Tierheim Moers

Category: Paulas Blickwinkel

  • Der kleine Unterschied

    Hallo Ihr Lieben,

     

    endlich finde ich mal wieder etwas Zeit, Euch ein paar Zeilen zu schreiben. Wie ist es Euch ergangen in diesem wirklich heißen Sommer? Soll ich Euch was verraten? Ich habe mir manchmal in der Nacht ganz heimlich “Katzenmilch on the rocks” gemacht, die Stille genossen und über einige Dinge nachgedacht.

     

    Hat Euch die Überschrift schon neugierig gemacht? Es ist nicht das, was ihr jetzt vielleicht denkt …

     

    Wir sehen hier eine Vielzahl von Menschen und Tieren kommen und gehen und manchmal in der Hektik wirkt alles etwas einheitlich, aber das ist es gar nicht. Jeder Mensch und jedes Tier ist anders, besonders, einzigartig … und will erkannt werden. Ihr wisst ja, dass ich mir immer viel Zeit nehme für meine Gäste. Ich möchte sie kennen lernen und mehr über ihre Bedürfnisse und Wünsche wissen. Denn nur so kann man das richtige Zuhause für sie finden. Meine Mitarbeiter sind da ganz auf meiner Linie und beobachten und interagieren ebenso viel mit unseren Gästen.

    Aber wie dieses ganze “Vermitteln” abläuft, habe ich Euch glaube ich schon mal erzählt. Eigentlich möchte ich heute auf etwas ganz anderes heraus … auf einen kleinen, sehr wichtigen Unterschied. Ich möchte heute mit Euch über den Unterschied reden, was es heißt “Tiere zu lieben” oder “es zu lieben, ein Tier zu haben”.

     

     

    Ich höre schon wieder die Stimmen, die sagen: “Paula, das sind doch Wortklaubereien. Nun nimm es doch nicht wieder so pingelig genau.” Ich finde das nicht! Mag dieser Unterschied im sprachlichen Sinne sehr klein sein, so ist er inhaltlich umso gewichtiger.

    Ich will versuchen, Euch zu erklären, warum mir das so wichtig ist. Menschen, die es lieben, ein Tier zu haben, lieben häufig zunächst das Bild oder die Vorstellung, die sie davon haben. Sie stellen sich vor mit ihrem Hund in schöner Natur spazieren zu gehen … der Hund läuft frei, kommt aber zuverlässig und schwanzwedelnd, wenn er gerufen wird. Oder sie stellen sich vor, wie die flauschige Katze sich auf ihrem Schoß zusammen rollt und wohlig schnurrt. Dieses Wunschbild kann der Realität entsprechen, wenn Mensch und Tier glücklicherweise gut zueinander passen und die Bedürfnisse sich decken. Dann kann es “reichen”, es zu lieben, ein Tier zu haben – auch ohne, dass es für Mensch oder Tier Nachteile hat.

    Die Spreu trennt sich jedoch vom Weizen, wenn Mensch und Tier für ein “gutes zueinander Passen” Kompromisse eingehen müssen, wenn sie zueinander finden müssen … kurzum: wenn es Probleme gibt.

     

     

    Denn Tiere lieben, sein Tier lieben heißt nicht, dass dieses Tier sich in mein Leben einfügt; das heißt vielmehr, dass ich seine Bedürfnisse sehr genau kenne und respektiere und sich die Leben zu einem verbinden. Ja, ich gebe zu das hört sich schon ein wenig pathetisch an, aber ich finde es schön und passend.

    Ich will mal ein tatsächlich nicht seltenes Beispiel aus unserem Hotelalltag geben. Ein schüchternes und verängstigtes Kätzchen (merkt Ihr das? Man nennt es sofort Kätzchen statt Katze, weil man da doch eigentlich sofort das Bedürfnis hat, es zu beschützen und ihm zu helfen) sucht ein Zuhause, in dem es ankommen darf. Es kommen Interessenten, die – ganz kurz zusammen gefasst – sagen, sie kennen sich mit Katzen aus, das wäre für sie kein Problem, die Katze muss sich nicht sofort streicheln lassen. Meine Mitarbeiter erklären mehrfach, dass sich so etwas sehr lange hinziehen kann … alles kein Problem. Das Kätzchen zieht aus … und wird nach – sagen wir – vier Wochen zurück gebracht, weil es sich immer noch verkriecht. Sorry, aber das ist der Moment, wo mir nicht einmal mehr die Katzenmilch schmeckt.

    Zur Tierliebe gehört, ein Tier so anzunehmen, wie es ist … es dort abzuholen, wo es steht und in der Zeit, die das Tier vorgibt, in Richtung gemeinsamer Weg zu gehen.

     

    Soll ich Euch was erzählen? Vor wenigen Tagen erst wurden wir angeschrieben, weil ein kleiner Kater, der vor 3,5 Jahren von uns adoptiert wurde einen neuen Entwicklungsschritt gemacht hat und sich nun endlich traut, frei und unbefangen zu spielen. Das ist einfach nur großartig! Danke, dass Ihr ihm seine Zeit gegeben habt. Danke, dass Ihr Euch so für ihn freut – denn es ist seine Lebensqualität die wächst. Und danke, dass Ihr uns daran teilhaben lasst. Hach – ich werde ganz sentimental…

     

     

    Ihr findet, das ist zu schwarz weiß gedacht? Vielleicht habt Ihr da nicht ganz unrecht. Ich will versuchen, die Grenze zwischen diesem kleinen Unterschied etwas zu verwischen.

     

    Nicht jedes Zuhause ist das Richtige für “schwierige Fälle”. Das ist auch vollkommen in Ordnung so. So viele Bedürfnisse sind zu berücksichtigen … was soll ein verängstigtes Kätzchen bei einem kleinen Kind? Keiner der Beiden profitiert von dieser erzwungenen Partnerschaft.

     

     

    Ich finde, wenn Menschen, die aufgrund ihrer persönlichen Umstände, ein Bild vor Augen haben, wie das Zusammenleben mit einem Tier aussehen soll und die es lieben, dieses Bild Realität werden zu lassen (ich muss ja nun bei meiner Wortwahl bleiben), sich dann aber auch sehr genau ihre möglichen tierischen Partner aussuchen und auch deren Bedürfnisse berücksichtigen … genau in dem Moment überschreiten sie die Grenze zur Tierliebe. Denn auch zu wissen, was man nicht möchte, ist ein Bedürfnis.

     

    Erkennt Eure Bedürfnisse und vor allem: respektiert die Bedürfnisse Eurer Tiere.

     

    Eure Paula

  • Die Geschichte hinter den süßen Kitten

    Hallo Ihr Lieben,

     

    bei uns ist wieder jede Menge los und wir haben wirklich alle Pfoten voll zu tun. Ihr habt ja bestimmt auch schon mitbekommen, dass zur Zeit einige Kitten bei uns sind.

