zu gering im Vergleich zur Zahl derer, die umdenken müssten. Also kann es nur ein offizieller Weg sein, der Veränderung bringt … eine Katzenschutzverordnung.

     

    Werden dadurch alle Probleme sofort gelöst? – Nein, natürlich nicht.

    Ist es der erste Schritt in die richtige Richtung? – Absolut!

     

     

    Für unsere unmittelbare Situation würde das bedeuten, dass wir keine Katze mehr unkastriert und ohne Chip an den Besitzer herausgeben müssen. Wie sehr wir uns das wünschen würden, kann ich Euch gar nicht sagen … 

    Ich schicke mein innigstes Schnurren an alle Städte / Kreise, die bereits eine Katzenschutzverordnung eingeführt haben oder dabei sind.

     

     

    Und jede Stadt / Kreis, die nicht länger die Augen vor der offensichtlichen Problematik verschließt und beginnt, eine solche Verordnung auf den Weg zu bringen, lade ich persönlich auf eine Katzenmilch ein – da gebe ich Euch meine Pfote drauf.

    Eigentlich schließe ich ja immer mit einer schönen Geschichte … heute möchte ich das tatsächlich mal nicht machen. Ich bin wirklich traurig über die aktuelle Situation und manchmal, wenn etwas nicht gut ist, sollte man es einfach so stehen lassen.

     

     

    Eure Paula

  • Tierschutz vor der Haustüre

    Hallo Ihr Lieben,

     

    so richtig anfreunden kann ich mich bisher mit dem neuen Jahr nicht. Zum einen liegt das daran, dass zu jedem Jahresanfang gleichzeitig auch Winter ist – und das ist einfach nicht meine bevorzugte Jahreszeit… es ist kalt, nass und manchmal liegt sogar dieses weiße Zeugs rum… da kontrolliere ich sehr gerne ausgiebigst die Wäschekammer und gönne mir manchmal auch ein Nickerchen – zum anderen war es bis hierher auch schon ein wirklich turbulentes Jahr. Viel los ist ja bei uns immer, aber die ersten Wochen in 2019 waren dann doch voller turbulenter Ereignisse, die einen sehr nachdenklich machen.

    Obwohl ich ein wirklich gemütliches Bett in der Wäschekammer habe, konnte ich so manches Mal gar nicht zufrieden weg schlummern, weil ich wieder und wieder über das Thema Tierschutz nachdenken musste. Jetzt wundert Ihr Euch und fragt, was man denn da so lange drüber nachdenken kann? Ihr sagt: “Tierschutz… ist doch ganz klar – das heißt Tieren helfen” … Ach Ihr Lieben, wenn es doch nur so einfach und klar wäre, aber es ist soviel vielschichtiger…

    Ja, Tierschutz heißt natürlich in erster Linie, dass man Tieren hilft und sie schützt, aber es bedeutet auch verantwortungsvoll zu handeln und mitunter auch, sich abzugrenzen. Ich merke schon, dass ich Euch verwirre und so richtig klar ist ja auch noch gar nicht, was ich versuche zu sagen. Anhand von Alltagsbeispielen aus meinem Hotel für bedürftige Tiere will ich versuchen, das alles etwas klarer darzustellen.

    Ihr wisst ja, dass zu uns auch Katzen kommen, die nicht mehr in ihrem Zuhause bleiben können. Dafür gibt es die verschiedensten Gründe – manche kann man verstehen, andere nicht. Für uns ist das egal! Denn Fakt ist nun mal: empfindet ein Halter das Zusammenleben mit seiner Katze als Belastung, ist es auch eine Belastung für die Katze und sie verdient ein Zuhause, in dem sie wieder harmonisch mit ihrem Menschen leben kann.

    Bei Abgabegründen, die in dem Tier begründet liegen, nehmen wir die Gründe auf und verknüpfen sie mit unseren eigenen Beobachtungen zu einem Gesamtbild. Abgabegründe wie Unsauberkeit, Aggression oder fortgeschrittenes Alter sind für uns kein Grund, eine Katze nicht aufzunehmen auch wenn wir wissen, dass diese Voraussetzungen eine Vermittlung schwieriger machen können. Das bedeutet für uns Tierschutz!