     

     

    Neben ganz viel Freude, die natürlich auch wir an den Kleinen haben, bereiten sie uns viel Arbeit und häufig auch sehr große Sorgen und Kummer. Ich möchte Euch heute mal ein bisschen über die Probleme und die Ursachen für Probleme erzählen, die viele Kitten im Gepäck haben. 

    Die meisten Babies, die zu uns kommen, sind die Nachkommen verwilderter Hauskatzen. Wenn wir bzw. die Kätzchen Glück haben, kommen sie mit ihrer Mama zu uns oder werden sogar bei uns geboren. Das ist einfach eine gute Ausgangssituation für die

    “Versorgungskette” – wir kümmern uns um die Mutterkatze und diese hat die nötige Ruhe und die bestmögliche Verpflegung, um sich um ihre Babies zu kümmern. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist natürlich auch, dass die Mutterkatze selbstverständlich nach ihrer Mutterschaft kastriert, gechipt und geimpft wird und auch für sie kann, sofern sie sich noch an den Menschen gewöhnen lässt, ein Zuhause gesucht werden.

    So sähe der Optimalfall aus – leider stellt uns der Alltag vor sehr viel facettenreichere Herausforderungen.

     

     

    Die geschätzt 2 Millionen verwilderten Katzen sind zu einem Großteil krank oder tragen Krankheiten in sich. Das hat zur Folge, dass auch die Babies sofort mit diesen Krankheiten in Kontakt kommen. Viele sterben qualvoll in ihrer “Freiheit” oder geben später die Krankheiten weiter. 

    Für uns heißt das, dass wir bei jedem Kitten immer im Hinterkopf haben, was alles gefühlt von jetzt auf gleich passieren kann. Auch unserer kleinen Tinkerbell ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. Sie hat den schlimmen – durch einen Biss verursachten – Bruch und die daraus resultierende Amputation des Beinchens gut verkraftet. Vermutlich aber trug sie bereits Krankheiten in sich, die diese Schwächung des Körpers ausgenutzt haben.

    Wir waren machtlos und konnten sie auf dem letzten Weg nur noch begleiten, damit sie nicht allein ist.

    Andere Kitten kommen zu uns mit verklebten Augen und verklebtem Fell und die Flöhe tanzen Tango auf ihnen. Wir behandeln und versorgen sie … sie bekommen die notwendigen Medikamente und Wärme und Zuwendung … ob sie es schaffen, kann man aber nie vorher sagen. Zu oft schlägt die Realität einfach unerbittlich zu.

    Erst wenn die Kitten alt genug sind für die Impfungen und diese auch gut überstehen, können wir aufatmen und einen wichtigen Etappensieg für uns verbuchen.

     

    Die Ursache dieser Problematik sind zu viele verwilderte Hauskatzen, die weder kastriert noch geimpft sind. Dem beizukommen ist eine unglaubliche Herausforderung und nahezu unmöglich.

     

    Jeder, der ein Herz für Tiere hat, müsste sich da einbringen. Es gibt so viele Menschen, die wilde Katzen füttern und das ist auch wirklich toll, aber viel wichtiger wäre es, Sorge zu tragen, dass diese kastriert werden … der Tierschutzgedanke und die Tierliebe muss einfach weiter reichen, als bis zur Futterschale.

     

    Was die Problematik noch verschärft, ist der Umstand, dass es nach wie vor zu viele unkastrierte und ungeimpfte Freigänger gibt. Und das ist nicht nur ein nicht weit genug gedachter Tierschutzgedanke – das ist fehlende Verantwortung!

     

    Vielleicht hat auch der ein oder andere die traurige Geschichte der beiden wenigen Tagen alten Katzenbabies verfolgt, die Ende Juni zu uns gebracht wurden. Ein Geschwister der Beiden ist bereits unter der Geburt verstorben, zwei weitere kurze Zeit später bei der Halterin der Katzenmutter. Auch die Beiden, die zu uns kamen, hatten keine Chance – wie wir am Ende feststellen mussten. Es gab organische Anomalien, die ein Überleben ausgeschlossen haben. Die tierärztliche Einschätzung besagte, dass davon auszugehen ist, dass das bei allen Kitten der Fall war und dass es möglicherweise inzestuöse Hintergründe hatte. Das muss nicht heißen, dass Verwandte ersten Grades verpaart wurden – das “Zuchtproblem” kann auch weiter hinten im Stammbaum liegen.

     

     

    Bei diesen beiden Kätzchen handelte es sich um Rassekatzen. In vielen Zuchten – nicht nur bei Katzen – gibt es negative Begleiterscheinungen. Manche sind offensichtlich – andere, wie Neigungen zu bestimmten Erkrankungen, sieht man nicht auf den ersten Blick. Und das ist der Grund, warum Zucht nur sehr verantwortungsbewusst und mit viel Hintergrundwissen betrieben werden sollte – alles andere ist vermehren.

    Ihr seht auch dieses Thema bietet ein breites Spektrum an Diskussions- und Handlungsbedarf. Ich freue mich über jeden, den dieser kleine Einblick in die Hintergründe zum Nachdenken anregt. Über jeden, der seine Meinung nun vielleicht überdenkt und gemeinsam mit uns für die Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht einsteht.

    Jetzt muss ich mich wieder um “meine” Kitten hier kümmern, damit möglichst viele die Chance auf ein schönes Katzenleben bekommen.

     

    Habt immer das Wohl der Tiere im Auge – und zwar nicht nur der Tiere, die bei Euch leben, sondern auch ihrer vielen halbwilden Artgenossen.

     

     

    Eure Paula

  • Ein Zuhause suchen statt “los werden”

    Hallo Ihr Lieben,

    die Tage und Wochen ziehen so schnell vorbei und es passiert so viel Unglaubliches, dass ich aus dem Schreiben gar nicht mehr heraus käme, wenn ich nur mehr Zeit hätte …

    Es gibt da ein Thema, das mir schon längere Zeit immer wieder durch den Kopf schwirrt und mir auch ein bisschen Bauchschmerzen bereitet. Um da zum Kern der Aussage zu kommen, muss ich etwas ausholen – passiert mir ja zum Glück nicht so häufig 😉

    Ihr wisst ja, dass wir unsere Hotelgäste bei der Suche nach einem Zuhause unterstützen. Umgangssprachlich ist das auch unter dem Begriff “Vermittlung” bekannt. Wir machen es uns nicht leicht dabei: zuerst lernen wir unsere Gäste kennen, um uns ein Bild machen zu können, wie das richtige Zuhause für sie sein aussehen sollte. Anschließend führen wir lange Gespräche mit potentiellen zweibeinigen Mitbewohnern, um heraus zu finden, ob das mögliche Zuhause den Bedürfnissen unserer Gäste gerecht wird. Und zu guter Letzt müssen sich Tier und Mensch auch mögen.

    Manchmal sind künftige Frauchen und Herrchen ein bisschen “vor Liebe blind” und möchten sich passend machen, was einfach nicht passt. Dann ist es an uns aufzuzeigen, warum wir leider “nein” sagen müssen. Ein paar Beispiele:

     

    Jemand mit einem schon älteren Hund verliebt sich Hals über Kopf in einen kleinen Welpen. Absolut nachvollziehbar … aber leider in den seltensten Fällen schön für den älteren Hund. Ein Welpe bedeutet Erziehungsarbeit – übrigens auch für den schon vorhandenen Hund – und er muss durch die Pubertät manövriert werden. Im Normalfall sollte das einem älteren Hund nicht mehr zugemutet werden.

     

     

    Jemand anders hat sein Herz an den verschmusten Freigänger-Kater verloren und möchte versuchen, ob die große Wohnung und viel Streicheleinheiten nicht auch in Ordnung sind.

    Ich könnte noch so viele Beispiele bringen, aber ich denke Ihr versteht schon, was ich sagen will. Wir wissen, dass niemand das macht, um seinem vielleicht künftigen tierischen Mitbewohner zu schaden – wir wissen, dass da viele Emotionen im Spiel sind … aber wir wissen auch, dass es unsere Verantwortung ist, das beste Zuhause für unsere Gäste zu finden. Ein Zuhause, wo der Freigänger ein- und ausgehen kann, wo die schüchterne Katze sich zurückziehen darf und nicht bedrängt wird, wo der sportliche Hund ausgelastet wird …

    Ich finde das ist schon eine ganze Menge, was da so abläuft, ehe einer unserer Gäste in ein neues Zuhause ziehen kann, aber das ist bei weitem noch nicht alles. Zieht ein Tier bei uns aus, besuchen wir es in seinem neuen Zuhause zu einem späteren Zeitpunkt nochmal, um zu sehen, ob es ihm gut geht. Das nennt sich Nachkontrolle. (Bei Hunden gibt es sogar auch eine Vorkontrolle.) … also ich mache diese Besuche übrigens nicht selber – ich ziehe hier vor Ort im Hotel alle Fäden … stellt Euch mal vor, man würde mich bei so einem Besuch mit Katzenmilch bestechen und ich könnte gar nicht mehr klar denken … nein – dafür habe ich Mitarbeiter, die gar nicht so auf Katzenmilch stehen … das ist schon besser so.

    Zurück zum Thema … außerdem darf jeder, der einmal Gast bei uns war, zu uns zurück kommen, wenn es eine Notsituation gibt. Das ist natürlich nicht unser Wunsch, dass aus einem Forever Home nur ein Home wird, aber so wissen wir, dass unseren Gästen kein “Home-Hopping” bevorsteht und sie möglicherweise willkürlich weiter gereicht werden.

     

    Jetzt höre ich Euch ja förmlich fragen: “Paula, das ist doch alles tippi toppi – warum hast Du denn nun Bauchschmerzen?”

     

    Ich finde das natürlich gut und richtig, dass wir es uns nicht leicht machen, für unsere Gäste ein passendes Zuhause zu finden und das macht mir auch gar keine Bauchschmerzen … was mir Bauchschmerzen macht, ist, dass ich festgestellt habe, dass für ganz viele Tiere nicht so fürsorglich gesucht wird.

     

    Sein vertrautes Umfeld und seine vertrauten Menschen zu verlieren ist für ein Tier schon eine schlimme Erfahrung. Aber wenn das – aus welchen Gründen auch immer – notwendig ist, dann darf das doch bitte nicht leichtfertig passieren. Da bekomme ich Angst … da mache ich mir so große Sorgen, dass ich nicht einmal mehr an Katzenmilch denken kann.

    Jetzt rege ich mich schon wieder so auf, dass ich Euch nicht einmal gesagt habe, worum es überhaupt geht … ich sehe zuhauf Hunde, Katzen, Kaninchen die “umständehalber ein neues Zuhause suchen” auf Internet Plattformen für Kleinanzeigen oder auch in Social Media Kanälen. Ich kann mich nur wiederholen: da bekomme ich Angst – Angst um meine tierischen Artgenossen. Ich habe schon Formulierungen gelesen wie “war bisher Freigänger, würde sich aber sicher auch in einer Wohnung wohlfühlen” – da frage ich mich: ist das so oder wird man das Tier so nur schneller los? … oder “6jährige Katzengeschwister suchen dringend neues Zuhause – auch einzeln möglich” da fühle ich jedes einzelne Haar, das sich mir aufstellt.

    Ich möchte auch nicht wissen, wie viele Hunde, mit denen ihre Besitzer überfordert waren, in andere unwissende Hände wechseln und so die Probleme wachsen und die Hunde zu Wanderpokalen werden.

     

     

    Und noch weniger möchte ich wissen, wie viele Kleintiere auf diesem Weg ein kurzzeitiges “liebevolles Zuhause” in einem Terrarium finden.

    “Paula, du übertreibst – du möchtest ja nur, dass alle in Dein Hotel kommen.” höre ich Euch schon sagen.

     

    Ich finde nicht, dass ich übertreibe. Sicherlich wird es auch bei dieser Art der “Vermittlung” Geschichten mit einem schönen Ende geben, aber das Potenzial und die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas nicht gut ausgeht ist sehr hoch. Warum wollt Ihr wissen? Das kann ich Euch sagen: Die Menschen, die auf diesem Weg ein neues Zuhause für ihre tierischen Freunde suchen, sind in irgendeiner Art von Zugzwang, d. h. in den meisten Fällen haben sie nicht endlos Zeit, ein passendes Zuhause zu suchen (abgesehen davon, dass sie auch gar nicht die Möglichkeiten wie wir haben) und so wie manche Menschen, die einem unserer Gäste ein Zuhause geben möchten “vor Liebe blind” werden, werden Tierbesitzer in solchen Situationen “vor Not blind” und reden sich ungeeignete Situationen passend oder drücken die Augen zu.

     

    Und ja – am liebsten wäre mir, sie kämen alle in mein Hotel. Dann weiß ich nämlich, dass auf das richtige Zuhause gewartet wird und nicht die Zeit im Nacken sitzt.

     

    Ich hoffe doch ganz stark, dass, nach meinem letzten Bericht, der ein oder andere Zweifler erkannt hat, dass ein Aufenthalt bei uns nicht so schlimm ist. Und ich weigere mich ganz entschieden, anzunehmen, dass die Abgabegebühr ein Hindernis für den verantwortungsvollen Tierhalter sein soll, wenn er sich von seinem tierischen Freund trennen muss. Dass dieser Abgabegebühr eine wertvolle Leistung gegenüber steht, sollte ich ja mit diesem Bericht hinreichend dargelegt haben.