    Häufig ist auch die Abgabegebühr ein strittiges Thema und es wird uns vorgeworfen, dass Tierschutz und “Geld kassieren” nicht zusammen passen. Für uns ist auch die Abgabegebühr Teil des Tierschutzes. Das wäre vielleicht nicht nötig, wenn wir so große finanzielle Ressourcen hätten, dass wir darauf nicht angewiesen wären, aber wir sind ein eher kleiner Tierschutzverein und Teil unserer Verantwortung ist einfach, sicher zu stellen, dass wir unsere Tiere versorgen können und auch wir müssen Futter kaufen und Rechnungen bezahlen. Erschwerend kommt hinzu, dass in den seltensten Fällen eine Abgabegebühr die Kosten deckt. Der Aufwand der notwendigen medizinischen Versorgung hat in der letzten Zeit deutlich zugenommen und ist in den seltensten Fällen offensichtlich, so dass wir in vielen Fällen ein Überraschungspaket bekommen, was die Kosten angeht. 

    Erinnert Ihr Euch an unseren Diabetiker Kater Max? Bei der Abgabe hatten wir leider keinen Hinweis auf seine Erkrankung. Für Max war es gefährlich, dass wir diese Information nicht hatten für die Abgeber offensichtlich das Mittel der Wahl um zu verhindern das Max möglicherweise abgelehnt würde. In einem solchen Fall mangelt es ganz klar an Verantwortung und es werden die eigenen Bedürfnisse auf eine so niederträchtige Art und Weise über die des Tieres gestellt, dass das für uns ganz weit weg von Tierschutz ist.

    Nicht selten erhalten wir Anrufe von Tierhaltern, die z. B. Tierarztrechnungen nicht bezahlen können und anfragen oder sogar erwarten, dass wir das im Rahmen des Tierschutzes übernehmen. Ja, natürlich sind wir ein Tierschutzverein und setzen uns für das Wohl der Tiere ein, aber wir sind kein “Verantwortungsübernahmeverein”. Der Tierhalter muss sich der Verantwortung bewusst sein und dieser auch gerecht werden. Und Verantwortung und Tierschutz kann auch heißen, sich kein Tier anzuschaffen, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

     

    In vielen Fällen sind wir aber gezwungen, die Verantwortung zu übernehmen, die eigentlich der Tierhalter tragen müsste. Einmal natürlich bei Abgabetieren, die mit versteckten oder auch verschwiegenen Erkrankungen zu uns kommen, aber auch bei Fund- oder ausgesetzten Tieren.

     

     

    Natürlich ist hier ein Beispiel Sky, der nun schon ein Jahr bei uns ist und der – dem Tod näher als dem Leben – bei uns ausgesetzt wurde. Mehr aus der Verantwortung ziehen kann sich ein Tierhalter nicht! Und Ihr könnt mit mir auch nicht diskutieren, ob es ein gutes oder schlechtes Aussetzen gibt … da bin ich nicht offen für. An dem Straftatbestand ändert sich nichts – egal ob es vor dem Tierheim oder in einem Wald ist … egal ob Futter dabei ist … egal ob es ein Hund, eine Katze, ein Kaninchen oder vier Ratten sind.

    Auch in diesem Jahr hatten wir da schon klare oder auch fragwürdige Fälle. So wurde im Januar ein Kaninchenmädchen in einem Karton gefunden. Sie war so vernachlässigt, dass es der Tierquälerei gleichzusetzen ist. Die unterlassene Pflege hatte zu massiven entzündlichen Prozessen geführt und trotz aller Hoffnung und Bemühungen, konnte sie nur erlöst werden.

    Oder unsere Fund-Norwegerin Mary-Lou, die sofort tierärztlich behandelt wurde, wo aber auch jede Hilfe zu spät kam und wo sich aufgrund des Krankheitsbildes der Gedanke nicht verdrängen lässt, dass sie wegen der Erkrankung sich selbst überlassen wurde.