     

     

    Holy Moly habe ich mich jetzt aufgeregt. Das ist gar nicht gut für mich … und für Euch auch nicht. Wir müssen mit einer schönen Geschichte abschließen – oh, ich weiß eine …

    Erinnert Ihr Euch an Fiona? Sie kam Ende April als Fundkatze zu uns. Wie für jeden Neuankömmling ging es auch für Fiona erst einmal in die Quarantäne. Schon bald fragten wir uns, wie wir mit Fiona umgehen und wie wir ein Zuhause für sie finden sollten – so unfreundlich war sie. Zum Beweis zeigen wir Euch jetzt hier erstmals ein bisher unveröffentlichtes Foto von Fiona … und das war keine Ausnahme …

    Nach ihrem Umzug ins Katzenhaus dauerte es gar nicht lang, bis wir ein ganz neue Fiona hatten: lieb, verschmust und anhänglich. Der erste Eindruck, den sie hinterlassen hatte, war (zum Glück) vollkommen falsch. Fiona ist wirklich ein Paradebeispiel dafür, dass all unsere Gäste erst einmal ankommen müssen und wir uns dann die Zeit nehmen müssen, dass sie uns und wir sie kennen lernen.

    Das gebe ich Euch heute mit auf den Weg: schaut immer mindestens zweimal hin, bevor ihr Euch eine Meinung bildet und einem vorschnellen Urteil zuviel Gewicht gebt.

     

    Eure Paula

  • Ein Hotel ist kein Gefängnis

    Paulas Blickwinkel vom 1. Mai 2018

    Hallo Ihr Lieben,

     

    Ihr glaubt nicht, um was ich mich alles kümmern muss. In erster Linie möchte ich natürlich, dass es meinen Gästen gut geht. Damit es ihnen gut geht, muss ich darauf achten, dass es auch meinen Mitarbeitern gut geht. Dabei darf ich selbstverständlich nicht aus den Augen verlieren, dass es auch mir gut geht … ohne mich geht schließlich gar nichts …

     

    Zuletzt habe ich immer mal wieder bemerkt, dass meine Mitarbeiter enttäuscht oder auch verärgert sind. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass mein Hauptaugenmerk natürlich auf meinen Gästen liegt, so dass meine Mitarbeiter schon sehr enttäuscht oder verärgert sein müssen, wenn mir das so auffällt. 

    Ich habe also meine rund 27 Muskeln pro Ohr spielen lassen, um herauszufinden, was denn da im argen liegt. Ich komme jetzt einfach mal ganz schnell zum Punkt: Hauptgrund für Enttäuschung und Verärgerung waren, dass es wohl einige Menschen gibt, die das “Tierheim” für einen schrecklichen Ort für Tiere halten.

     

    Mir persönlich gehen solche Aussagen ja an meiner linken, kleinen Kralle vorbei, aber in diesem Fall scheint es Klärungsbedarf zu geben. Ich habe mir also ein ausgesprochen gemütliches Plätzchen gesucht, um das Thema mal ein bisschen zu zerpflücken und allen, die bereit sind, ein wenig hinter die Kulissen zu blicken, einen Einblick zu gewähren.

    Zuerst muss ich offensichtlich noch einmal erklären, dass nur Ihr Menschen es “Tierheim” nennt … tatsächlich betreibe ich hier ein Hotel für temporär hilfebedürftige Tiere. Hotels kennt Ihr ja auch – das weiß ich, weil auch immer mal jemand über Urlaube erzählt. Ich habe da auch schon oft so Gespräche gehört, in denen gefragt wurde: “Und? Wie war das Hotel?” … und ganz oft wird dann etwas geantwortet wie: “Das Hotel war eigentlich gut, aber ich musste mich erst einmal an das Essen gewöhnen und die Betten waren auch anders als Zuhause.” Merkt Ihr was? Auch für Euch ist ein Hotel erst einmal fremd. So geht es meinen Gästen auch. Auch sie haben auf einmal andere Betten, andere Rückzugsmöglichkeiten, anderes Essen und andere Nachbarn. Dafür fehlt auf der anderen Seite alles, was vertraut war. Natürlich ist das erst einmal ein große Umstellung und jeder Gast geht da auf seine Weise mit um. 

    An der Stelle kommen meine Mitarbeiter und ich ins Spiel. Wir versorgen unsere Gäste nicht einfach nur mit dem Notwendigen … nein, wir versuchen, sie kennen zu lernen. Wir möchten wissen, welche Bedürfnisse oder auch Probleme sie haben und dann helfen wir ihnen, sich in unserem Hotel wohl zu fühlen. Manche Gäste – egal, ob sie bellen oder miauen – gewöhnen sich sehr schnell ein. Manchmal haben wir aber auch Gäste, die Ballast mitbringen – sei es, dass sie krank sind und einen Tierarzt benötigen, oder auch, dass sie schlechte Erfahrungen oder falschen Umgang verarbeiten müssen. Ab da sind wir eigentlich sogar mehr wie ein Hotel …

    Viele Menschen sehen das nicht so. Sie sehen nur ein Kätzchen, dass sich “vor lauter Angst versteckt” oder einen Hund, der “verzweifelt bellt, weil er raus möchte”. Soll ich Euch sagen, was ich sehe? Ich sehe ein Kätzchen, dass Sicherheit im Rückzug findet und dem wir so viele Rückzugsmöglichkeiten bieten, dass es sich immer sicher fühlen kann … ein Kätzchen, dem wir so lange an seinem Versteck sagen, dass alles in Ordnung ist, bis es uns irgendwann vertraut und raus kommt – freiwillig.

    Ich sehe einen Hund, der sein temporäres Zuhause gegen einen Eindringling verteidigt. Ein Eindringling, der nicht selten frontal vor dem Hund steht und ihn direkt ansieht … was soll denn ein anständiger Hund da anderes machen wie bellen?

    Ihr seid uns alle willkommen, aber bitte nehmt Euch Zeit! Ärgert Euch nicht, wenn Ihr kein Kätzchen seht, sondern sprecht mit meinen Mitarbeitern. Sie können Euch so viel zu jedem einzelnen Tier erzählen. Seid nicht genervt, wenn ein Hund so laut bellt, dass es in den Ohren schmerzt und man sich nicht mehr unterhalten kann. Zeigt dem Hund Respekt vor seinem Bereich und gebt ihm mehr Freiraum … entfernt Euch ein wenig. Auch hier erzählen Euch meine Mitarbeiter alles, was Ihr wissen möchtet.

    Jetzt höre ich Euch fast schon sagen: “Ernsthaft jetzt Paula? So wie Du das beschreibst, hört es sich ja an, als sollten alle Tiere ins Tierheim, weil es da so toll ist… ” Nein! Natürlich nicht. Wir sind ein Hotel und wie bei Euch Menschen auch soll es vom Hotel irgendwann in ein Zuhause gehen – nur bis es soweit ist, sind wir für unsere Gäste da – mit viel Einsatz und Herzblut! Und ganz bestimmt sind wir kein Gefängnis …

     

    Hui … jetzt habe ich mich aber doch ganz schön in diesem Thema verloren … damit es heute nicht so ernst endet, will ich noch ein Geheimnis mit Euch teilen. Ihr müsst mir aber hoch und heilig versprechen, das niemandem zu verraten. Katzenmilchehrenwort!!

    Dann passt mal auf … spätabends oder manchmal auch nachts treffe ich mich mit anderen Katzen, die hier so im Umfeld leben und dann besuchen wir regelmäßig eine ultramoderne Katzentoilette. Ich kann Euch sagen: das hat Stil! Wo das ist, möchtet Ihr wissen … da werdet Ihr aus dem Staunen nicht mehr rauskommen … Es heißt doch, dass wir ein neues Hundehaus bauen – habt Ihr bestimmt auch schon gehört. Das stimmt so gar nicht.

    Die Hunde sind nur Tarnung. In echt ist das eine geräumige und pikfeine sanitäre Einrichtung für Katzen. Seit dort endlich nicht mehr so viel Baugerümpel rumliegt, besuchen wir unser Badehaus regelmäßig und finden es wunderbar. Und nachdem dann auch endlich unsere Toiletten eingebaut wurden, ist es noch viel besser geworden.

     

    Niemals hätten wir so einen Wellnesstempel bekommen – der Marketingtrick mit dem Hundehaus war ein exzellenter Coup. Haltet das im Hinterkopf. Wir werden später natürlich aus Gründen der Glaubwürdigkeit auch Hunde dort einquartieren, aber wenn Ihr mich mal auf dem Hof seht und ich Euch zuzwinkere, dann wisst Ihr Bescheid … dann habe ich gerade wieder das Katzen-Badehaus besucht.

     

    In diesem Sinne wünsche ich Euch eine Zeit voller Wellness!

     

     

    Eure Paula

  • …für uns zahlt keine Krankenkasse!

    Hallo Ihr Lieben,

    ich bin nun schon einige Zeit wieder im Dienst und ich kann Euch sagen: es war und ist wirklich viel los bei uns.

    Bevor ich Euch davon erzähle, möchte ich mich erst einmal bedanken. Ich hatte doch aus meinem Zwangsurlaub eine Bestellung für Katzenmilch aufgegeben – erinnert Ihr Euch? Was soll ich sagen … das hat tatsächlich geklappt … ich hätte in Katzenmilch baden können. Ihr habt soviel Katzenmilch gebracht, dass meine Mitarbeiter komplett eigenständig entschieden haben, dass alle etwas davon bekommen sollen. Zuerst habe ich ein wenig geschluckt, als ich das gesehen habe – ich liebe Katzenmilch nämlich wirklich sehr – aber dann habe ich gedacht: “Ach komm Paula – du bist eine gute Hotelchefin … geteilte Freud ist doppelte Freud.” … und tatsächlich das zufriedene Schlecken aus allen Richtungen hat mich richtig erfreut.

    Ihr habt mich wirklich tief beeindruckt und wenn ich nochmal einen besonderen Wunsch habe, werde ich mich vertrauensvoll an Euch wenden.

    Jetzt sitze ich hier und putze mich ganz hektisch, weil ich gar nicht weiß, wie ich eine Überleitung von der leckeren Katzenmilch zum aktuellen Alltag schaffen soll … unser Hotelalltag ist zur Zeit so aufreibend – man kann da keine elegante Überleitung schaffen …

    Ihr wisst ja um die Aufgaben meines Hotels. Wir sind hier Anlaufstelle, für Tiere, die gar kein Zuhause haben und helfen Ihnen, eines zu finden – wir sind aber auch Anlaufstelle, für Tiere, die ein Zuhause haben, dieses aber aus den unterschiedlichsten Gründen verlieren. Es gibt Gründe, die sind traurig und unabänderlich – es gibt aber auch Gründe, die uns fadenscheinig vorkommen … aber wir hinterfragen sie nicht. Selbst wenn wir das Gefühl haben, dass eine Geschichte einen – sagen wir – etwas konstruierten Charakter hat, ist es uns egal. Denn Fakt ist nun einmal: ist ein Tier nicht mehr erwünscht, braucht es ein Zuhause, in dem es willkommen ist.

    Dank dieser Grundeinstellung können wir uns bei 90% unserer Gäste einfach auf sie konzentrieren und unser Bestes geben, damit sie ein schönes und liebevolles Zuhause finden. Gedanken wie “deshalb gibt man doch keinen Hund / Katze / Kaninchen ins Tierheim” erstickt diese Grundeinstellung im Keim und wir können uns ganz auf unsere Aufgaben konzentrieren und das ist gut und richtig so!

    Dann gibt es da noch diese anderen 10% … auch hier versuchen wir Ärger, Wut und Empörung zu verdrängen, aber es kostet viel mehr Kraft, das dann auch zu schaffen. Manches Mal renne ich dann einfach ein paarmal den Gang im Katzenhaus auf und ab, um ein Ventil für die Wut über die Verantwortungslosigkeit mancher Tierhalter zu haben!

    Ich bin mir sicher, dass viele von Euch bei meinen Worten schon an Sky denken und selbstverständlich gehört er zu diesen 10%. Sky, der in einer kalten Nacht auf dem Tierheimgelände ausgesetzt wurde und gestorben wäre, wenn er nicht rechtzeitig gefunden worden wäre.Sky, der einen Schwanzabriss hatte, der zum Kontrollverlust über Blase und Darm geführt hat und letztlich amputiert werden musste.Und auch Sky, der sich dankbar und vertrauensvoll in unsere Hände begeben hat und so dankbar für die Hilfe ist; für den wir weiter kämpfen und den wir aufrichten, wenn die Strapazen der vergangenen Wochen drohen, ihn aufgeben zu lassen.

    Sky, der meinen letzten Tropfen Katzenmilch bekäme, wenn es helfen würde… Seit Sky bei uns ist, habe ich von meinen Mitarbeitern oft so Aussagen gehört wie “was für eine Verantwortungslosigkeit” oder “wie kann man ein Tier in einer solchen Situation nur sich selbst überlassen” … dann verstummen sie aber wieder und konzentrieren sich ganz darauf im hier und jetzt zu helfen. Ich bewundere sie alle ein bisschen dafür – denn ich kann all diese Gedanken über Verantwortungs- und Herzlosigkeit nicht so einfach zur Seite schieben. Ich frage mich, was das für Menschen sind, denen ein Tier sein Vertrauen schenkt und die es auf widerlichste Art und Weise im Stich lassen, wenn es ihre Hilfe am dringendsten benötigt. Ich wünsche mir nicht, dass diesen Menschen das gleiche widerfährt, wie ihren Tieren. Ich wünsche mir für kein Tier und keinen Menschen, eine solche Erfahrung machen zu müssen, aber ich wünsche mir, dass solche Menschen nie wieder die Verantwortung für ein Tier tragen dürfen. Ich wünsche mir Gesetze und die Umsetzung und Kontrolle, dass sicher gestellt ist, dass so etwas kein zweites Mal passieren kann!

    Oder auch eine Lilly, die mit dem Hinweis auf eine mögliche Nierenproblematik oder vielleicht auch Blasenentzündung zu uns gebracht wurde. Auch ihre Geschichte haben bestimmt viele von Euch verfolgt: Lilly hatte schmerzhafte Blasensteine und musste operiert werden! Sie hat versucht, ihren Schmerz weg zu lecken – was natürlich weder funktioniert noch die Situation verbessert hat.