    Es gibt auch Fälle, wo menschliche und tierische Schicksale derart verknüpft sind, dass man es kaum ertragen kann. So haben wir auch einen offensichtlich schwer kranken Hund aufgenommen, dessen Besitzer verstorben war – in dem Wissen, dass die Kosten das normale Maß um ein vielfaches übersteigen würden. So gerne hätten wir für sie für ihren Lebensabend noch ein schönes Zuhause gefunden, aber leider musste auch hier die Hoffnung und das Wunschdenken der Realität weichen und wir konnten ihr nach zahlreichen Untersuchungen nur weiteres Leid ersparen.

    Das alles sind Fälle, wo sich Besitzer ihrer Verantwortung entzogen haben und wo wir sie für die Tiere gerne übernehmen – denn auch das ist für uns Tierschutz! Das können wir jedoch nur in Maßen leisten, denn in erster Linie tragen wir die Verantwortung für die Tiere, die sich in unserer Obhut befinden. Sicherlich ist die Liebe zum Tier der Grundstock für Tierschutz oder die Entscheidung, ein Tier bei sich aufzunehmen, aber egal, wie man sich auch windet … Liebe allein reicht leider nicht. Da müssen wir alle Grenzen akzeptieren, die manch einer oft nicht wahrhaben will.

     

    Natürlich besteht unser Alltag nicht nur aus solchen Geschichten, aber wir picken hier auch keine Einzelfälle heraus – das ist ganz klar Bestandteil unseres Alltags und zeigt mehr als deutlich, dass vor jeder Tür Tierschutzbedarf da ist und Tierschutz geleistet werden kann.

     

    Ihr lest meine Kolumne – also seid Ihr Tierfreunde … BITTE tragt Euren Teil dazu bei. Tierschutz fängt damit an, dass man nicht weg schaut und jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten, etwas für Tiere tun. Bietet doch vielleicht Hilfe an, wenn Ihr seht, dass jemand mit seinem Tier überfordert ist. Erklärt Freunden und Bekannten, warum es so wichtig ist, Katzen kastrieren und chipen zu lassen …. warum ein Kaninchen niemals in einem kleinen Käfig glücklich sein kann. Unterstützt heimische Tiere, indem Ihr in einer Hitzeperiode Futter- und Wasserstellen im heimischen Garten einrichtet.

     

    Tierschutz ist so vielfältig und manchmal so leicht und unaufwendig und dabei so notwendig! Und definitiv muss man nicht über Landesgrenzen schauen, um einen wirklich großen Bedarf für den Tierschutz zu sehen. Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten, wenn er sich nur ein kleines Stück aus seiner Komfortzone hinaus bewegt.

     

    Tierschutz endet nicht am Telefon mit der Aussage: “Ihr seid doch der Tierschutzverein – also kümmert Euch.” Das übersteigt schlicht und einfach unsere Möglichkeiten. Funktionieren kann das nur, wenn wir Hand in Hand arbeiten und uns unterstützen.

     

     

    Eure Paula

  • Paulas Jahresrückblick

    Hallo Ihr Lieben,

     

    das Jahr 2018 neigt sich in großen Schritten dem Ende entgegen und ich möchte mich für dieses Jahr ein letztes mal bei Euch melden. 2018 war auch das Jahr, in dem – neben meinen unzählig vielen Aufgaben – meine “Karriere” als Paula Kolumna begonnen hat. Mir hat es viel Spaß gemacht, Euch aus meinem Hotel zu berichten und ich hoffe sehr, dass auch Ihr Freude an all den informativen, hoffnungsvollen und manchmal auch mahnenden Worten hattet.

     

     

    Was liegt nun näher, als noch einmal auf 2018 zurück zu blicken. Ich habe mich natürlich im Vorfeld ein wenig auf diesen Rückblick vorbereitet und bei meiner Recherche hatte ich den Eindruck, dass man so etwas auch Geschäftsbericht nennt und dass es um Zahlen geht. Ich bin also durch alle Hotelzimmer gegangen und habe mal zusammen gerechnet, wie viele meiner Gäste in diesem Jahr ein Forever Home gefunden haben. Es ist die wirklich beeindruckende Zahl von über 300 Tieren. Das heißt, wenn man das mal etwas bildlicher darstellen möchte, ist beinahe jeden Tag des Jahres – außer sonntags – ein Tier in sein neues Zuhause gezogen.