     

     

     

    Die 7jährige Icy bei der während der Kastration festgestellt wurde, dass die Gebärmutter so entzündet ist, dass sie entfernt werden musste. Icy hat sich jeder Manipulation vehement entzogen und Mitarbeiter von mir ernsthaft verletzt. Wie viel Schmerzen muss diese kleine Katze erduldet haben und wie viel Angst vor Schmerzen hat sie …

    Das sind drei Beispiele, wo es meinen Mitarbeitern und mir doch sehr schwer fällt, Wut und Empörung auszublenden. Um der Tiere willen konzentrieren wir uns auf die jeweilige Situation und setzen unsere Energie dafür ein, den Gästen zu helfen. Aber wenn ich dann mal eine stille Minute für mich habe, überrollen meine Gedanken mich wie ein Tsunami.

    Einem Tier ein Zuhause schenken, heißt Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für ein artgerechtes Leben, für eine geistige und körperliche Auslastung und natürlich für Gesundheit und Wohlbefinden! Es ist Teil der Verantwortung zu erkennen, wenn es dem vierbeinigen Freund schlecht geht und dann auch herauszufinden, warum das so ist. Katzen leiden ganz still, aber jeder, der einer Katze ein Zuhause schenkt und seine Samtpfote kennt, wird mir recht geben, dass man Veränderungen bemerkt. Diese muss man ernst nehmen! Katzen werden nicht einfach mal so unsauber! Das hat Gründe, die es zu finden gilt.

    Der verantwortungsvolle Tierhalter zeigt sich nicht bei sonnigem Frühlingswetter bei einem schönen Spaziergang – Verantwortung kommt zum Tragen, wenn es schwierig wird, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat, wenn man wirklich da sein muss für seinen vierbeinigen Freund.

    Verantwortung heißt, einen Tierarzt aufzusuchen, wenn es dem Tier nicht gut geht, oder vielleicht einen Trainer zu Rate zu ziehen, wenn man Probleme hat, die man alleine nicht lösen kann.

    Verantwortung kann auch heißen, sich gegen die Anschaffung eines Tieres zu entscheiden, weil man schwierigen, eventuell auch finanziell schwierigen Situationen nicht gewachsen ist.

    Ich  weiß, dass meine Mitarbeiter Euch um Unterstützung für Sky und Lilly gebeten haben. Und ich weiß auch, das Eure Anteilnahme und Hilfsbereitschaft unglaublich war. Dafür möchte ich Euch DANKE sagen. Tatsächlich können wir solche Fälle nicht alleine stemmen – dafür bräuchten wir einen Goldesel … wenn vielleicht mal jemand einen Goldesel ins Hotel bringen möchte … der wäre herzlichst willkommen!

    Wir wissen, wofür wir das alles machen: für die Tiere! Und wir bitten inständig darum, sich die Verantwortung, die man auf sich nimmt, wenn man einem Tier ein Zuhause schenkt, bewusst zu machen.

    Ich wünschte, ich hätte Euch heute mit lustigeren Geschichten aus unserem Alltag unterhalten können, aber manchmal muss einfach gesagt werden, was gesagt werden muss. Auch wenn solche Geschichten zu unserem Alltag gehören, sind sie zum Glück nicht die Regel und bestimmt gibt es beim nächsten Mal schönere Anekdoten …

    Bis dahin sage ich: “Kümmert Euch um Eure vierbeinigen Freunde so gut, wie ich es mit meinen Gästen mache!”

    Eure Paula

  • Grüße vom Krankenlager

    So … nun sitze ich hier und schicke Euch Grüße aus der Zwangspause.

    Ihr wollt wissen, was passiert ist? Ich kann Euch sagen: das will ich auch! Zumindest kann ich Euch die Geschichte mal so erzählen, wie ich sie nun erlebt habe:

    Es stand schon einige Zeit fest, dass ich mal zum Zahnarzt müsste. Natürlich war das keine Information, über die ich mich gefreut hätte … aber anders herum – wieder besser kauen können, war auch nicht die schlechteste Perspektive. Vergangene Woche haben meine Mitarbeiter gesagt: “Paula, Du gehst jetzt zum Zahnarzt. Mach Dir keine Sorgen – wir kümmern uns hier um alles!” Keine Sorgen machen … die sind lustig … sicher weiß ich, dass sie immer alles ordentlich und gewissenhaft machen und ich mich jederzeit auf sie verlassen kann, aber so ganz mag ich die Kontrolle ja nicht aus den Pfoten geben.

    Als Hotelmanagerin bin ich halt für alles verantwortlich – da kann man nicht so einfach ausfallen. Kürzlich habe ich mich sogar selbst um den Wareneingang gekümmert … ach, ich glaube Ihr nennt das anders … bei Euch heißt das Spenden. Aber wie auch immer – sogar diese Lieferungen überwache ich regelmäßig. Zum Glück kann ich da auch sagen, dass unsere Lieferanten sehr gewissenhaft und zuverlässig sind. Sogar auf ganz besondere Bestellungen wird umgehend reagiert. Vergangenes Jahr hatten wir ja plötzlich ziemlich viele Kitten und gar nicht so viel Kittenfutter. Da haben wir ganz spontan Kittenfutter bestellt und es wurde so schnell und reichlich geliefert, dass wirklich alle gut versorgt werden konnten. An dieser Stelle einfach mal ein Danke Schön an unsere tollen Lieferanten!

    Mit dieser ganzen Verantwortung, die auf meinen Katzenschultern lastet, kann man die Dinge nicht einfach laufen lassen. Sogar die Bauaufsicht für den neuen Hoteltrakt für die Hunde obliegt mir. Auch da kontrolliere ich die Materialien und mache jede Nacht (tagsüber komme ich da gar nicht zu) eine Baustellenbegehung. Stellt Euch mal vor, niemand hat da ein Auge drauf und am Ende müssten die Hunde sich durch eine Katzenklappe quetschen … ich will ja nicht sagen, dass meine Aufsichtsfunktion wichtiger wäre als der eigentliche Bau, aber zu unterschätzen ist diese Kontrolle keinesfalls!

    Ich komme vom Thema ab … wie gesagt, vergangene Woche war also nun mein Zahnarzttermin. Was mir vorher niemand gesagt hatte, war, dass ich schon am Tag vor dem Termin aus dem Verkehr gezogen würde … ich wurde in den Spezial-Wellness-Bereich gebracht. In diesen Bereich kommen Gäste (allerdings nur Gäste des Katzenhauses), die besondere Bedürfnisse haben. Die Zimmer sind nicht so groß, dafür sind die Böden wohltuend beheizt, man bekommt sein Futter a´la Carte nicht vom Buffett und genießt wirklich viel Ruhe und Aufmerksamkeit. Ich glaube in Eurer Sprache nennt man diesen Bereich Quarantäne. Soweit – so gut … meine a ´la Carte Mahlzeit fiel dann aus! Irgendjemand sagte etwas von nüchtern aber ich fürchte, man hat mich einfach vergessen.