    Was ich tatsächlich nicht mehr nachvollziehen kann, ist die Menge an meiner geliebten Katzenmilch, die ihr mir geschenkt habt … und die ich natürlich auch immer mit meinen Hotelgästen teile – wenn auch mit einem weinenden Auge. Ich kann Euch aber soviel sagen: es war fast genug. Warum nur fast, fragt Ihr … na das ist doch selbsterklärend: weil man einfach nie genug Katzenmilch haben kann.

    Aber ich komme vom Thema ab … Die Zahl von über 300 Tieren setzt sich natürlich nicht nur aus Katzen zusammen. Auch Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde und Vögel haben ihr Zuhause gefunden. Und nicht zu vergessen: sehr viele Ratten. 2018 war eine Art “Rattenjahr” – so viele dieser langschwänzigen Nager kamen zu uns, weil sie es dort, wo sie vorher wohnten, nicht gut hatten, dass ich manchmal das Gefühl hatte, ein Rattenhotel zu sein.

    Ich war bisher immer ehrlich zu Euch und will das auch jetzt sein. Eine kleine Stimme in mir, die von meinen letzten wilden Genen gesteuert wird – und jeder, der im Dienste einer Katze steht, weiß, dass wir alle noch wilde Gene haben – hat in der ein oder anderen ruhigen Minute zu mir gesagt: “Paula … denk doch mal nach … all die Nager … und dann die hungrigen Katzen … siehst Du die Möglichkeiten nicht auch?”

    Und manches Mal zuckte meine Schwanzspitze, wenn diese Stimme mit mir sprach, aber ich bin eine kultivierte Hotelchefin und selbstverständlich haben meine Mitarbeiter all die Ratten gut versorgt und sie in neue Zuhause vermittelt … nur zur Sicherheit in Zuhause ohne Katzen – wir wissen schließlich nicht, ob alle Samtpfoten so kultiviert sind, wie ich es bin.

     

     

    Ach, jetzt bin ich ja schon wieder ganz weg von meinem eigentlichen Thema … während ich so diese Zahlen rausgesucht habe, hatte ich sofort den Gedanken: was sagt das eigentlich aus? Ja, sicher … jeden Tag ein Tier und so … schönes Bild … aber das sagt rein gar nichts aus über all die Bemühungen, Sorgen, Gedanken und Schicksale, die dahinter stehen.

     

    Deswegen möchte ich Euch jetzt mitnehmen in ein Jahr 2018 jenseits der Zahlen. Natürlich nur auszugsweise – sonst wäre es keine Kolumne mehr sondern ein Buch.

     

     

    Selbstredend gehört die Geschichte von Sky in dieses Jahr. Sein Schicksal, seine Geschichte hat viele Menschen berührt und neben allen medizinischen Aspekten hat er bei uns sehr viel Raum eingenommen, weil er uns besonders mit der Ablehnung seines Schwanzstummels riesige Sorgen bereitet hat. Endlos waren die Überlegungen und Diskussionen, was ein lebenswertes Katzenleben ist. Wie die meisten von Euch wissen werden, konnten wir all diese Sorgen hinter uns lassen. Neben seinem Handicap, dass er 

    seine Blase nicht selbständig entleeren kann, ist Sky ein ganz normaler, halbstarker Kater und er wird uns bestimmt auch im Rückblick auf das Jahr 2019 noch einmal begegnen – denn wir wünschen uns sehr, dass 2019 das Jahr wird, in dem er sein passendes Zuhause findet.

    Da war Rabauke Dodo, der mit seinem Bruder als Pensionshund abgeben und einfach nicht mehr abgeholt wurde. Sein Besitzer war nicht mehr auffindbar, obwohl meine Mitarbeiter natürlich im Rahmen des Pensionsvertrages alle Daten mit dem Personalausweis abgeglichen hatten. Da saßen wir dann … auf zwei Hunden und natürlich auf den Kosten – es wurden weder die Pensionskosten noch die Abgabegebühr beglichen… Dodo fand im Januar 2018 sein neues Zuhause.