    Am nächsten Morgen wurde ich dann zum Zahnarzt gebracht und ab da weiß ich leider nicht mehr so viel. Ein kleiner Pieks und ich fiel in einen tiefen Schlaf … als ich wieder aufwachte, war das erste, was ich bemerkt habe, ein komisches Gefühl am Bauch. Ich war noch sehr müde und es kostete mich viel Konzentration, dieses Gefühl weiter zu erkunden … ich konnte es auch gar nicht glauben, aber offensichtlich war da eine Art Verband und darunter eine Naht … am Bauch … wo hatten die mich nur hin gebracht, dass da jemand die Zähne im Bauch sucht ? Könnt Ihr Euch meine Panik und mein Entsetzen vorstellen? War ich entführt worden und in den Fängen der Organmafia?

    Die bleierne Müdigkeit ergriff wieder Besitz von mir und ich fiel in einen traumlosen Schlaf – zum Glück … sonst hätten mich sicher Alpträume verfolgt.

    Irgendwann hörte ich vertraute Stimmen und bekam mit, wie ich nach einer weiteren Autofahrt wieder ein Zimmer im Spezial-Wellness-Bereich bekam. Zum Glück hatten sie mich gesucht, gefunden und mit nach Hause genommen … auf alles andere würden sich sicher noch Antworten finden. Aber jetzt, wo ich mich in Sicherheit wußte, wollte ich mich erst einmal weiter ausruhen.

    Nachdem ich mich gründlich ausgeschlafen hatte, sah alles gar nicht mehr so schlimm aus. Mir war auch aufgefallen, dass die Zähne sich besser anfühlten und tatsächlich schien auch nichts in mir zu fehlen – jedenfalls nichts, was mir aufgefallen wäre. Ich bekam eine wunderbare – wenn auch zu kleine – a ´la Carte Mahlzeit, jede Menge Streicheleinheiten und niemand schien besonders aufgeregt über das, was passiert war. Also beschloss ich, allen Gesprächen aufmerksam zu lauschen, damit auch ich endlich erfahren sollte, was denn da nun eigentlich passiert war. Auf die Antworten zu meinen Fragen musste ich auch gar nicht lange warten: meine Zähne wurden gar nicht im Bauch gesucht – der Doc wusste doch ganz genau, wo sie sich befanden – aber es stellte ich heraus, dass ich einen Nabelbruch hatte und damit der nicht zu Komplikationen führen würde, hat man das direkt operiert. Im Nachhinein fand ich das sehr umsichtig – schließlich wäre es kaum eine Option gewesen, dass ich ein zweites Mal ausfalle.

    Jetzt hat man mir “Zwangs-Wellness” verordnet … ich muss noch ein bisschen hier bleiben und nachdem ich anfangs doch sehr ungehalten darüber war, habe ich irgendwann zu mir gesagt: “Ach, Paula, genieße die Zeit einfach – irgendwie hast Du Dir das auch mal verdient” … als ich dann noch ein Baldriankissen bekam, war ich die Entspannung selbst.

    Bei soviel Ruhe hat man auch unwillkürlich Zeit zum Nachdenken. Ein paar Gedanken möchte ich mit Euch teilen:

    Mein Hotel für temporär hilfebedürftige Tiere ist ja eine Zwischenstation. Unsere Gäste sollen vom Hotel in ein passendes Zuhause ziehen. Deshalb kommen auch immer viele Besucher, die ein Zuhause anbieten möchten. Besonders im Katzenhaus fragen doch sehr viele nach Kitten. Natürlich kann auch ich nachvollziehen, dass so ein Katzen-Baby Euch Zweibeiner besonders berührt, dass es der Wunsch ist, ein Katzen-Baby beim Großwerden zu begleiten und so die maximal mögliche Zeit des Zusammenseins auszukosten. Aber alle unsere Gäste suchen ein Zuhause und alle werden durch ihre Persönlichkeit in dem passenden Zuhause eine solche Bereicherung sein … das ist gar keine Frage des Alters!

    Und natürlich gibt es auch eine Kehrseite der Medaille … die Kitten, die bei uns landen kommen nicht aus einem behüteten Zuhause – nein, es sind häufig die Nachkommen freilebender Katzen. Und was das in der Konsequenz heißt müssen wir immer wieder aufs Neue schmerzlich erfahren: häufig ist schon die Mutter krank und so ist es logisch, dass auch die Kleinen, deren Abwehrkräfte noch so schwach sind, erkranken. Jedes Jahr kämpfen wir, um kranken Kitten in ein gesundes Leben zu verhelfen. Der Aufwand und die Emotionen die dahinter stehen, sieht man nicht mehr, wenn dann ein Kätzchen unser Hotel verlässt. Und man sieht auch nicht die armen Würmchen, die es nicht schaffen und in unseren Armen sterben. Ich kann Euch versichern: meine Leute kämpfen für die Kleinen, als wären sie selbst die Katzenmamis, aber manchmal ist es ein Kampf gegen Windmühlen.

    Die Lösung wäre so einfach – sie heißt: Kastrieren und Impfen. Man erreicht natürlich mal nicht so eben, alle freilebenden Katzen, aber jede Katze, die ein Zuhause hat, zu einem Hof gehört oder von jemandem gefüttert wird, sollte kastriert und geimpft werden!

    Manchmal höre ich, wie jemand sagt: “Was denn … ich habe doch einen Kater – soll er doch seinen Spaß haben … habe ich ja nichts mit zu tun”. Ich kann gar nicht so laut fauchen oder meinen Fell so hoch aufstellen, wie mich so etwas aufregt.

    Wer auch immer einer Katze ein Zuhause schenkt, sollte diese Tiere doch so sehr lieben, dass er sich auch um die Artgenossen des eigenen Vierbeiners sorgt … und wer schon einmal ein krankes Kitten hat sterben sehen, der weiß, dass das mit Spaß überhaupt nichts zu tun hat.

    Wenn mein Hotel Job mal nicht mehr so aufwendig sein sollte, dann gehe ich in die Politik. Und ich werde mich für zwei große Themen einsetzen:

    1. Kastrations-, Kennzeichnungs- und Impfpflicht für alle Katzen.
    2. Katzenmilch für alle

    Zu dem zweiten Punkt habe ich noch eine Anmerkung … ich hatte ja eingangs unsere Lieferanten gelobt .. ich habe keine Ahnung, ob ich auch dem Spezial-Wellness-Bereich Bestellungen aufgeben kann, aber ich versuche es einfach mal:

    Ich bestelle hiermit Katzenmilch in ausreichender Menge! … oder auch ein bisschen mehr

    Oh … jetzt bin ich mal gespannt, ob das klappt …

    Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute

    Eure Paula

  • Schichtwechsel

    Hallo … ich grüße Euch, mein Name ist Paula und anscheinend ist es nun an mir, Euch mit Informationen zu versorgen.