    Fundkater Mezzo hat uns eine ganze Zeit begleitet und auch ein wenig terrorisiert. Der zutrauliche Kater mochte sich einfach nicht entscheiden, ob er Nähe oder Distanz möchte und ließ seine eigene Zerrissenheit nicht selten die Tierpfleger oder Katzenkuschler spüren. Aber auch für Mezzo wurde das passende Zuhause gefunden, in dem er sich nun nach und nach für die Nähe entscheidet.

     

     

    Es gab Fälle von vermeintlich gesunden Abgabetieren, wo wir nach kurzer Zeit feststellen mussten, dass gesund die Umschreibung ist, die am wenigsten zutrifft. Wie Kater Max, der an Diabetes erkrankt ist oder auch die Hündin Dara, die einen bösartigen Gesäugetumor hatte und der eine Gesäugeleiste operativ entfernt werden musste. 

    Ob ihre Besitzer das vorsätzlich verschwiegen haben oder sich so wenig mit ihren Tieren befasst haben, dass sie es tatsächlich nicht wussten, können wir nicht mehr nachvollziehen – es ist am Ende auch fast egal, denn für uns heißt es immer nur: nach vorne schauen.

    Ihr möchtet wissen, wie wir all diese Schicksale und Geschichten verkraften, ohne zu verzweifeln? Wir behalten einfach das Wohl des Tieres im Auge. Natürlich empfinden wir durchaus auch Ärger, Wut oder Unverständnis über menschliche Entscheidungen oder Handlungen, aber glaubt mir – das ist verschwendete Energie. Da sammeln wir lieber unsere Energie und verwenden sie darauf, unseren Schützlingen zu einer schönen Zukunft zu verhelfen. Deshalb freuen wir uns auch so sehr, wenn wir immer mal wieder von ehemaligen Hotelgästen hören … zu hören, dass es ihnen gut geht und dass sie nicht nur ein Zuhause sondern vor allem einen Platz im Herzen gefunden haben, ist unser Antrieb. 

    Und es gibt ja auch schöne Alltagsgeschichten. Da war zum Beispiel Cindy, die von ihrem Vorbesitzer als zutraulich und verschmust beschrieben wurde und die bei uns lange Zeit gebraucht hat, ihren Trennungsschmerz hinter sich zu lassen. Monatelang war sie unzugänglich, mitunter unerreichbar für uns. Ende 2017 platzte der Knoten und sie holte – an einem Freitag – alle Streicheleinheiten nach, die sie offensichtlich doch vermisst hatte. Auch Cindy zog im Januar 2018 in ein neues Zuhause.

     

     

    Der Satz “über 300 Tiere haben 2018 ein neues Zuhause gefunden” war schnell geschrieben – diesen Zahlen Gesichter und Geschichten zu geben ist nicht in der Gänze umsetzbar. Deshalb möchte ich es bei diesen paar Beispielen belassen, denn noch etwas anderes muss Raum in dem Rücklick auf 2018 haben: Ihr

     

    Ihr seid es, die uns begleiten, mit uns mitfiebern und letztlich auch unterstützen. Ihr nehmt Anteil an all den Schicksalen und wenn Not am Mann ist, seid Ihr da. Egal, ob die Kitten kein Kittenfutter mehr haben, unser Budget für Tierarztkosten erschöpft ist oder ob meine Milch leer ist. Das Ziel ist klar: eine schöne Zukunft für jeden einzelnen Hotelgast. Eure Unterstützung macht das möglich und zeigt uns, dass wir an einem Strang ziehen.

     

    Meine Mitarbeiter und ich möchten Euch Danke sagen, für das Vertrauen, dass Ihr in uns und unsere tägliche Arbeit setzt.

     

    So … ganz vorbei ist 2018 noch nicht und es gibt noch einiges zu tun.

     

    Ich freue mich auf 2019 und all die Geschichten und Herausforderungen, die dort auf uns warten – und ich freue mich, wenn Ihr auch 2019 an unserer Seite seid.

     

    Alles Liebe

     

    Eure Paula