    Zuletzt hatte ja Atreju diese Aufgabe übernommen, aber wie Ihr wisst, hat Atreju den Weg über die Regenbogenbrücke genommen. Da ich ihn bei seinem Job diverse Mal schon unterstützt habe, habe ich dieses Projekt nun zur Chefsache erklärt … auch wenn meine Fülle an Aufgaben und Verantwortung mir dafür eigentlich keinen zeitlichen Spielraum lassen.

    Für die, die mich noch nicht kennen: ich lebe im – wie es gemeinhin genannt wird – Tierheim Moers und bin das, was Ihr Zweibeiner eine Hofkatze nennt. Zumindest ist das die Umschreibung, die sich für Eure Ohren vermutlich verständlich anhört – tatsächlich verhält es sich aus tierischer Sicht etwas anders: ich bin die Managerin eines Hotels für temporär hilfebedürftige Tiere jeder Art. Diese Formulierung sollte schon deutlich machen, dass ich einen mehr als gefüllten Arbeitstag habe … ach, was heißt Arbeitstag … das ist nun wirklich kein “nine to five Job” – vielmehr eine 24/7 Tätigkeit!

    Damit Ihr Euch das alles etwas besser vorstellen könnt, will ich Euch einen kleinen Einblick gewähren. Als Managerin bin ich sowohl für meine Gäste als auch für das Personal zuständig. Meine Gäste sind natürlich allesamt Tiere … während das Personal ausschließlich aus Zweibeinern besteht.

    Personalführung ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die Durchsetzungsvermögen, Fingerspitzengefühl und viel Geduld erfordert. Ich möchte Euch an dieser Stelle anvertrauen, dass ich manches Mal der Verzweiflung sehr nahe bin. Ein paar Beispiele …

    Ich speise nicht mit den Gästen, ich habe einen eigenen kleinen Speisesaal. Natürlich ist das Personal zuständig für mein leibliches Wohl … das versteht sich ja von selbst … ich habe kaum Zeit, mich selbst darum zu kümmern. Leider läuft das nicht zufriedenstellend. Es scheint irgendwo eine Arbeitsanweisung zu geben, die besagt: Dame Paula bekommt zwei Mahlzeiten pro Tag. Ich weiß nicht, wo diese Anweisung her kommt, aber sie ist einfach nicht aus den Köpfen des dosenöffnenden Personals heraus zu bekommen. Tagtäglich – wirklich absolut jeden Tag – erkläre ich, dass ich speisen möchte, wann immer mir danach ist und dass ich schon mal gar nichts fresse, was länger als 15 Minuten auf meinem Teller liegt. Das Fingerspitzengefühl habe ich bei dieser Thematik komplett abgelegt – hier ist nur noch Durchsetzungsvermögen und offensichtlich leider auch Geduld gefragt. Zumindest klappt es inzwischen, dass ich regelmäßig meine Katzenmilch bekomme – dass ich die für mein Seelenheil brauche, haben inzwischen alle verstanden.

    Ein anderes großes Thema ist die Sache mit den Türen … jedes anständige Hotel verfügt über einen Doorman und ich kann Euch versichern: das hier ist ein mehr als anständiges Hotel! … ABER … mein Doorman scheint die meiste Zeit des Tages nicht auf die Türen zu achten, durch die ich hindurch gehen möchte. Hier scheint sich der Gedanke verfestigt zu haben, dass ich einfach durch die sogenannten Katzenklappen gehen könnte

    Ich weiß, dass ich von meinem Personal nicht den überdurchschnittlichen Einsatz erwarten kann, den ich hier einbringe – deshalb brauchen sie nachts nicht arbeiten. Da dann ja logischerweise auch niemand die Türen öffnen kann, wurden diese entwürdigenden Katzenklappen eingebaut. Aber tagsüber? Ich bitte Euch … da muss doch jemand die Türe öffnen, wenn ich hindurch möchte. Für mich absolut unverständlich und inakzeptabel.

    Ich will mich nicht nur beschweren … sie tun auch wirklich nette Dinge für mich. Mein Büro ist ja im Katzenhaus und erst kürzlich habe ich ein neues Chefbett bekommen und eine eigene Wärmesonne …das ist so schön und wohltuend, dass ich manchmal fast vergesse zu arbeiten.

    Und auch um die Gäste kümmern sie sich alle wirklich gut. Da lasse ich nichts auf mein Personal kommen!

    Von meinen Gästen muss ich Euch aber auch noch schnell erzählen. Wie gesagt – ich betreibe ein Hotel für hilfebedürftige Tiere … nicht nur Katzen … alle Tiere. In Notsituationen gibt es keine Rivalitäten zwischen Katzen und Hunden oder Katzen und Mäusen … da halten wir einfach zusammen und jeder ist willkommen. Im vergangenen Jahr haben wir sogar extra Räume umgebaut, damit Hähne und Minischweine hier wohnen konnten.

    Und auch unser Serviceangebot ist großartig. Ich will nicht hochstapeln, aber man könnte schon fast Wellness-Hotel sagen … es gibt hochwertige und abwechslungsreiche Mahlzeiten. Unsere Wintergäste, die Igel, bekommen sogar täglich einen komfortablen Transport zum Wiegen … da müssen sie nicht selber laufen … und für alles, wozu das Personal aufgrund der vielen Aufgaben nicht mehr soviel Zeit hat, gibt es noch Zweibeiner, die nur dafür da sind, die Freizeit unserer Gäste zu bereichern: sie gehen mit Hunden spazieren oder kuscheln mit Katzen.

    Unsere Gäste fühlen sich so wohl, dass sie uns bei unserer Arbeit unterstützen. Kennt Ihr Hexe? Ein großartiger Gast … 1a in den Themen Mitarbeiterschulung! Ungeduldige und ungeschickte Zweibeiner schicke ich alle in Hexe´s Seminare. Wenn einer Grenzen unmißverständlich aufzeigen kann, dann sie! Hexe hat klare Regeln: nicht über den Rücken streicheln, nicht bedrängen und äußerste Zurückhaltung … hält sich jemand nicht daran … Zack … sofort wird diese Regel untermauert und durch Konsequenzen gefestigt. Ich glaube von ihr könnte ich auch noch was lernen …

    Na ja, und auch Atreju, der Euch einige Monate mit Geschichten aus diesem Hotel (er nannte es so wie Ihr Tierheim – aber was soll man von einem Hund auch erwarten) versorgt hat, war ein Gast.

    Ihr seht, wir  sind hier ein eingespieltes Team und jeder – egal wie lange er hier verweilt – ist ein Teil des Teams. Jetzt, wo ich diesen Job hier mache, seid auch Ihr ein Teil des Teams.

    Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit und bis zu den nächsten Hotel-News wünsche ich Euch alles Gute!

    Mit sehr freundlichen Grüßen

    Dame Paula